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Von der Faszination des Reitsports

FNP-Mitarbeiterin Nicole Jost schaute sich einen Nachmittag lang den Reitbetrieb auf dem Hof der Familie Fiebig an. Ihrem Bericht ist anzumerken, dass sie selbst Reiterin ist.
Das ist die ganz ganz große Liebe: Sophie Michels mit der Ponystute „Lovely Night“, die sie zwei Mal in der Woche im Unterrichtbei Zinta Lacereitet.  Foto: Jost Das ist die ganz ganz große Liebe: Sophie Michels mit der Ponystute „Lovely Night“, die sie zwei Mal in der Woche im Unterrichtbei Zinta Lacereitet. Foto: Jost
Egelsbach. 

Um die Mittagszeit herrscht im Stall der Familie Fiebig eine angenehme Ruhe. Als ich den Stall betrete, drehen sich einige der edlen Vierbeiner neugierig zu mir um, kümmern sich aber sofort wieder um ihr Heu, auf dem sie zufrieden herumkauen. Die Mittagspause ist die "Ruhe vor dem Sturm", am Nachmittag wird es auf dem Hof, der mit dem Reit- und Freizeitclub, und dem Reitsportclub Egelsbach gleich zwei Reitvereine beheimatet, lebendig. Viele Mädchen kommen aus der Umgebung angeradelt, um die Pferde zu putzen, zu betüddeln und auch um sie zu reiten.

Seit den 1970er Jahren hält die Familie Fiebig Pferde, und schon seit vielen Jahren haben sie auch Pferde anderer Leute in Pension stehen. "Derzeit sind es 47 Pferde", erzählt mir Ulrike Fiebig, "seit zehn Jahren ist der Reitsportclub (RSC) hier, der auch für Kinder Schulbetrieb auf vereinseigenen Pferden anbietet." Damit wird vielen Kinder die Möglichkeit eröffnet, Reiten zu lernen, ohne ein eigenes Pferd zu besitzen. Der RSC wurde für seine hervorragende Jugendarbeit mit dem Preis "bester hessischer Schulbetrieb" ausgezeichnet.

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"Es ist wie eine Krankheit, ein Virus. Wenn man einmal davon befallen ist, wird man ihn nie wieder los", erklärt Zinta Lace lächelnd, als ich sie frage, was sie an dem Sport und den Tieren so fasziniert. Sie selbst schildert ein Kindheitserlebnis: "Ich war mit meiner Tante auf einem Reitturnier. Ich bin damals noch nicht in die Schule gegangen und habe gesehen, wie die Reiter ihre Pferde über riesige Hindernisse geritten haben. Damals habe ich mir geschworen, dass ich das auch eines Tages machen möchte."

Diesen Wunsch hat die sportliche Frau umgesetzt Sie gehörte in der ehemaligen UdSSR zum Nationalkader im Springsport. Inzwischen hat sie umgesattelt und reitet Dressur. "Morgens gilt mein erster Gedanke den Pferden, und abends vor dem Schlafen geht auch der letzte dahin", erklärt die Reitlehrerin. Derzeit reitet sie mit ihrem eigenen Pferd "Kompass" bis in die höchste Klasse Grand Prix und bringt jeden Nachmittag den Kindern in Egelsbach das Reiten bei. Dabei merke ich ihr bei jedem Schritt an, obwohl es ihr Beruf ist, dass ihr Herz an den Pferden hängt. Ganz selbstverständlich bringt sie die fünf Schulpferde auf die Koppel, damit sie, bevor die Kinder kommen, noch ein wenig die Sonne und die Wiese genießen können. Nur zwei Stunden am Tag müssen die vierbeinigen Lehrer mit den Kindern gehen: "Sie sollen schließlich auch den Spaß daran behalten", betont Zinta Lace.

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Eines der Kinder, die fast jeden Tag auf dem Hof sind, ist Sophie. Die 13-Jährige sitzt schon seit sieben Jahren im Sattel. Ihr Herz gehört "Lilly". Die schwarze Ponystute, die eigentlich auf den klangvollen Namen "Lovely Night" hört, wird fürs Reiten besonders hübsch gemacht. Gewissenhaft bearbeitet Sophie mit Striegel und Kardätsche das Fell, bis es glänzt. Die Beine werden zum Schutz vor Verletzungen weiß bandagiert. "Lilly" ist erst sechs Jahre alt und muss selbst noch viel lernen, aber Sophie und die schwarze Stute sind ein Herz und eine Seele und hatten auf Turnieren bereits schöne Erfolge. "Ich bin so gerne hier und Lilly ist ein Schatz, auch wenn sie manchmal auch ein bisschen zickig ist. Sie hasst es zum Beispiel, wenn man sie mit dem Schlauch abspritzen will oder wenn man sie mit Fliegenspray einsprühen möchte", sagt Sophie. Sie kennt ihre vierbeinige Freundin schon recht gut. Die Pferdeliebe des Teenagers geht sogar so weit, dass sie gar nicht mehr so gerne mit ihren Eltern in den Urlaub fährt: "Dann bin ich so lange weg und kann nicht bei den Pferden sein", erzählt mir das Mädchen, während sie "Lilly" den Hals tätschelt.

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Ich frage Renate Boll, Vorsitzende des Reit- und Freizeitclubs Egelsbach, nach der Faszination ihres Hobby, denn eines ist ganz klar: der Reitsport ist nicht einfach irgendein Sport. "Nein, es ist viel mehr. Es ist die Mischung aus der Pflege und der Fürsorge für die Tiere und dem Reiten. Pferde sind so sanft, obwohl sie so groß sind", sagt Renate Boll, während sie ihrem Wallach "Sid Malone" die Trense überzieht. "Ich freue mich jeden Tag, wenn ich hierher komme und der Schöne mir schon entgegenschaut", sagt sie, und ich kann sie verstehen, Sid Malone ist ein besonders hübsches Pferd. Renate Boll hat den sechsjährigen, schwarzbraunen Oldenburger seit zweieinhalb Jahren. "Der Reitsport ist ein toller Ausgleich. Man ist an der frischen Luft, bewegt sich und es ist einfach entspannend, mit den Tieren zusammen zu sein", meint die Reiterin.

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Den Egelsbacher Reitern merke ich die Leidenschaft für ihre vierbeinigen Sportpartner und den Spaß an dem Umgang mit den Pferden an. Wer einmal hinter die Kulissen der beiden Egelsbacher Reitsportvereine schauen möchte, hat am kommenden Sonntag, 6. Mai, dazu Gelegenheit. Dann lädt der Reitsportclub von 10 Uhr an zum Tag der offenen Stalltür ein. Dies ist eine bundesweite Aktion. Zinta Lace wird eine Reitstunde geben, die erwachsenen Clubmitglieder springen über die höchsten Hindernisse und die Kinder zeigen eine Quadrille. Der Höhepunkt wird eine Grand Prix-Kür von Zinta Lace mit ihrem "Kompass" sein. An Vatertag und dem darauffolgende Wochenende (17., 19. und 20. Mai) stehen dann die Egelsbacher Reitertage an.

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