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Kommunalwahl 2016: Von Jubelstürmen bis Katerstimmung

Während die Freien Wähler ihren Überraschungscoup bei der Kommunalwahl ausgelassen feierten, war bei der SPD und vor allem den Grünen Trübsalblasen angesagt. FDP und DKP/Linke Liste wiederum sahen sich für ihren Einsatz im Wahlkampf belohnt.
Mit einer ausgelassenen „La Ola“-Welle feierten die Freien Wähler um Spitzenkandidat Burkhard Ziegler (links) ihr Wahlergebnis. Foto: Marc Schüler Mit einer ausgelassenen „La Ola“-Welle feierten die Freien Wähler um Spitzenkandidat Burkhard Ziegler (links) ihr Wahlergebnis.
Mörfelden-Walldorf. 

Die „La Ola“-Welle schwappte am Sonntagabend durch „Die Bar“ am Sportplatz der Sport- und Kulturvereinigung Mörfelden. Überschwänglich feierten die Freien Wähler (FW) dort ihren Erfolg bei der Kommunalwahl in der Doppelstadt. Als zweitstärkste Fraktion können sie nun in der Stadtpolitik ein Wörtchen mitreden – wobei es am Wahlabend sogar noch so aussah, als ob die FW aus dem Stand sämtliche anderen Parteien hinter sich gelassen hätte.

Eva Schmitz sieht das Abschneiden ihrer Partei keinesfalls als Protestwahl sieht, sondern als Auftrag für den politischen Wechsel: „Für uns ist das Ergebnis ein klarer Auftrag der Menschen aus Mörfelden und Walldorf. Wir haben früh gesagt, in welche Richtung wir gehen wollen, und das haben die Wähler anerkannt. Wir wollen weiter vom Flughafen profitieren, auch wenn es natürlich ungenutzte Potenziale für den Lärmschutz gibt. Aber in Mörfelden-Walldorf ist der Flughafen nicht die einzige Lärmquelle“, gab sie zu bedenken „Die Menschen hier haben erkannt, dass die aktuelle Politik an den Bedürfnissen der Bürger vorbeigelaufen ist.“

Mit viel Applaus der etwa 40 Anwesenden wurde Spitzenkandidat Burkhard Ziegler empfangen, der das Ergebnis seiner Partei als unglaublich bezeichnete. In zahlreichen Wahlkreisen hatten die FW nach dem Trendergebnis als stärkste Fraktion abgeschnitten und im Gesamtresultat sogar die SPD überflügelt. „Wir hatten aber schon vor der Wahl gewonnen, weil wir tolle Leute in unseren Reihen haben, die an dieses Projekt geglaubt und alles dafür getan haben, es zu verwirklichen. Das Ergebnis ist ein Vertrauensbeweis für unseren politischen Ideen und Ziele. Wir werden uns nun in Ruhe zusammensetzen, das Ergebnis analysieren und dann sehen, wie wir damit verfahren wollen“, so Ziegler.

Kritik am Bündnispartner

Für die SPD war das Wahlergebnis hingegen ernüchternd, und so war auch die Stimmung bei deren Wahlparty im Sportlerheim der Sport- und Kulturgemeinschaft in Walldorf. Einen Schuldigen hatte die Genossen bereits ausgemacht – den bisherigen Koalitionspartner, die Grünen. „Die Bundespolitik hatte natürlich Einfluss auf das Wahlergebnis, etwa die Flüchtlingspolitik. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Zusammenarbeit mit den Grünen der SPD geschadet hat. Die Vorgehensweise bei der Waldenserschule oder dem Flughafen – darunter hat die SPD bei dieser Wahl gelitten“, analysierte Werner Schmidt, der Ortsvereinsvorsitzende der Sozialdemokraten. Zufrieden mit dem eigenen Abschneiden konnte er keineswegs sein, seine Partei hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 12 Prozent und den Status als stärkste Fraktion verloren.

Schmidt war einer der ersten, der den Freien Wählern zu ihrem Erfolg gratulierte und sogleich eine konstruktive Zusammenarbeit anbot. Gleichzeitig hoffte die SPD, mit dem Kumulieren und Panaschieren noch einiges an Boden gut zu machen. „Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung einer Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung, wir werden uns keiner vernünftigen Mehrheitsbildung verweigern. Aber das müssen die Freien Wähler entscheiden und diskutieren“, so Schmidt, der auch darauf verwies, dass seine Partei den Bürgermeister stellt und dieser möglichst eine handlungsfähige Mehrheit hinter sich wissen sollte.

