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Gemeinschaftsunterkunft in der Meisenstraße: Willkommensgruß ohne Grenzen

Von Ja, es gibt Vorurteile gegenüber den Fremden. Damit sie überwunden werden, hatte der Ortsbeirat zum „Sommerfest ohne Grenzen“ eingeladen. Und die meisten Gäste gingen offen auf die Flüchtlinge zu. Es gab aber auch Ausnahmen.
Sandra Folty war mit ihrem Sohn Pascal (rechts) gekommen, um mit anderen Kindern kreativ zu sein, links Eliana. Bilder > Foto: Leo F. Postl Sandra Folty war mit ihrem Sohn Pascal (rechts) gekommen, um mit anderen Kindern kreativ zu sein, links Eliana.
Neu-Isenburg. 

Eine hohe Hecke kann Schutz bieten, sie kann Blicke verwehren und sie kann gar „trennen“. Auch ein stabiles Eisentor kann signalisieren, dass nicht jeder erwünscht ist – doch am Samstagnachmittag stand das Tor zum Anwesen in der Meisenstraße 13 in Gravenbruch ganz weit offen. Der Ortsbeirat Gravenbruch hatte zu einem „Sommerfest ohne Grenzen“ eingeladen, um mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft und den Bürgern zu feiern. Nach vielen Bedenken im Vorfeld scheint sich zwar alles recht gut eingespielt zu haben, aber um mit den Bewohnern besser ins Gespräch zu kommen, war dieses Fest ohne Grenzen gedacht – es sollten Tor und Türen geöffnet werden.

Hannelore Kaus-Schwörer, engagierte Helferin des Freundeskreises der Flüchtlingsunterkunft Gravenbruch, war gerade aus dem Norden Deutschlands angekommen und wollte nicht nur dabei sein, sondern auch mithelfen, dass dieses erste Fest ohne Grenzen auch ein erfolgreiches werden würde. Ziel des Freundeskreises sei es, mit diesem Fest die in der Gemeinschaftsunterkunft Gravenbruch lebenden Bewohner mit den Angeboten in der Kernstadt zu vernetzen.

Die Idee hatte eigentlich Ute Hänsel, sie brachte den Vorschlag im Ortsbeirat ein und stieß auf offene Ohren. Ein dickes Lob gab es deshalb eingangs sowohl vom Vorsitzenden des Ortsbeirates Gravenbruch, Eddi Fischer, sowie von Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel, für den dieses Fest auch ein Stück gelebte Gravenbrucher Tradition bedeutet.

Als dieser Stadtteil von Gravenbruch gegründet wurde, waren alle Fremde, die hierher kamen“, erinnerte Hunkel daran, dass auch damals nicht alles ohne Probleme ablief. Es sei eine Isenburger Tradition, mit Fremden gut auszukommen. „Die Hugenotten waren ja zuerst hier und später kamen dann Deutsche hinzu“, verwies Hunkel auf die Gründungsgeschichte Neu-Isenburgs. Er dankte ganz besonders den Initiatoren für ihr Engagement.

Erstes Baby im Juni geboren

Ganz emotional wurde es, als der Rathauschef den jüngsten Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft vorstellte: „Am 17. Juni wurde mit Elias das erste Meisenkind hier geboren“, verkündete Hunkel und wünschte dem Baby und seinen Eltern einen erfolgreichen Start in die Zukunft.

Genug geredet, jetzt ging es mit Livemusik ans Feiern. Ganz besonders freute sich Ute Hänsel, dass es mit dem Blasorchester Dreieich gelungen war, eine passende musikalische Unterhaltung zu finden. „Wir haben das gerne gemacht“, betonte Dirigent Rolf Wurtinger im Namen aller seiner Musiker.

In den Gesprächen mit den Gästen gab es unterschiedliche Meinungen zur „Flüchtlingssituation“ in Deutschland und auch in Gravenbruch zu erkennen. Darunter auch sehr kritische: „Was da derzeit in Madrid, in Cambrils oder Turku in Finnland passiert ist, kann nicht ohne Folgen bleiben“, betont eine Gravenbrucherin, die nicht genannt werden möchte. Einen anderen Besucher stört es, „dass es hieß, es würden nur Familien in die Gemeinschaftsunterkunft einziehen – und dann kam ein ganzer Schwarm Männer “, so der Gravenbrucher.

Dennoch waren die meisten Besucher, die gekommen waren, unvoreingenommen und traten offen mit den Bewohnern der Unterkunft in Kontakt, wenngleich nicht alle aus dem Haus gekommen waren.

Erster Schritt

„Ich freue mich, dass so viele Gravenbrucher den Weg hierher gefunden haben“, bemerkte Ingrid Bickmann. Mechthild Voigt wünscht sich unter dem Schlagwort „gelebte Integration“, dass sich ausländische Mitbürger auch als verlässliche Mitglieder in verschiedenen Gremien einbringen.

Noch läuft nicht alles ganz ohne Reibungen ab, doch das Fest ohne Grenzen ist ein erster Schritt zu einem (noch) besseren Miteinander gewesen.

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