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Prozess am Amtsgericht: Autos im Millionenwert gestohlen und verschoben

Luxuskarossen sind nicht nur für Autohersteller gewinnträchtig: Fast 800 000 Euro soll ein Lette eingestrichen haben, der im großen Stil gestohlene Pkw an andere Hehler weiterverkauft hat. Er steht nun mit zwei Mittätern in Bielefeld vor Gericht. Es geht um 19 teure Autos: Zwei davon wurden in Limburg gestohlen. Dass sie in Bielefeld wieder auftauchten, brachte die Polizei auf die Spur der Bande.
Ein Fotograf vor dem Bild der Justitia. Foto: Friso Gentsch/Archiv Ein Fotograf vor dem Bild der Justitia.
Limburg. 

Auf die 2. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld kommt ein Mammutprozess zu. 21 weitere Verhandlungstage sind angesetzt, bis Ende Oktober rechnet das Gericht mit der Dauer der Beweisaufnahme. Schon die Verlesung der Anklage brauchte über eine Stunde. Kein Wunder, denn die drei Angeklagten sollen von Januar bis Dezember vergangenen Jahres vorwiegend im Rhein-Main-Raum und im Ruhrgebiet gestohlene Fahrzeuge „umfrisiert“ und nach Osteuropa weiterverkauft haben – angeklagt sind insgesamt 19 Taten.

So verschwanden im Januar und Februar in Limburg zwei hochwertige Pkw. Ein BMW X5 im Wert von 90 000 Euro und ein 120 000 Euro teurer Range Rover. Beide wurden in einer Halle in Papenburg „bearbeitet“, bekamen russische Papiere und Kennzeichen sowie mit neuen Daten versehene Steuergeräte.

Als Drahtzieher der Bande gilt ein 33-Jähriger Lette. Er hatte die Halle angemietet und ließ die von einer anderen Bande entwendeten Fahrzeuge dort abstellen. Dazu sollen ihm jeweils von den noch unbekannten Autodieben, die über einen Schlüssel zu der Halle verfügten, bestimmte Fahrzeuge zum Ankauf angeboten worden sein – diese wurden dann in der Halle abgestellt.

Die beiden Mitangeklagten – ein ebenfalls 33-Jähriger aus Lettland und ein 39-jähriger Litauer – sorgten dafür, dass die Autos eine neue „Identität“ bekamen. In dem hochprofessionell agierenden Trio kaufte und verkaufte der Hallen-Mieter die Autos, während der andere Lette Daten wie etwa Fahrgestellnummern identisch ausgestatteter Fahrzeuge – zum Teil sogar aus den USA – sowie russische oder schwedische Fahrzeugpapiere und -kennzeichen beschaffte und zum Beispiel die Plaketten mit den Fahrgestellnummern fälschte.

Der Litauer gilt als Elektroniker der Bande: Er soll auf die Steuergeräte die falschen Fahrgestellnummern und weitere passende Informationen aufgespielt und Nachschlüssel angefertigt haben, so dass die Autos normaler Überprüfung standhalten konnten. Nach Abschluss der „Umarbeitungen“ sollen die teuren Autos der Marken Range Rover, Porsche und BMW an weitere Hehler verkauft worden sein, die sie dann nach Osteuropa weiterverschoben.

Festnahmen auf der Autobahn

Ins Visier der Polizei war die Bande geraten, als die in Limburg gestohlenen Autos im März 2017 in Bielefeld auffielen. Der Hauptangeklagte hatte sie in Bielefeld durch die deutsche TÜV-Abnahme bringen lassen. Die beiden Fahrzeuge sowie ein in Pulheim bei Köln geklauter Range Rover wurden sichergestellt, ein Range Rover aus Mönchengladbach ist bis heute unauffindbar.

Nach monatelangen Ermittlungen griff die Polizei im Dezember zu: In Papenburg wurden zahlreiche Autos in unterschiedlichen „Frisier“-Stadien sichergestellt, die drei jetzt Angeklagten unter anderem in Berlin und auf der Autobahn bei Hamburg verhaftet. Von mehreren der gestohlenen Pkw fehlt jede Spur. Insgesamt beläuft sich der Wert der Autos auf etwa 1,7 Millionen Euro, der von dem Letten erzielte Verkaufserlös wird auf knapp 800 000 Euro beziffert.

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