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Beim Sport können Limburger Häftlinge Teamgeist leben: Baggern im Gefängnishof

Von In einer Zelle im Gefängnis zu sitzen, kann trotz Fernseher ziemlich eintönig sein. Die Limburger „Knackis“ freuen sich deshalb sehr über die abendliche Stunde Sport und das jährliche Sportfest. Zum 25. Mal traten sie am Wochenende gegen das Volleyball-Team der Limburger Leo-Sternberg-Schule an.
Volleyballspiel im Limburger Gefängnis: Das Team der Leo-Sternberg-Schule (rechts) schlug die Auswahl der JVA mit 2:1-Sätzen. Foto: Klöppel Robin Volleyballspiel im Limburger Gefängnis: Das Team der Leo-Sternberg-Schule (rechts) schlug die Auswahl der JVA mit 2:1-Sätzen.
Limburg. 

Schon seit 25 Jahren kommt das Volleyball-Team der Limburger Leo-Sternberg-Schule zum Sportfest der Limburger Justizvollzugsanstalt (JVA). Der damalige Sportübungsleiter der JVA, Heinz-Josef Mink, sowie Lehrer Lothar Kachel kannten sich privat und vereinbarten die erste Begegnung. Seitdem kommt das Lehrerteam jedes Jahr in die JVA und bestreitet ein Freundschaftsspiel gegen das Siegerteam eines Turniers der Gefangenen – in diesem Jahr waren die Lehrer erfolgreich.

„Endlich haben wir wieder mal gewonnen“, sagte Kachel hinterher. Die vergangenen drei Jahre habe die Sternberg-Schule immer verloren. Das Team der JVA konnte im Modus „Best of Three“ zwar nach 0:1-Satzrückstand noch ausgleichen. Doch im dritten Satz war nach frühem Rückstand nichts mehr für die Inhaftierten zu holen. „Das merkt man bei denen, dass sie mit einem Rückstand nicht umgehen können und dadurch auseinanderbrechen“, sagte Kachel. Die Spiele seien aber immer angenehm, es gehe stets fair zu, lobt er. Auf der Gegenseite hat er sogar schon den einen oder anderen Ex-Schüler wiedergetroffen, verrät er.

Eine besondere Atmosphäre

Die Lehrer der Sternberg-Schule sowie ein paar frühere Schüler – derzeit 15 Aktive – treffen sich jede Woche zum Volleyball. Doch das Spiel in der Justizvollzugsanstalt sei immer eines mit einer besonderen Atmosphäre, sagt Kachel. Die Begegnung sei wichtig für die Gefangenen, um den Kontakt nach außen nicht zu verlieren. Sie sei aber auch wichtig für das Miteinander der Inhaftierten, schaffe ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Lothar Kachel sagt über die Mitglieder des gegnerischen Teams: „Für mich sind das Leute wie du und ich.“

Der frühere Sternberg-Schüler Björn Reitz spielt auch bei den Lehrern mit und hat im vergangenen Jahr im Knast gegen einen ehemaligen Mitschüler gespielt. Der ist jetzt wieder draußen, „aber wir haben keinen Kontakt mehr“.

Reitz will die Männer in der JVA nicht verurteilen. Oft seien das Menschen, bei denen nicht viel zu einem normalen Leben gefehlt habe und wo man sich frage, wie der oder der habe straffällig werden können. „Es macht Freude, mit den Leuten hier Gespräche führen zu können. Hier sind alle freundlich“, sagt Reitz.

Thomas Ackermann ist Volleyballtrainer beim TV Eschhofen und diesmal das erste Mal beim Spiel im Gefängnis dabei, weil die Sternberg-Schule mitten in den Ferien Personalprobleme hatte und Kachel ihn gefragt hat, ob er mitspielt. „Es war schön, mal was anderes“, sagt er begeistert. Für die Leute müsse ja auch was getan werden. Irgendwo müssten sie ja mit ihren Kräften hin. Es sei wichtig, dass die Gefangenen sehen würden, dass sie von der Außenwelt nicht vergessen seien. Sie sollten ja schließlich resozialisiert werden.

Hoher Ball-Verschleiß

Sebastian Heinrich vom Sternberg-Team meint: „Es ist hier immer ein tolles Miteinander.“ Für ihn sei das ein Spiel wie jedes andere. Der einzige Unterschied sei, dass die Sternberg-Schule ihre sonstigen Spiele immer in der Halle und nicht wie hier unter freiem Himmel austrage.

Karin Sturm, Sportübungsleiterin der Limburger JVA, sagt, Heinrich Wallrabenstein habe 1990 die Idee des Sportfestes erstmals umgesetzt. Seitdem laufe es jedes Jahr.

Sturm erzählt, die aktuell 53 Gefangenen könnten aber auch sonst abends vier Mal die Woche jeweils eine Stunde Sport treiben. Fast alle nutzten das Angebot, spielten Fußball und Volleyball. Im Winter werde im Sportraum der JVA viel Kraftsport gemacht, Tischtennis gespielt und auf dem Laufband Kondition trainiert. Die Häftlinge liebten es, sich gemeinsam auszupowern.

Obwohl mancher Gefangene aus anderen Kulturkreisen komme, komme sie mit allen gut klar, sagt Sturm. „Ich behandele einfach alle so, wie ich auch behandelt werden möchte. So funktioniert es“, sagt die Übungsleiterin.

Sie freut sich übrigens immer über Ballspenden, da viele Bälle im Stacheldraht im Innenhof endeten und somit der Verschleiß hoch sei.

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