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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage: Tod eines Kindes in Mörfelden-Walldorf: Zweijähriger wurde totgeschüttelt

Nach zwei Jahren ist den Ermittlern im mysteriösen Todesfall eines zweijährigen Jungen aus Mörfelden-Walldorf der Durchbruch gelungen: Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Lebensgefährten der Mutter Anklage erhoben. Er befindet sich allerdings noch auf freiem Fuß.
Justitia Justitia
Mörfelden-Walldorf. 

Unfall, Mord oder Körperverletzung? Zwei Jahre lang hat der mysteriöse Tod eines zweijährigen Jungen aus Mörfelden-Walldorf die Ermittler in Atem gehalten. Lange Zeit war nicht geklärt, wie der Junge am 3. November 2015 starb. Jetzt haben die Ermittler einen Durchbruch erzielt.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den 32-jährigen Lebensgefährten der Mutter erhoben. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Er soll das Kind so heftig geschüttelt haben, dass es drei Tage später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. „Der Junge ist an einer Gehirnverletzung gestorben, die aus rechtsmedizinischer Sicht durch das Schütteln des Kindes verursacht worden ist“, erklärt Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, gegenüber dieser Zeitung.

Der Angeklagte hatte damals ausgesagt, dass der Sohn seiner Freundin von der Couch gefallen wäre. „Die Art der Verletzung lässt sich mit dieser Aussage aber nicht in Einklang bringen“, berichtet Hartmann.

Der Freund der Mutter befindet sich allerdings weiterhin auf freiem Fuß. Obwohl die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat, hat sie keinen Haftbefehl erlassen. „Wir haben das natürlich intensiv geprüft, aber davon abgesehen. Es besteht keine Fluchtgefahr und es gibt keinen Hinweis darauf, dass er sich des Prozesses entziehen wird“, erläutert Hartmann.

Ein Haftbefehl wird unter anderem erlassen, wenn Fluchtgefahr, Wiederholungsgefahr oder Verdunklungsgefahr besteht. Bei einer Anklage wegen Mords oder Totschlags kann das Gericht auch ohne einen dieser sogenannten Haftgründe einen Haftbefehl erlassen.

Zeitpunkt der Tat

Im vorliegenden Fall sah die Staatsanwaltschaft jedoch davon ab. „Wir haben uns intensiv mit dem Angeklagten und seinem persönlichen Umfeld beschäftigt und festgestellt, dass keine Haftgründe vorliegen. Generell gilt die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist“, erläutert Hartmann die Hintergründe und betont: „Es handelt sich um einen Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge, nicht um eine Mordanklage.“

Doch warum dauerte es so lange, bis die Ermittler Licht ins Dunkel des mysteriösen Todesfalls brachten? Vier Gutachten waren nötig, bis die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 32-Jährigen erhob, zwei Jahre lang zogen sich die Ermittlungen hin.

Dass die Untersuchungen so lange dauerten, ist nicht selbstverständlich. „Es ging um schwierige rechtsmedizinische Fragen. Die Gutachten haben neue Fragen aufgeworfen, die wir klären mussten“, sagt Oberstaatsanwalt Hartmann.

Im Fokus der Ermittlungen stand vor allem der Zeitpunkt der Tat. „Diesen mussten wir genau klären, damit wir sagen können, wer zum Tatzeitpunkt mit dem Kind zusammen war“, erklärt der Oberstaatsanwalt. Die Gutachten ergaben, dass der Junge zum Tatzeitpunkt mit dem Lebensgefährten seiner Mutter alleine war.

Die Mutter selbst soll sich im gleichen Zeitraum im Keller aufgehalten haben. Gegen sie wird vorerst keine Anklage erhoben. „Das Verfahren ist mit der Anklage gegen den 32-Jährigen zum jetzigen Zeitpunkt abgeschlossen. Was während des Prozesses passiert und ob es dort neue Erkenntnisse gibt, wissen wir jetzt natürlich noch nicht“, erläutert Hartmann.

Blaue Flecken am Körper

Wurde der Zweijährige bereits im Vorfeld misshandelt? Laut Informationen der „Bild“-Zeitung hatte der Junge oft blaue Flecken, die Sanitäter sollen sogar Bissspuren am Körper entdeckt haben. Die Gerichtsmediziner fanden bei der Obduktion zwar blaue und grüne Flecken, können diese aber nicht genau zuordnen.

„Wir können nicht mit 100 prozentiger Sicherheit sagen, ob es sich dabei um Bissspuren handelt und ob die Flecken Spuren von Misshandlungen sind“, erklärt Hartmann. Der Staatsanwaltschaft fehlen die Beweise. „Wir können niemandem einen Vorwurf machen, deshalb ist Misshandlung auch nicht Teil der Anklage“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Ebenfalls kann Hartmann weder bestätigen noch dementieren, ob der Angeklagte polizeibekannt ist. „Wir geben über Vorstrafen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft.“ Erst wenn die Vorstrafen während des Prozesses eine Rolle spielen, werden diese veröffentlicht.

Sollte das Gericht den Angeklagten für schuldig befinden, muss er mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren rechnen. Das maximale Strafmaß bei Körperverletzung mit Todesfolge liegt bei 15 Jahren.

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