Ungewohnt wortkarg

Fast wie versteinert saßen die Vertreter der Grünen im Sitzungssaal des Walldorfer Rathauses und trauten ihren Augen kaum. Mit einem geringeren Ergebnis als 2011 war zu rechnen, dass es allerdings so schlecht ausfiel, das erwartete niemand. „Die Wähler haben entschieden, und sie wollen etwas anderes, wie man sieht. Mehr möchte ich dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“, gab sich Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn nach den sich immer deutlicher abzeichnenden Trendergebnissen ungewöhnlich wortkarg.

Fast 14 Prozent hatten die Grünen gegenüber dem Ergebnis von 2011 verloren. Von einer Abstrafung der rot-grünen Politik vonseiten der Wähler wollte bei der Ökopartei noch niemand reden, vielmehr wurde auf eine Protestwahl verwiesen. Franz-Rudolf Urhahn versuchte den Blick auf den Kreistag zu lenken. „In Mörfelden-Walldorf gibt es keine AfD, dafür sind die Freien Wähler stärkste Kraft. Für den Kreistag haben etwa 14 Prozent der Wähler hier in der Doppelstadt die AfD gewählt. Das werden dann auch spaßige Zeiten in Mörfelden-Walldorf“, so Urhahn lakonisch, der sich damit nicht gerade als guter Verlierer zeigte.

Zielsetzung übertroffen

„Lasst es uns anpacken!“ lautete der Slogan der FDP im Wahlkampf in Mörfelden-Walldorf und in diesem zählen die Liberalen zu den Gewinnern. Fast drei Prozent legte die FDP zu, statt einem Sitz hält sie nun drei. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, unser Ziel nicht nur zu erreichen, sondern es zu übertreffen“, erklärte FDP-Spitzenkandidat Carsten Röcken bei der Wahlparty seiner Partei im Sportlercasino der Turngesellschaft Walldorf. Er hatte ein starkes Abschneiden der Freien Wähler erwartet, jedoch nicht in diesem Ausmaß.

Auch Röcken fragte sich, wem die Wähler der Alternative für Deutschland auf Kreisebene bei der Gemeindewahl in Mörfelden-Walldorf ihre Stimme gegeben haben und interpretierte das Ergebnis der FW als eine Mischung aus Protest und Abstrafung der bisherigen rot-grünen Politik in den Rathäusern der Doppelstadt. „Der Wähler war unzufrieden mit der rot-grünen Führung, wobei es eher eine grün-rote Regierung war, so wie diese gehandelt hat“, meinte Röcken, bevor er zum gemütlichen Teil des Abends überging. „Wir haben viel Energie in den Wahlkampf gesteckt und versucht mit Inhalten bei den Wählern zu punkten. Das haben sie auch anerkannt und darum können wir auf unser Ergebnis stolz sein.“

Unverbrauchte Gesichter

Die DKP/Linke Liste feierte am Sonntagabend im „Grillhaus“ in Walldorf ihren Erfolg bei der Kommunalwahl. Mehr als fünf Prozent hatte die Partei hinzugewonnen und zwei zusätzliche Sitze erobert. Vor allem der Umstand, dass man in Walldorf das Ergebnis von 2011 fast verdoppeln konnte, begeisterte die Mitglieder der DKP/LL, und so mancher schrieb das dem Wahlkampf mit jungen, unverbrauchten Gesichtern zu, wie etwa Gelincik Tuzcu oder Tim Beyermann. „Vielleicht hat gerade das die zahlreichen jungen Wähler angesprochen“, mutmaßte Beyermann anschließend stolz. Dietmar Treber, der auch künftig für die DKP/Linke Liste in der Stadtverordnetenversammlung sitzen wird meinte: „Unsere nachhaltige Arbeit im Stadtparlament wurde honoriert, das ist das Wichtigste. Die Verluste der Koalition im Rathaus ist der bisherigen Politik geschuldet. Immer wieder wurden für die Bürger wichtige Themen zu spät oder gar nicht besetzt, während wir darauf hingewiesen und uns an Ort und Stelle engagiert haben.“

Bei einem kühlen Getränk und gutem Essen wurden die Ergebnisse nicht nur aus der Doppelstadt, sondern auch aus dem Kreis beobachtet und sofort analysiert. Bedenklich stimmte die Mitglieder der DKP/LL das Abschneiden der AfD auf Kreisebene, das sie vor allem einer Protestwahl gegen die Bundespolitik geschuldet sahen, ähnlich wie die Wahlerfolge der Grünen nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Zur Wahlbeteiligung von 42,6 Prozent gab es kritische Worte. „Berauschend ist diese Beteiligung nicht, das finde ich sehr schade“, sagte der Vorsitzende der DKP/LL, Gerd Schulmeyer.

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