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„Nassen Tal“: Vandalismus im Naturschutzgebiet

Den Walldorfer Naturschützern reicht’s. Immer wieder müssen sie Schäden beseitigen, die Zerstörungswütige angerichtet haben. Nun hat die NABU-Ortsgruppe bei der Polizei einen Strafantrag gestellt.
Die Planken des zerstörten Stegs im Schutzgebiet für Vögel im „Nassen Tal“ schwimmen im Teich. Die Planken des zerstörten Stegs im Schutzgebiet für Vögel im „Nassen Tal“ schwimmen im Teich.
Mörfelden-Walldorf. 

Der Walldorfer Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) steht ein arbeitsreiches Wochenende bevor. Am morgigen Samstag ist ein Arbeitseinsatz im Vogelschutzgehölz „Nasses Tal“ geplant. Doch das ist beileibe keine langfristig geplante Routineaktion. Vandalismus zwingt die ehrenamtlichen Helfer zu diesem Arbeitseinsatz.

„Das geht schon geraume Zeit so“, schilderte der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe, Fritz Jourdan, die Situation. Immer wieder entdecken die NABU-Mitglieder Hinterlassenschaften im „Nassen Tal“. „Die Bänke werden gerne benutzt, die Instandhaltung und die Müllentsorgung überlasst man bedenkenlos unseren ehrenamtlichen Helfern“, fasste Ruth Ortwein, Vorsitzende des NABU-Walldorf, die Vorfälle zusammen.

Was Ortwein hier noch so höflich umschreibt, ist nichts anderes als Vandalismus. Verschiedene Gruppen nutzen das idyllische Schutzgebiet für Vögel, um sich zu amüsieren. „Das sieht man an herumliegenden Bierflaschen, in die Büsche geworfenen Schnapsfläschchen, Zigarettenkippen und anderem Müll“, sagte Ortwein. Auch Drogenabhängige gehen ihrer Sucht und vermutlich auch Geschäften an dem ruhigen Ort nach.

Auf die Lauer legen

Seit rund zwei Jahren gibt es das Problem, so die Vorsitzende der Ortsgruppe. „Am schlimmsten war es an dem langen Oktoberwochenende“, erklärte Ortwein. In der Nacht zum 3. Oktober wurden zwei Tore eingedrückt und der hölzerne Steg des kleinen Teiches zerstört. „Wir haben Strafantrag bei der Polizei gestellt“, sagte Ortwein. Viel Hoffnung habe sie aber nicht, ergänzte die Vorsitzende.

Diese Einschätzung bestätigte auch die Polizei der Doppelstadt. „Ohne Zeugen wird es hier sehr schwierig, erfolgreich zu sein“, hieß es von der Dienststelle. Daher sei es wichtig, so die Polizei, dass eventuelle Zeugen sich bei der Polizei in Mörfelden-Walldorf melden. Derzeit fahren die Beamten dort verstärkt Streife.

Auch der Ortsverband hat einige Initiativen gestartet. „Wir nutzen jetzt Videokameras, um das Vogelschutzgehölz zu überwachen“, sagte Ruth Ortwein. Darüber hinaus würden sie sich zu unregelmäßigen Zeiten auf die Lauer legen, ergänzte sie. Sollten sie etwas bemerken, werde umgehend die Polizei alarmiert.

„Der materielle Schaden von dem Wochenende dürfte wohl bei rund 300 Euro liegen“, stellte Ortwein fest. Sie und die Helfer hoffen, noch einen Teil des alten Stegs retten zu können. Was mehr ins Gewicht fällt, ist die Arbeit. Statt sich um Brutkästen und die Wintervorbereitungen kümmern zu können, müssten die ehrenamtlichen Mitarbeiter erstmal das Schutzgebiet wieder in Ordnung bringen. Fast noch schlimmer als die angerichteten Schäden seien die Auswirkungen auf die Tierwelt, wie die Vorsitzende des NABU-Ortsverbands erklärte. „Im vergangenen Sommer kamen viel weniger Vögel als sonst“, sagte sie. Die „Störenfriede“ hatten sie vertrieben. Auch andere Wildtiere vom Reh bis zum Fuchs, die den Teich gerne als Tränke nutzen, bleiben mittlerweile aus. Gerade in der hiesigen zersiedelten und von intensiver Landwirtschaft geprägten Landschaft sind aber solche Refugien gerade für Vögel wichtig.

Besucher bleiben aus

Und auch für die Menschen hat es direkte Auswirkungen. „Früher kamen immer wieder Spaziergänger, die das „Nasse Tal“ in Ruhe genossen, die Vögel beobachtet haben“, erklärte Ortwein. Auch für Kinder aus den Kindertagesstätten war es ein schönes Ziel, um mehr über die Natur zu lernen. „Die trauen sich heute nicht mehr her“, stellte Ruth Ortwein fest. Sie habe es schon mehrfach erlebt, dass Spaziergänger erst einmal vorsichtig schauen, wer sich in dem Vogelschutzgehölz aufhält. „Erst wenn sie sehen, dass wir es sind, kommen sie her“, sagte die Vorsitzende.

„Es ist uns wichtig, dass das aufhört. Wir wollen, dass wieder die Besucher kommen, die das Gelände zu schätzen wissen“, machte Ortwein deutlich. Morgen soll erst einmal alles repariert und der Müll weggeräumt werden. Dann bleibt zu hoffen, dass verstärkte Kontrollen der Polizei, eigene Kontrollen der Ortsgruppe, aufmerksame Spaziergänger und die Videoüberwachung ihre gewünschte Wirkung erzielen. Da der NABU-Ortsverband das Hausrecht auf dem Gelände habe, sei die Videoüberwachung nicht genehmigungspflichtig, erklärte Fritz Jourdan. Dies habe die Polizei ausdrücklich bestätigt.

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