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Umfrage: Was die Neu-Isenburger von der erhöhten Hundesteuer halten

Von Die seit Jahresbeginn geltende Verdoppelung der Abgaben für die Vierbeiner der Hugenottenstadt findet mancher Betroffene hundsgemein – und lässt gerade in den sozialen Netzwerken seinen Ärger und Zorn von der Leine. Häufiger Vorwurf: Die Stadt fülle damit ihren Säckel. Doch nicht jeder reagiert mit Unverständnis auf die Maßnahme, wie eine Umfrage dieser Zeitung zeigt.
Neu-Isenburg. 

Die Stadt hat ihre seit Anfang des Jahres von 30 auf 60 Euro im Jahr und von 2,50 auf 5 Euro pro Monat angehobene Hundesteuer verteidigt. Auch nach der Anpassung der Abgaben, so Bürgermeister Herbert Hunkel, „bleibt Neu-Isenburg damit noch bei den günstigsten Kommunen im Kreis Offenbach. Gleichzeit rangiert die Hugenottenstadt bei der Besteuerung der als gefährlich geltenden, sogenannten Listenhunde recht weit vorne: Der erste gefährliche Hund kostet 600 pro Jahr (früher 456 Euro). Teurer ist hier nur Frankfurt mit 900 Euro im Jahr.

„60 Euro sind in Ordnung“, findet Wilfried Schaan. Bild-Zoom
„60 Euro sind in Ordnung“, findet Wilfried Schaan.

Hunkel und Stadtkämmerer Stefan Schmitt stellen sich gegen die Vermutung „einiger Hundebesitzer in den sozialen Medien“, wonach die Stadt durch die verdoppelte Steuer auf ihre Kosten reich werden wolle. 2018 rechne man mit Einnahmen von rund 110 000 Euro für 1 609 Hunde. Doch damit decke man lediglich „die Kosten, die durch den besonderen Service für Hundebesitzer verursacht werden.“

Allein das regelmäßige Reinigen der Dogstations, die 450 000 kostenlosen Tüten und deren Entsorgung, rechnet Schmitt vor, koste rund 80 000 Euro jährlich. Die Betrag für die Reinigung und Entsorgung von Hundekot, der auf Straßen und in Grünanlagen landet, werde auf rund 30 000 Euro geschätzt. Hinzu kämen Verwaltungskosten, Kosten für die Überwachung durch den Fachbereich Sicherheit und Ordnung sowie die Umlage für das Tierheim Dreieich.

„Meine Gucchi ist so klein, da wären 20, 30 Euro doch genug an Steuern“, macht Monika Grzesiak geltend. Bild-Zoom
„Meine Gucchi ist so klein, da wären 20, 30 Euro doch genug an Steuern“, macht Monika Grzesiak geltend.

In einer Umfrage dieser Zeitung zeigten sich viele Hundebesitzer verständnisvoll, was die Erhöhung der Steuer betrifft. „Immer noch günstig“, findet etwa Wilfried Schaan die jährlich zu zahlenden 60 Euro. Berechtigt sei der Betrag vor allem wegen jener Hundehalter, die es mit der Sauberkeit und den Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Freunde nicht so genau nähmen. Verhielten sich die Leute vernünftiger, könnte man die Steuer sicherlich senken.

Für seinen Listenhund, die American-Stafford-Dame Alya, würde Schaan in Neu-Isenburg allerdings ordentlich zur Kasse gebeten werden: 600 Euro jährlich kostet der als gefährlich eingestufte Hund pro Jahr in der Hugenottenstadt – das zehnfache der normalen Hundesteuer. „Ich habe aber das Glück, in Offenbach zu wohnen“, erklärt er. Das sei einer der wenigen Städte, die für alle Hunde die gleiche Steuer nimmt“. (siehe Box).

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Auch die Neu-Isenburgerin Christina Junker findet die 60 Euro Hundesteuer der Stadt im Rahmen. Dass sich die Stadt durch diese Abgaben bereichern wolle, hält sie für abwegig. „Schon für den Betrieb der Dogstations ist der Betrag gerechtfertigt“, findet die Besitzerin des zwölf Wochen alten Ante, benannt nach Eintracht-Stürmerstar Ante Rebic. Es gibt allerdings etwas anderes, was bei ihr auf Unverständnis stößt: „Dass der Zweithund teurer ist als der Ersthund, finde ich heftig. Das erschließt sich mir nicht.“

„Pferdebesitzer müssten eigentlich zahlen“, sagt Roswitha Ost. Bild-Zoom
„Pferdebesitzer müssten eigentlich zahlen“, sagt Roswitha Ost.

Für die junge Neu-Isenburgerin Monika Grzesiak ist ihre „Gucchi“ der erste Hund ihre Lebens. Den Yorkshire-Terrier habe sie erst ab Mai und müsse deshalb in diesem Jahr nur 40 Euro zahlen. „Aber schauen Sie“, sagt sie mit liebevollem Blick auf ihren handtaschengroßen Hund mit den schwarzen Knopfaugen, „Gucchi ist so klein, da fände ich 20 oder 30 Euro im Jahr angemessener.“

„Der Betrag ist gerechtfertigt“: Christina Junker mit Tochter Luise. Bild-Zoom
„Der Betrag ist gerechtfertigt“: Christina Junker mit Tochter Luise.

„Man kann auf einem Hund nicht reiten“, stellt Roswitha Ost fest – und spielt damit auf die in vielen Kommunen nicht zu zahlende Pferdesteuer an. „Aber wenn ich durch den Wald gehe und trete in Pferdeäpfel hinein, interessiert das niemanden“, sagt sie und weist damit auf eine in ihren Augen bestehende Ungerechtigkeit hin. Sie fügt hinzu: „Dabei kann der, der sich ein Pferd leisten kann, eine Steuer sicher auch noch leicht bezahlen.“ Insofern empfinde sie die Abgaben für ihre Havaneser-Dame Lilli als „zu hoch. Aber was bleibt einem übrig, als zu zahlen?“

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