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So wird Wahlkampf geführt

Der Wahlkampf für die Bundes- und Landtagswahlen läuft auf vollen Touren. Das bedeutet auch viel Arbeit für die Helfer hinter den Kulissen. FNP-Reporterin Nicole Jost hat zwei von ihnen begleitet.
Die Jusos verteilen mit Maik Zimmer (links) und Landtagskandidat Corrado Di Benedetto Kaffee. Bilder > Die Jusos verteilen mit Maik Zimmer (links) und Landtagskandidat Corrado Di Benedetto Kaffee.
Dreieich. 

Egal, wo ich derzeit lang gehe oder fahre: Mir lächeln freundliche Menschen von Plakaten entgegen. An einem Samstagvormittag gibt es derzeit auch kaum einen Wochenmarkt oder markanten Platz in den Städten, auf denen die Wahlkämpfer nicht unter gelben, schwarzen, roten oder grünen Sonnenschirmen stehen.

Nachdem der Wahlkampf zunächst kaum wahrnehmbar war, ist er seit dem Ende der Sommerferien deutlich zu spüren: Alle Parteien möchten, dass ich mein Kreuzchen auf dem Wahlzettel für ihre Seite setze. Natürlich können die Bundes- und Landtagskandidaten diesen Aufwand nicht ganz alleine stemmen. Sie alle haben ein starkes Team hinter sich, das die einzelnen Aktionen organisiert und in die Tat umsetzt. Welche Menschen das genau sind und was sie alles planen, wo ihre Ideen herkommen und warum sie das überhaupt machen - das alles habe ich die beiden erfahrenen Wahlkämpfer Maik Zimmer und Michael Möck gefragt. Die beiden jungen Männer unterstützen SPD-Landtagskandidaten Corrado Di Benedetto bei seinem Kampf um die Wählergunst.

Michael Möck ist 28 Jahre alt und selbstständiger Mediendesigner, Maik Zimmer ist 27 Jahre alt, Politikwissenschaftler und seit diesem Jahr Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks im Main-Kinzig-Kreis. Damit haben die beiden die Voraussetzungen, gute Strategien zu planen.

 

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„Wir haben es innerhalb der Partei sehr gut aufgeteilt. Es gibt eine eigene Gruppe für den Bundestagskandidaten Dirk Gene Hagelstein und eine für den Landtagskandidaten Corrado Di Benedetto. Innerhalb dieser Gruppen weiß eigentlich auch jeder, was er zu tun hat“, erklärt Michael Möck. Er istfür alles zuständig, was die mediale Präsenz von Di Benedetto betrifft. „Wir haben einen Facebook-Acount eingerichtet, der immer mit Informationen und neuen Fotos versorgt werden muss, aber wir haben auch Flyer entworfen und den von der Landespartei auf unseren Kandidaten hin eingerichtet“, erklärt der Mediendesigner.

Auch eine Internetseite hat der Landtagskandidat (www.di-benedetto-landtag.de), wo seine wichtigsten Themen, aber auch die Unterstützer zu Wort kommen. „Dort gibt es sogar ein Video, das wir vor einiger Zeit mit einem Mediendesigner in Ausbildung gedreht haben, bei dem Corrado Di Benedetto Wirsing kocht“, sagt Möck lachend, das Videoproduktion eine langwierige Sache ist.

Maik Zimmer ist von der Gruppe Foundraising und für die Wahlkreisanalyse zuständig. Der Politikwissenschaftler ist ständig auf der Suche nach finanziellen Unterstützern, die helfen, den aufwändigen Wahlkampf zu finanzieren. Er zeigt mir eine Karte, auf der man ankreuzen kann, ob man 5, 10, 15, 20 oder bis zu 100 Euro spenden möchte. „Das hat schon beim Wahlkampf von Bürgermeister Dieter Zimmer sehr gut funktioniert und wir hatten viele kleine Spenden, die letztlich auch viel Geld ergeben“, erläutert Maik Zimmer. Denn das Budget müssen die Herren auch immer im Auge behalten. Eine genaue Zahl wollten sie mir nicht verraten, aber es ist tatsächlich so, dass für einen Landtagswahlkampf deutlich weniger Geld bereit steht, als für den Bürgermeisterwahlkampf.

 

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Bei der Wahlkreisanalyse hat Maik Zimmer für den Wahlkreis 44 - Langen, Dreieich, Egelsbach und Neu-Isenburg - genau untersucht, welches Wohngebiet wie wählt. „Es macht keinen Sinn, Hausbesuche zu organisieren, wo hauptsächlich FDP und CDU ihre Stimmen bekommen“, erläutert er. Alle seien darauf bedacht, sehr zielgerichtet die SPD-Wählerschaft anzusprechen. „Wir können die SPD-Wähler überzeugen, können hoffen, die Erstwähler zu gewinnen und die Wechselwähler hoffentlich auch. Aber einen eingefleischten CDU-Wähler werden wir kaum überzeugen können“, erzählt Zimmer. Überhaupt Hausbesuche - ist es nicht sehr merkwürdig, bei völlig fremden Menschen zu klingeln, die man womöglich beim Essen stört und nervt? „Nein, eigentlich gar nicht. Wir wollen uns ja nicht mit den Leuten an den Tisch setzen und stundenlang politisch diskutieren.Die meisten reagieren sehr freundlich und die wenigsten wollen länger sprechen. Dafür haben wir auch eigentlich gar keine Zeit“, sagt Zimmer. Dafür gebe es aber sehr strikte Regeln, wann die Bürger zu Hause besucht werden. Optimal sei es zwischen 18 und 20 Uhr am Abend oder auch Samstag. Der Sonntag ist tabu.

Die Hausbesuche werden von den Ortsvereinen organisiert. Wie auch das Plakate kleben. „In Offenthal habe ich das gemeinsam mit unserem Ortsvereinsvorsitzenden Walter Haller gemacht. Mit den neuen „Faulenzerplakaten“ ist das ja kein großes Ding mehr. Sie werden nur noch mit Kabelbindern befestigt. Früher mussten sie noch geklebt werden und die Teile waren total schwer,.“ Auch an den Wahlkampfständen stehen die Leute von den Ortsvereinen. „Darüber hinaus gilt es gerade jetzt Corrado Di Bendetto zu begleiten. Dafür haben wir extra T-Shirts drucken lassen mit ,Team Benedetto’ hinten drauf. Damit wir als Team auch auffallen“, erklärt Michael Möck.

Das Schöne am Wahlkampf für Di Benedetto sei, dass beide den Kandidaten sehr überzeugend finden und dass ihr Einsatz eigentlich zu 100 Prozent zum Erfolg führt. „Corrado ist auf dem Listenplatz fünf, damit ist er eigentlich im Landtag“, sagt Michael Möck, „aber unser Traum und auch unser Ehrgeiz ist es, dass er die Direktwahl gegen Hartmut Honka gewinnt.“

Noch sind es etwa drei Wochen bis zur Wahl. Bis dahin werden sie die Homepage pflegen, Facebook füttern, Corrado Di Benedetto bei den Veranstaltungen begleiten, Flyer austragen, an den Wahlständen stehen und eben all das tun, um die Bürger von ihrem Kandidaten zu überzeugen.

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