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Vermieter sollen Courtage zahlen

Was in Großbritannien gang und gäbe ist, möchte die rot-grüne Koalition in Hamburg nun mit einer Gesetzesinitiative im Bundesrat auch in Deutschland zur Regel machen: Nämlich dass die Maklercourtage künftig der Vermieter und nicht der Mieter zahlt.
Frankfurt. 

Die Mieter freut’s, Vermieter und Makler sind wenig begeistert. Die Gesetzesinitiative aus Hamburg spaltet die Gesellschaft, auch in Frankfurt. Einer, der das Ganze "für Blödsinn" hält, ist Nikolaus Jung, Geschäftsführer von Haus & Grund in Frankfurt. "Es wird nicht dazu führen, dass diese Kosten plötzlich wegfallen. Die Vermieter werden sie auf die Kaltmiete draufschlagen", erwartet Jung. Er hält die Initiative, für die es bereits Unterstützung aus Berlin und Nordrhein-Westfalen gibt, für populistisch. Gerade in Ballungsräumen, wo der Wohnungsmarkt angespannt ist, werde ein solches Gesetz den Druck nicht mindern, im Gegenteil, die Mieten würden steigen. "Das wird auch auf dem Markt durchsetzbar sein, weil die Menschen nach wie vor in die Innenstädte drängen", ist Jung überzeugt. Anders sehe es in ländlichen Regionen aus. "Da legt der Vermieter ja jetzt schon gern noch was drauf, Hauptsache, die Wohnung ist vermietet."

"Augenwischerei"

Eine ähnliche Position vertritt Stephan Schlocker vom Hessen-Vorstand des Immobilienverbands Deutschland. "Das ist nur Augenwischerei. Faktisch ändert sich gar nichts. Es zahlt immer der Mieter oder Käufer die Provision. Das wird dann nur auf die Miete oder den Kaufpreis draufgeschlagen." Gerade für Ballungsräume sei das fatal, weil die Mieten stiegen. Zudem schreckten solche Maßnahmen Investoren ab. Viele Vermieter zögen sich aus dem Markt zurück, weil es ihnen zu kompliziert werde. "Dabei brauchen wir diese Leute", mahnt Schlocker. Wenn sie nicht mehr investierten, sinke das Angebot – und damit stiegen die Preise weiter.

Ganz anders sieht das Jürgen Lutz vom Vorstand des Vereins "Mieter helfen Mietern". "Die Courtage ist für uns ein ärgerlicher Extraprofit, der von den Mietern kassiert wird, weil der Mietmarkt so eng ist", erläutert er. Und auch wenn Lutz Bedenken hat, ob die Initiative sich durchsetzen wird, so begrüßt er sie. "Das ist der richtige Gedanke, dass der bezahlt, der den Auftrag gibt." Der Zeitpunkt sei geschickt gewählt, derzeit sei der öffentliche Druck groß, "das Wohnungsproblem in aller Munde".

"Hintertürchen"

Der Mieterschützer befürchtet allerdings, dass findige Vermieter und Makler es am Ende ohnehin wieder so hinstellen werden, dass der Mieter den Auftrag erteilt hat, obwohl eigentlich der Vermieter hinter der ganzen Sache steckt. "Die finden schon ein Hintertürchen", meint Lutz. Dass die Vermieter die Courtage einfach auf die Kaltmiete draufschlagen werden, hält er für unrealistisch. "Wir haben bei den Mieten die Wuchergrenze schon überschritten", sagt er. Eine einmalige Courtagezahlung würden Mieter, die eine Wohnung suchen, vielleicht noch schlucken. Aber bei einer dauerhaft hohen Miete würden sie sehr genau auf ihr Einkommen gucken, ob sie sich das überhaupt leisten können. stef

(stef)
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