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Großübung für Feuerwehr: Zugunglück: Den Ernstfall geprobt

Von Ein schrecklich realistisches Szenario: Eine Bahn kollidiert mit einem Baum, der auf den Gleisen liegt. Der Zugführer ist bewusstlos, die Fahrgäste schwer verletzt. Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz simulierten einen solchen Ernstfall und bewiesen, dass sie gut gerüstet sind.
Das Deutsche Rote Kreuz versorgt die „Verletzten“ in zwei Zelten. Foto: Nicole Jost Das Deutsche Rote Kreuz versorgt die „Verletzten“ in zwei Zelten.
Dreieich. 

Aus dem Zugabteil wabern helle Rauchwolken, durch die geschlossenen Türen sind gedämpfte Hilferufe zu hören. Es ist 1.25 Uhr am Samstagmorgen, als die Feuerwehren in Dreieich von der Leitstelle in Dietzenbach die Alarmierung „H Zug 2 y“ bekommen: Zugunglück eines DB Regio auf der Strecke zwischen Götzenhain und Dreieichenhain. Die freiwilligen Feuerwehrleute wissen, was diese Buchstaben-Zahlenkombination bedeutet: ein Großeinsatz, der viel Personal und Gerät erfordert. Die Lage ist ernst.

Authentische Übung

Zum Glück ist dieses „worst case“-Szenario nur gestellt und eine überaus authentische Übungssituation für die Einsatzkräfte der Feuerwehren und des Roten Kreuzes. Viele Wochen haben die Wehrführer Carsten Lichtinghagen (Götzenhain) und Heinrich Graf (Dreieichenhain) diese ausgearbeitet und mit den Notfallmanagern der Deutschen Bahn abgestimmt.

Bilderstrecke Spektakuläre Übung der Feuerwehr Dreiech
Die Dreieicher Feuerwehren und das DRK aus dem ganzen Kreis Offenbach trainierten von Freitag auf Samstag Nacht für den Ernstfall: Zugunglück zwischen Götzenhain und Dreieichenhain.Innerhalb von nur wenigen Minuten trafen die Einsatzkräfte ein und leuchteten den Einsatzort aus - auch dabei: Bürgermeister Dieter Zimmer.Das wichtigste bei einem solchen Großeinsatz: die richtige Kommunikation. Einsatzleiter der Feuerwehr, Markus Tillmann (rechts) spricht sich mit den Einsatzleitern des DRK ab.

Die ehrenamtlichen Retter dagegen wissen nicht, was sie in dieser Nacht erwartet. Wie im Ernstfall kommt die Alarmierung über die Leitstelle. Nur wenige Minuten nach dem Funkspruch aus der Kreisstadt rasen die Einsatzfahrzeuge mit den grell zuckenden Blaulichtern heran.

Die Zufahrt über den Offenthaler Weg zur Einsatzstelle ist schwierig. Doch Einsatzleiter Markus Tillmann koordiniert mit großer Ruhe die Einsatzgruppen aus den vier Stadtteilen Sprendlingen, Dreieichenhain, Offenthal und Götzenhain. 14 Fahrzeuge werden an der engen Stelle geparkt. 63 Feuerwehrleute sind aktiv und jeder weiß was er zu tun hat. Die Retter schließen zunächst die Schläuche zum Löschen an.

Das Wichtigste, das Retten der Passagiere, muss noch einen Moment warten. „An der Bahnstrecke herrscht eine Sondersituation“, erklärt Daniel Steinbrecher, Pressesprecher der Dreieicher Wehr, „wir dürfen erst in das Gleisbett, wenn wir die Freigabe von dem Notfallmanager der Bahn haben. Alles andere ist zu gefährlich – es könnte Oberleitungen geben, die beschädigt sind, so dass der Zug unter Strom stehen könnte.“ Die Hilfeschreie der Verletzten in der Bahn werden immer lauter. Dann – nach dem Okay von Bernd Häfner von DB Netz – setzt sich der Rettungstrupp in Bewegung. Die Nebelmaschine hat die 25 Passagiere an Bord ordentlich eingequalmt, die Unfallursache – ein auf den Gleisen liegender Baum – erschwert den Zugang und das hohe Gleisbett verlangt vollen Einsatz. Die Feuerwehrleute erleben ein erschreckend realistisches Szenario. Der Zugführer ist bewusstlos auf dem Führerstand zusammen gesunken. Offene Brüche, bewusstlose Menschen, blutende Wunden und immer wieder verzweifelte Schreie.

Die eingesperrten Passagiere, die nur kleine Verletzungen oder zumindest einen ordentlichen Schock haben, werden an die frische Luft gebracht. Ein Rollstullfahrer muss vorsichtig aus dem Abteil gehoben werden. Die Schwerverletzten werden zunächst ins Gras neben die Gleise gelegt, bevor sie auf eine Trage gehievt und von vier Helfern über das unwegsame Gelände getragen werdem.

Der Brand im Zug ist gelöscht, und der Zug gemeinsam mit dem DB Notfallmanager gesichert. Bürgermeister Dieter Zimmer, der ebenso wie Erster Stadtrat Martin Burlon vor Ort ist, zeigt sich beeindruckt: „Das sieht alles verdammt echt aus. Gut zu wissen, dass wir für den Ernstfall so gut aufgestellt sind.“

Blutig geschminkt

Das DRK hat zwischenzeitlich zwei Zelte aufgestellt und übernimmt die Opfer des Zugunglücks von der Feuerwehr. Die gut und reichlich blutig geschminkten „Darsteller“ sind speziell geschult und haben die Art ihrer Verletzungen gut einstudiert. „Wenn eine gebrochene Hüfte richtig von den Einsatzkräften behandelt wird, äußert der Patient auch Erleichterung“, erklärt Randolf Schlapp, Leiter der DRK Notfalldarstellung. Nach und nach werden die Patienten auf die Liegen gelegt, klassifiziert nach der Schwere der Verletzung und behandelt. Die unversehrten Fahrgäste werden mit dem Betreuungsbus des Kreises Offenbach von der Feuerwehr Ober-Roden an den Bahnhof gebracht. Nach gut zwei Stunden, um halb vier Uhr morgens, ist die Übung vorbei. Carsten Lichtinghagen lobt: „Es hat super geklappt.“ Die verschiedenen Einsatzgruppen hätten einander gut zugearbeitet.

„Wir sind froh, dass die Bahn uns diese Möglichkeit gegeben hat und auch Notfallmanager für den nächtlichen Einsatz bereit gestellt hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, bedankt sich Daniel Steinbrecher.

Für die Feuerwehrleute geht es trotzdem noch nicht ins Bett. Bis um fünf Uhr morgens machen sie die Fahrzeuge wieder einsatzbereitfür den nächsten Notfall.

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