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Aartalbahn kann B 54 entlasten

Nur eine Reaktivierung der Aartalbahn kann die Verkehrsbelastung auf der B 54 entscheidend verringern. Dies erklärte der Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn & Bus im Rheingau-Taunus-Kreis, Gernot Hornik, im Interview mit dieser Zeitung.
Besondere Bedeutung für die Zukunft der Aartalbahn hat die Entscheidung, ob nach der Reaktivierung auch Güterverkehr möglich sein wird. Dieser könnte auf Dauer zu einer spürbaren Entlastung der B 54 vom Schwerlastverkehr führen. Im Juli 1989 wurde der Anschluss zum Kalkwerk Schaefer in Hahnstätten noch intensiv genutzt. Foto: A. Tscharn Besondere Bedeutung für die Zukunft der Aartalbahn hat die Entscheidung, ob nach der Reaktivierung auch Güterverkehr möglich sein wird. Dieser könnte auf Dauer zu einer spürbaren Entlastung der B 54 vom Schwerlastverkehr führen. Im Juli 1989 wurde der Anschluss zum Kalkwerk Schaefer in Hahnstätten noch intensiv genutzt. Foto: A. Tscharn
Aartal. 

Der Fahrgastverband habe sich erstaunt über die angebliche Unwirtschaftlichkeit der Aartalbahn (diese Zeitung berichtete) gezeigt. Lesen Sie das Gespräch mit Gernot Hornik im Wortlaut:

Ist die Aartalbahn tatsächlich unwirtschaftlich?

Hornik: Es liegen mehrere Gutachten vor, die den volkswirtschaftlichen Nutzen einer Reaktivierung der Strecke bestätigt haben. Dieses Ergebnis müsste den Ortsbürgermeistern seit Jahren bekannt sein. Darüber hinaus gab es eingehende Gespräche mit dem Zweckverband SPNV, der bereits die Ausschreibung für den Verkehr durchführt. Der nördliche Teil der Aartalbahn befindet sich aufgrund des hohen ehrenamtlichen Engagements von Anwohnern aus dem Aartal und den Aktivitäten des agilen Arbeitskreises Aartalbahn in einem Zustand, der mancher aktiven DB-Strecke zur Ehre gereichen würde. Ohne die Aktivitäten des regionalen Vereins wäre eine Reaktivierung wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen.

Gibt es positive Beispiele von Regionalisierungen, wie sie im Aartal geplant sind?

Hornik: Für Hessen ist die Taunusbahn zwischen Grävenwiesbach, Usingen und Bad Homburg ein Paradebeispiel. Vor der Übernahme durch den Hochtaunuskreis fuhren auf der Bundesbahn-Strecke weniger als 1500 Fahrgäste pro Tag, und die Stilllegung drohte. Nach dem Kauf, Ausbau und Modernisierung nutzen heute täglich über 12 000 Fahrgäste das dichte Zugangebot. Für Rheinland-Pfalz war die Strecke Betzdorf–Daaden, die "Daadetalbahn" im Landkreis Altenkirchen, das Pilotprojekt. Dort bildet die von der "Westerwaldbahn des Landkreises Altenkirchen GmbH" (Weba) im Personenverkehr betriebene Verbindung heute das wirtschaftliche Standbein des Unternehmens. Dieses Pilotprojekt zur Regionalisierung des SPNV in Rheinland-Pfalz war 1994 jedoch akut gefährdet, da die Stadt Betzdorf unter ihrem damaligen Bürgermeister Michael Lieber einer Finanzierungsvereinbarung nicht zustimmte. Im Beisein von Verkehrsminister Reiner Brüderle (FDP) hatte der Kreistag das Scheitern im letzten Moment abgewendet.

Der Eisenbahnbetriebsleiter der Weba, Horst Klein, unterstützt und berät aufgrund seiner Erfahrungen schon seit Jahren den Arbeitskreis Aartalbahn und die Kommunen im Aartal. In enger Abstimmung mit dem Landkreis Altenkirchen wären Klein und die Weba bereit – nach dem Ankauf der Strecke – die fachliche Verantwortung für einen sicheren Betrieb auf der Aartalbahn zu übernehmen.

Könnten Nutzen und Wirtschaftlichkeit gesteigert werden?

Hornik: Auf jeden Fall, wenn zahlreiche Schwerlast-Transporte von der parallelen B 54 auf die Schiene verlagert würden. Sowohl Schaefer Kalk in Hahnstätten als auch ACO-Guss in Aarbergen oder die Forstverwaltungen könnten ganz erheblich zu einer dauerhaften Entlastung der Bürger im Aartal beitragen. Dafür braucht es keine Beteiligung von Wiesbaden und auch keine Reaktivierung über die Eiserne Hand. Sofern die Weba den Güterverkehr nicht selbst betreiben kann, gibt es bereits ein privates Eisenbahn-Verkehrsunternehmen, das regelmäßig von Koblenz nach Limburg fährt.

Da eine Reaktivierung zwischen Diez und Zollhaus ohne Signalisierung und Weichen zu den Anschlüssen auskommen würde, wenn man ausschließlich auf den Personenverkehr setzt, befürchte ich, dass man die Strecke auf ein Gleis zurückbauen wird. Aus Sicht unseres Verbandes wäre es ein Skandal, wenn noch vorhandene Anlagen abgebaut und der Güterverkehr auf der Aartalbahn dadurch ausgeschlossen würde.

Sehen Sie eine Gefahr durch die aktuelle Diskussion?

Hornik: Ja, denn wer jetzt nicht die einmalige Chance zur Reaktivierung für den Personen- und Güterverkehr nutzt, darf später nicht über Leerstände und aussterbende Dörfer an einer Lkw-Piste jammern. Nur ein attraktiver Nahverkehr im Stundentakt zwischen Zollhaus und Diez/Limburg und ein länderübergreifender Tarif bieten die Chance, die Zahl von täglich 13 000 Fahrzeugen auf der B 54 deutlich zu reduzieren. Daher fordern wir eine schnellstmögliche Reaktivierung der Aartalbahn für den Personen- und den Güterverkehr.

(Das Gespräch führte NNP-Mitarbeiter Hans-Peter Günther)

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