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Gewerkschaft geißelt Billigbier: Vorwurf: Supermarkt-Ketten diktieren Preise

Bier ist ein Volksgetränk. Im Landkreis Groß-Gerau, wo kein Wein angebaut wird, flossen im vergangenen Jahr rund 277 000 Hektoliter die Kehlen hinunter. Und ein Kasten Bier muss nicht teuer sein. Doch genau das kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten: Bier verkommt zum Teil zur Ramschware.
Verkommt das Bier zur Ramschware? Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisiert seit Jahren die Dumpingpreise der großen Ketten, die unter anderem zu lasten der kleineren Getränkemärkte geht. Foto: Ralph Keim Verkommt das Bier zur Ramschware? Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisiert seit Jahren die Dumpingpreise der großen Ketten, die unter anderem zu lasten der kleineren Getränkemärkte geht.
Kreis Groß-Gerau. 

Dennis Nicklas ist damit beschäftigt, in seinem Getränkemarkt Kisten zu stapeln. Hier und da muss an diesem frühen Nachmittag aufgefüllt werden. Immer wieder kommen Kunden rein. Der eine kauft nur einen Kasten eines Getränks, ein anderer gleich drei. Das Wochenende rückt näher. Und bei Aussichten auf schönes Wetter will man für eine eventuelle Grillparty gewappnet sein.

Der Getränkemarkt von Dennis Nicklas befindet sich im Ortskern von Groß-Gerau. Solche Geschäfte sind selten geworden in der heutigen Zeit, in der die überall niedergelassenen Filialen der großen Einzelhandelsketten ebenfalls Getränke anbieten – und die auch noch wesentlich preiswerter sind.

Märkte geschlossen

Darauf angesprochen verzieht Nicklas nur das Gesicht. „Da können wir nicht mithalten.“ Ein Beispiel: Ein Kasten Binding kostet in seinem Getränkemarkt 11,99 Euro. Bei der Konkurrenz „auf der grünen Wiese“ wäre er an diesem Tag für 9,99 zu haben gewesen.

104 Liter Gerstensaft pro Kopf im Jahr

277 000 Hektoliter Bier rannen 2016 im Landkreis Groß-Gerau die Kehlen hinunter. Statistisch gesehen hat jeder Einwohner 104 Liter Bier im vergangenen Jahr getrunken.

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Beim bekannten Schöfferhofer Weizen besteht ein Preisunterschied von 1,50 Euro – zuungunsten von Dennis Nicklas, der seinen Getränkemarkt vor 17 Jahren eröffnet hat. „In dieser Zeit haben einige Getränkemärkte in der Umgebung dichtgemacht“, erzählt Nicklas. Er selbst bietet beispielsweise noch einen Verleihservice mit Gläsern, Zapfanlagen und Ausschankwagen für größere Feste an. „Nur vom Verkauf leben, das wäre unmöglich.“

An diesem Nachmittag besucht Guido Noll den Getränkemarkt. Noll ist Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Region Darmstadt / Mainz. Er kritisiert die Preispolitik, die der NGG bereits seit vielen Jahren Sorge bereitet. „Die Brauereien sind einem Preisdiktat unterworfen, das besonders die großen Ketten ihnen auferlegen. Wohl oder übel machen sie da mit“, erklärt er. Ein familiengeführter Getränkemarkt habe diese Möglichkeiten freilich nicht.

Kunde entscheidet

Insbesondere der Einzelhandel dürfe bei dem Dumping-Wettbewerb nicht mehr länger mitmachen, fordert Gewerkschafter Noll. „Mit Sonderangeboten beim Bier wollen Supermarkt-Ketten ihre Kunden zum Wochenend-Einkauf locken. Damit wird die Kiste Pils zum bloßen Köder“, bekräftigt er, was Dennis Nicklas nur unterstreichen kann.

Was Guido Noll selbstverständlich weiß: „Letztlich entscheidet der Kunde.“ Warum soll ein Konsument für einen Kasten Bier 15 Euro zahlen, wenn er mit dem Auto nur wenige Minuten fahren muss, um ihn dann für 13 Euro oder noch preiswerter zu bekommen? Hinzu kommt laut Noll die Tatsache, dass die Biere der einzelnen Brauereien überall gleich schmecken, im Gegensatz beispielsweise zum Wein. Auch deshalb gebe es eigentlich keinen Grund, einen höheren Preis zu zahlen.

„Die großen Brauereien kennen das Dilemma, in das sie sich manövriert haben“, erläutert Guido Noll. Doch keiner wage den Versuch, die nach unten gedrehte Preisspirale zu durchbrechen. Die Brauwirtschaft müsse aber endlich gemeinsam an einem Strang ziehen und zu fairen Marktpreisen zurückkehren, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten immer wieder und das seit Jahren.

Schließlich gefährden die Niedrigpreise laut dem Gewerkschafter auch Arbeitsplätze. „Aber in dieser Angelegenheit können wir vonseiten der Gewerkschaft nur appellieren“, so Noll.

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