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Vom kulturellen Absturz einer ganzen Nation

Der gebürtige Seligenstädter Franz Boeres hat sich mit dem Schrecken des Ersten Weltkriegs auseinandergesetzt. Seine Werke sind derzeit im Regio Museum Seligenstadt zu sehen.
Beim Gang durch die Ausstellung mit Andrea und Oliver Quilling erläutert Angela Beike die Stimmung der Nachkriegswerke Franz Boeres.	Fotos: Klaus Braungart Bilder > Beim Gang durch die Ausstellung mit Andrea und Oliver Quilling erläutert Angela Beike die Stimmung der Nachkriegswerke Franz Boeres. Fotos: Klaus Braungart
Kreis Offenbach. 

100 Jahre ist es her, dass der Erste Weltkrieg einen bis dato nie gekannten Schrecken über Europa brachte. Im Gedenken an den Kriegsbeginn 1914 stellt das Regio Museum Seligenstadt gemeinsam mit dem Kreis Offenbach und dem Verein zur Förderung des Landschaftsmuseums Seligenstadt die Werke eines Künstlers aus, der auf beeindruckende und zeitlose Art und Weise die Schrecken des Krieges darzustellen wusste. Besonders sein späteres Schaffen widmete Franz Boeres dem Tod und dem Sterben während des Ersten Weltkriegs. Margret Schöneich, die Vorsitzende des Fördervereins, bestätigte, dass sich das Gedenkjahr an den Ersten Weltkrieg gut mit dem Thema der Ausstellung „Aus dem Leben eines Künstlers – Franz Boeres und der Erste Weltkrieg“ deckt.

Zur Vernissage im Winterrefektorium der ehemaligen Benediktinerabtei fanden sich viele Interessierte zusammen, um vor der Besichtigung der Ausstellung mehr über den Künstler Franz Boeres zu erfahren. Schnell wurde klar: Auch wenn sein Tod 1956 schon viele Jahrzehnte zurück liegt, hat der Maler, Bildhauer und Designer mit seiner Kunst und seinem Wesen einen bleibenden Eindruck bei den Seligenstädtern hinterlassen.

Manche ältere Bürger erinnern sich noch an ihn. So hat Karl Blehle Franz Boeres noch persönlich gekannt. Der Maler kaufte damals im „Drogen, Kolonial- und Materialladen“ der Familie Blehle Terpentin und Pulverfarbe. „Ein interessanter Mann mit Haarwelle“, erinnert sich Blehle. Eine Bleistiftzeichnung von Boeres hängt bei ihm zu Hause. Auch Landrat Oliver Quilling (CDU) betonte bei seiner Eröffnungsrede, dass Boeres ein außergewöhnlich vielfältiger Künstler gewesen sei.

Boeres begann als Designer. Industriedesign, aber auch Schmuck waren eine große Leidenschaft des gebürtigen Seligenstädters. Der bezaubernde Jugendstil spiegelt sich in einem Anhänger wider, der auch bei der Ausstellung zu sehen ist und auf großes Interesse bei den Besuchern stieß. „Auf Wunsch stellt eine Silberschmiedin Duplikate in Anhänger- oder Broschenform her“, erklärte die Vorsitzende des Kunstvereins, Schöneich. Die Schmuckstücke sind eine kleine Ausnahme des Weltkriegsthemas, machen aber mit ihrer Schönheit zugleich deutlich, was für einen kulturellen Absturz der Krieg bedeutete.

Die Kuratorin der Ausstellung, Angela Beike, erklärte, dass es Boeres ähnlich ging wie den meisten Deutschen. Voller Hoffnung glaubte er an die „gute Sache“ des Kriegs, und voller niederschmetternder Ernüchterung kam er an dessen Ende zur Erkenntnis, dass dieser nichts als Tod und Zerstörung gebracht hatte.

Die Person Franz Boeres steht stereotyp für den Zeitgeist des frühen 20. Jahrhunderts, der mit großen Hoffnungen in das neue Jahrhundert ging und wenig später von einer harten Wirklichkeit traumatisiert wurde. 1952 wurde Franz Boeres Ehrenbürger der Stadt Seligenstadt. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof.

Bis zum 3. Oktober sind die Werke Franz Boeres im Regio Museum zu besichtigen.

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