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Auf den Spuren des Vorfahren Friedrich Dessauer

Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 gilt heutzutage als Schlüsselgesetz der Gleichschaltung Deutschlands zu Zeiten des Nationalsozialismus. Einer der Abgeordneten, die damals in der Berliner Kroll-Oper über das Gesetz abzustimmen hatten, war Friedrich Dessauer. Sein Urgroßneffe David Dessauer beschäftigte sich jetzt in seiner Facharbeit näher mit dem berühmten Vorfahren.
David Dessauer schrieb eine Facharbeit über seine Vorfahren Friedrich Friedrich Dessauer. Rechts sein Fachlehrer Dr. Markus Müller.	Foto: aeg David Dessauer schrieb eine Facharbeit über seine Vorfahren Friedrich Friedrich Dessauer. Rechts sein Fachlehrer Dr. Markus Müller. Foto: aeg
Montabaur. 

"Es hat Spaß gemacht, die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Sie wird auf die Weise einfach lebendig", erzählt David Dessauer aus Montabaur im Gespräch mit der NNP zu seiner Facharbeit. Dabei hat sich der Schüler des Mons-Tabor-Gymnasiums nicht irgendein beliebiges Thema ausgesucht, sondern sich mit der eigenen Familiengeschichte näher auseinandergesetzt. "Die Rolle des Zentrums im Zeitraum von 1930 bis 1933 am Beispiel des Reichstagsabgeordneten Prof. Dr. Friedrich Dessauer" so der Titel der Facharbeit, für die eine Menge an Arbeit notwendig war. Als Hauptquelle diente dem Schüler, der im kommenden Jahr sein Abitur macht, die Tochter von Friedrich Dessauer, Maria Dessauer. "Sie ist die Cousine meines Opas, aber ich kannte sie bis zu dieser Facharbeit nicht", so David Dessauer zur familiären Beziehung zu der in Frankfurt am Main wohnenden Maria Dessauer.

Reger Briefverkehr

Zuerst entwickelte der Montabaurer Schüler einen Fragebogen, welchen er der 90-jährigen Dame zukommen ließ. Daraus entwickelte sich dann ein reger Briefverkehr, dessen Umfang von Zeit zu Zeit immer mehr zunahm. "Zu Beginn waren die Briefe ungefähr eine Seite lang, aber zum Schluss bekam ich von ihr sechs Seiten handschriftlich verfasst zugeschickt. Es bestand wohl das Interesse von ihr, dieses Tabuthema innerhalb der Familie zu klären", so David Dessauer.

Diese Briefe dienten ihm dann anschließend als Grundlage, um die Eindrücke aus dem Hause Dessauer und auch die Sichtweisen Friedrich Dessauers zur Rolle der Zentrumspartei wiederzugeben und diese zu analysieren.

"Ohne den Briefwechsel wäre die Arbeit nie so umfangreich geworden", bilanziert der Gymnasiast über die Wichtigkeit der Briefe von Maria Dessauer. Besonders interessant ist in den schriftlichen Ausführungen die Beschreibung des damaligen Reichskanzlers Heinrich Brüning, der einen engen Kontakt mit der Familie Dessauer in Frankfurt am Main pflegte.

So beschreibt die damals zehnjährige Maria den von 1930 bis 1932 regierenden Reichskanzler "als bedeutenden Mann, den wir in keiner Weise stören durften" und auch weitere Besucher des Politikers werden in der Facharbeit geschildert.

"Diese Ausführungen zu Brüning sind der große Reiz der Arbeit", schwärmt auch Dr. Markus Müller, der betreuende Lehrer, von der Facharbeit, die er zusammen mit seiner Kollegin Michaela Wagner mit der Note sehr gut (14 Punkte) bedachte. Auch formal hatte der Geschichtslehrer nichts an der Arbeit auszusetzen: "Bis auf wenige Defizite in der Zeichensetzung geht es kaum besser. Auch die Methode der Oral History war passend gewählt."

Einziger politischer Fehler

Ein anderer reizvoller Part neben den Ausführungen über die Begegnungen mit dem Exkanzler ist der Abschnitt über das Ermächtigungsgesetz von 1933. Friedrich Dessauer gehörte damals zu den 72 Abgeordneten der Zentrumspartei, die allesamt dem Ermächtigungsgesetz zustimmten. Bei der Abreise von zu Hause hatte sich Dessauer noch gegen das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich", wie das Gesetz auch eigentlich heißt, ausgesprochen.

Durch den Druck der Nazis und die Besorgnis um das Wohlergehen anderer Bekannter, Freunde und Verwandter, die durch Einschüchterungen und Angriffe unter Druck gesetzt worden waren, stimmten letztlich alle Mitglieder der Zentrumspartei dem Gesetz zu. Später bezeichnete Dessauer dies als einzigen, schweren Fehler, den er politisch gemacht habe.

Für David Dessauer hat die Arbeit mit der eigenen Familiengeschichte viel Positives gebracht: "Der Briefwechsel mit Maria Dessauer hat mir einen beeindruckenden Einblick in die damaligen Geschehnisse gegeben. Die Offenheit und ihre authentische Art und Weise der Beantwortung meiner, anfangs auch zum Teil unbedarft, gestellten Fragen haben mich oft nachdenklich gestimmt", so David Dessauer.

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