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Von abgeknickten Ohren und anderen Ungerechtigkeiten

Von Ivonne Keller, Ute Mügge-Lauterbach und Almuth Heuner lasen beim Dichterfrühstück aus ihren Werken vor. Dazu gab es Musik von zwei Gitarristen.
Autorin Ivonne Keller trug eine Kurzgeschichte vor. Autorin Ivonne Keller trug eine Kurzgeschichte vor.
Mörfelden-Walldorf. 

Unter dem Motto "Nachtgeflüster" hatte die Stadtbücherei am Sonntag zum Abschluss ihrer diesjährigen Dichterfrühstücke eingeladen. Einmal mehr trafen sich etwa 30 Zuhörer im Cafe am Dalles in Mörfelden, um bei Brötchen, Kaffee und Getränken drei Autorinnen zu lauschen.

Jedoch gab es eine kleine Programmänderung, denn die 1970 in Oberissigheim bei Frankfurt geborene Schriftstellerin Ivonne Keller hatte sich kurzfristig entschlossen, nicht ihren Kurzkrimi "Der Stein" zu lesen, sondern aus "Von abgeknickten Ohren und anderen Ungerechtigkeiten". Nach ihrer Ausbildung bei einer Bank ist sie nach einer kurzen Orientierungsphase als Kellnerin und Chefsekretärin bei einer Frankfurter Unternehmensberatung als Personalerin tätig. 2008 begann sie zu schreiben – zunächst zwei Romane, bevor sie sich 2011 Kurzgeschichten zuwandte, die in verschiedenen Medien veröffentlicht wurden. Im Oktober 2011 wurde Keller Mitglied der "Mörderischen Schwestern", eine Vereinigung deutscher Krimiautorinnen. Erst im Oktober 2012 wurde auch die Geschichte in einer Anthologie des twinmedia Verlags in der Schweiz veröffentlicht, aus der sie am Sonntag las.

Nichts mehr wie vorher

Früher teilte sich Kerstin das Haus einträchtig mit ihrer Zwillingsschwester Regine. Bis Wolfgang in ihr gemeinsames Leben trat und sich in Regines abgeknicktes Ohr verliebte. Danach war nichts mehr wie vorher, alles brachte Wolfgang durcheinander. Als Regine auszieht, um mit Wolfgang zusammenzuleben, platzt Kerstin der Kragen. Wie gut, dass es reißfeste Abfallsäcke für die Überreste der beiden gibt. Als zwei Jahre später ein fremder Hund sich auf ihr Grundstück verirrt, scheint die Vergangenheit Kerstin einzuholen. Auf merkwürdige Weise erinnert dieser Köter an Wolfgang. Und was hat die fette schwarze Spinne in Kerstins Gartenschuppen mit ihr vor, als sie sich vor dem Hund darin flüchtet? Am Ende war es der Fantasie der Zuhörer überlassen, das herauszufinden.

Zurzeit schreibt Keller an ihrem dritten Frauenroman "Arnes Augen". Er handelt von den Freundinnen Teresa und Mira und zwei Brüdern, die sich hassen, sowie einem kleinen Mädchen, das die Welt aller Beteiligten ins Wanken bringt.

Bei Ute Mügge-Lauterbach, die unter dem Pseudonym Fenna Williams schreibt, stand der Mutterwitz im Mittelpunkt. Ihre Geschichte "Breite Räder – Heiße Bäder", in der Saubermänner baden gehen, handelte von einer jungen Rechtsanwältin, die den Berliner Lastwagenfahrer Johann Schmidt vor Gericht vertritt und die man durch diesen vermeintlich aussichtslosen Fall loswerden will. Die Rechtsanwältin weiß das aber bereits. Der frauenfeindliche Richter, sein eingeschworener Staatsanwalt und ihr eigener Chef werden allerdings noch lernen, Mutterwitz und des Volkes Stimme nicht zu unterschätzen. In dieser Geschichte stiegen Zuhörer in Frankreich in einen großen Laster und ließen sich über ein berühmt-berüchtigtes Chateau nach Berlin fahren, mitten hinein in einen Gerichtssaal, in dem zwar der Fahrer des Wagens angeklagt ist, sich aber Richter und Staatsanwalt verteidigen müssen.

Die 1956 geborene freie Autorin lebt und arbeitet als Studienreise- und Seminarleiterin in Wiesbaden. Ihr Schreibwunsch und ihre Schreibwut wurden an drei Orten in passende Normseiten und Drehbuchformen gebracht: Sie studierte Creative Writing am Bellevue Community College/Seattle, USA, belegte Creative Writing Courses im Morley College von London und absolvierte ein zwölfmonatiges ScriptLab (Drehbuchentwicklungsprogramm) am Filmhaus Frankfurt/Main.

Mörderische Aspekte

Was es mit der Geschichte "Silvesterball" auf sich hat, schilderte die Autorin Almuth Heuner. Die Story stammt aus dem Band "Mord zwischen Lachs und Lametta", den sie mit herausgegeben hat und der erst kürzlich in einer neuen Ausgabe erschienen ist. Die Storys stammen von deutschsprachigen und internationalen Krimi-Autoren und konzentrieren sich auf die kulinarischen und mörderischen Aspekte von Fest- und Feiertagen im Jahresverlauf – mit Rezepten. In der Geschichte "Silvesterball" mit einer namenlosen Ich-Erzählerin ist ein Walzer der Schicksalstanz. Sie ist Liebesromanautorin, neuerdings überraschend erfolglos, und nun erfährt sie von ihrem charmanten und gutaussehenden Tanzpartner, warum das so ist. Nicht nur hat er nun die Vorrangstellung beim Verlag, die sie früher innehatte, sondern er hat sie auch als Lieblingsschüler bei ihrer kürzlich verstorbenen Mentorin verdrängt. Die Erzählerin wird misstrauisch, und noch während des Walzers reift ihr Plan. Angesichts des üppigen Festbüffets bietet sich ihr auch schnell eine Gelegenheit, das Vorhaben gleich in die Tat umzusetzen.

Musikalisch begleitet wurde das Dichterfrühstück von den beiden Gitarristen Patrick Lahr und Ferdinand Fischer, beider Schüler der städtischen Musikschule.

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