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Zugemauert: Verborgene Tür in der Burg ist ein Glücksfall

Von Bei Arbeiten für ein Gutachten wurde in der Burg eine zugemauerte Tür entdeckt. Diese zusätzliche Öffnung zum Burggarten soll nun reaktiviert werden. Außen soll eine Treppe gebaut werden.
So ungefähr soll die Treppe aussehen, die bis spätestens zum Burgfest einen zweiten Fluchtweg aus dem Burggarten ermöglichen soll.   Visualisierung: Jourdan&Müller Steinhauser • PAS Architekten GmbH So ungefähr soll die Treppe aussehen, die bis spätestens zum Burgfest einen zweiten Fluchtweg aus dem Burggarten ermöglichen soll. Visualisierung: Jourdan&Müller Steinhauser • PAS Architekten GmbH
Dreieich. 

Da ist die Hainer Burg mehr als 900 Jahre alt, und keiner hat von dieser besonderen Tür gewusst. Die alte Stadtmauer aus dem elften Jahrhundert wurde für ein bauhistorisches Gutachten vom Efeu freigeschnitten, und dabei ist die vermutlich im 19. Jahrhundert zugemauerte Öffnung zutage getreten. Diese Tür in Richtung Solmische Weiherstraße beendet nun endgültig die Diskussion einer Öffnung der Mauer für einen zweiten Notausgang im Burggarten. Schon heute wird die Baustelle eingerichtet, um einen zusätzlichen Fluchtweg zu schaffen. Geplant ist ein Ausgang, der über eine Stahltreppe im Notfall schnell nach draußen führt.

„Für uns als Vermieter des Burggartens war das Unglück bei der Loveparade 2010 ausschlaggebend, nachhaltig über die Sicherheit nachzudenken. Die Burganlage ist aus ihrer Geschichte heraus ja ein in sich geschlossener Ort. Wir haben aber inzwischen rund 50 Veranstaltungen im Jahr im Burggarten, zum Teil mit mehr als 1000 Besuchern. Da liegt es natürlich in unserer Verantwortung, für die Sicherheit zu sorgen“, erläutert Detlef Odenwald, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins Dreieichenhain. Der Burggarten musste in der Vergangenheit auf eine Besucherkapazität von 1000 Menschen begrenzt werden. Das war zum Burgfest nicht mehr zu gewährleisten, so wurde zu dem Fest in den vergangenen beiden Jahren schon eine aufwendige und teure Treppenkonstruktion aufgebaut.

2015 wurde eine Stelle an der Außenhaut der Mauer ausgewählt, um einen Durchbruch zu schaffen. „Während wir stets den Sicherheitsaspekt in den Vordergrund gestellt haben, ist die Diskussion an die Öffentlichkeit geraten, und plötzlich stand der Denkmalschutz im Mittelpunkt“, erinnert sich der Vorsitzende. Eine „kleine Gegenbewegung“, wie Odenwald sagt, habe dem Verein vorgeworfen, die historische Burganlage zu durchlöchern. „Das war völlig daneben.“ Aber jetzt ist ja eine viel bessere Lösung gefunden.

Teurere Lösung

Bei Untersuchungen der Denkmalschutzbehörde, bei der Mauerteile auf ihre historische Bedeutung hin untersucht werden sollten, kam das über Jahrzehnte gewachsene Efeu weg, und die Überraschung wurde offenbar: Es gab schon mal eine Tür nach draußen. „Das ist eine Öffnung, die wir nur reaktivieren müssen. Aber es ist auch eine schmerzlich teure Lösung für den Verein“, betont Odenwald. Statt der geplanten 35 000 Euro rechnet der Geschichts- und Heimatverein nun mit gut dem dreifachen Betrag als Investition. Die Stelle in der Mauer ist deutlich weiter hinten als die zuvor ausgewählte Fluchtweg-Option. Aus der Sicht aus dem Inneren des Burggartens geht es dann künftig in Richtung Bühne nach draußen. Dort liegt der Garten aber auf einem deutlich höheren Niveau als der Weg draußen. „Deswegen müssen wir eine Treppenanlage bauen. Von innen reichen uns fünf Stufen“, erklärt Detlef Odenwald.

Rechts ist die ehemalige Tür zu sehen, die hinter dem Efeu und zugemauert einen Dornröschenschlaf gehalten hat. Bild-Zoom
Rechts ist die ehemalige Tür zu sehen, die hinter dem Efeu und zugemauert einen Dornröschenschlaf gehalten hat.

Helmut Holzmann, Vorstandskollege von Odenwald, erklärt: „Es war wirklich eine Überraschung, dass es diese Tür gibt. Das ist der einzige Mauerteil, den wir bislang noch nicht angefasst hatten. Diese Stelle ist als Teil der Stadtmauer im Besitz der Stadt Dreieich und gehört nicht dem Verein.“ In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde, der Bodendenkmalbehörde und dem Architekturbüro des Dreieichenhainers Jochem Jourdan (Jourdan&Müller Steinhauser • PAS Architekten GmbH) wurde das neue Konzept für den Notausgang erarbeitet. Eine Baugenehmigung liegt inzwischen vor, und eine Fachfirma, die sich mit dem sensiblen alten Gestein auskennt und auch schon an der Burg gearbeitet hat, ist beauftragt.

So schnell wie möglich

„Wir wollen den Durchbruch so schnell wie möglich realisieren, um die Sicherheit eines zweiten Notausgangs möglichst bald zu haben“, kündigt Holzmann an. Spätestens bis zum Burgfest im September soll der Bau abgeschlossen sein. Etwas Zeit benötige die Umsetzung der „leichten und luftigen Treppe, die sich aus Korten-Stahl in rostiger Farbe an die Burgmauer anpassen soll“, weil es derzeit sehr schwierig sei, Stahlbauer zu finden.

Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) ist froh, dass es jetzt eine gute Lösung für die Burg und die Sicherheit gibt: „Uns geht es nicht darum, noch mehr Besucher für die Veranstaltungen in der Burg zu gewinnen, sondern im Notfall, gerade bei kulturellen Höhepunkten, geeignete Fluchtwege bieten zu können.“ Auch Bürgerhaus-Chef Benjamin Halberstadt ist froh, wenn es spätestens zu den Burgfestspielen 2019 einen zweiten Ausgang für den Notfall gibt. „Gerade bei den klimatischen Bedingungen und den auftretenden Gewittern muss die Entflüchtung sehr schnell gehen.“ Mit der neu entdeckten, alten Tür und der dann gebauten Treppe könnten 1700 Menschen innerhalb von zehn Minuten sicher und schnell aus dem Burggarten gebracht werden.

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