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Haumeister an Grundschulöe: Bernd Wagenbrenner ist ein Mann für alle Fälle

Von Er repariert, kontrolliert, organisiert, schlichtet Streit und hilft in fast allen Lebenslagen. Schule wird für Bernd Wagenbrenner (55) nie langweilig. Der Vater von zwei Kindern und Opa eines Enkels ist Hausmeister der Grundschule in Niederneisen.
Der Stuhl ist kaputt. Bernd Wagenbrenner ist für die kleinen und großen Nöte der Schüler da – und tröstet sie bei schlechten Noten auch mal. Foto: Rolf Kahl Der Stuhl ist kaputt. Bernd Wagenbrenner ist für die kleinen und großen Nöte der Schüler da – und tröstet sie bei schlechten Noten auch mal.
Niederneisen. 

Er hat für jedes Kind ein offenes Ohr, versorgt kleine Verletzungen, drückt öfter mehr als ein Auge zu, wenn wieder Schulmobiliar, Wandflächen, Glasscheiben, Türen, Spielgeräte und vieles mehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Er versucht mit Humor die Eltern zu überzeugen, nicht unmittelbar vor dem Schulhofgelände zu parken, weil auch ihre Kinder dadurch gefährdet werden. Oder er versucht den Lehrern einfühlsam mitzuteilen, dass es doch hin und wieder vorkommt, dass ein gekipptes Klassenfenster offenbleibt.

In unserer Serie „Unterwegs mit…“ begleite ich den ehemaligen Berufssoldaten an einem ganz normalen Arbeitstag als „Facility-Manager“ im Schulbetrieb. Pedell hieß diese Berufsbezeichnung früher, Schulhausmeister heute. Zukünftig könnte er vielleicht auch Gebäudemanager genannt werden. Grundsätzlich ist das Berufsbild des Mannes, der an früheren Schulen sogar eine eigene Hausmeisterwohnung nutzen konnte, gleichgeblieben. „Du bist Mädchen für alles“ schmunzelt der 55-Jährige und nimmt in seinem Büro direkt am Haupteingang einen defekten Klassenstuhl entgegen, dem ihm Hannah und Marlon mit der Bitte: „Kannst du den reparieren?“ mitten in den Raum geschoben haben. Noch bevor die ersten Lehrer und Schüler das Schulgelände betreten haben, hatte Wagenbrenner die Vorkehrungen dafür getroffen, dass der Eingangsbereich und das Lehrerzimmer beleuchtet sind und die Eingangstüren zu den Klassenräumen aufgeschlossen. Unterdessen hat das Telefon zweimal geklingelt. Zwei von aktuell rund 90 Grundschülern wurden durch ihre Eltern krankgemeldet. Wagenbrenner informiert die jeweilige Klassenlehrerin. „Im umgekehrten Fall, wenn die Lehrerin beim Vollzähligkeitsappell das Fehlen eines Kindes registriert hat, rufe ich bei den Eltern an, um abzuklären, was los ist“ erzählt er.

Während der Unterrichtsstunden verbleibt ihm nun die Zeit, Wartungsarbeiten wie beispielsweise an der Heizanlage oder auf dem Pausenhof der ersten rheinland-pfälzischen Grundschule „Für Bewegung, Sport und Spiel“ durchzuführen. Auf dem Hof zeichnet er die Nutzung der unzähligen Spielgeräte mit drei kleinen Fähnchen aus. Grüne Fahne bedeutet: Es ist alles in Ordnung. Rote Fahne: das Spielgerät ist gesperrt. Blau: Regenpause. Wagenbrenner, der Ex-Berufssoldat, lacht: „Wie zu meiner Zeit bei der Bundeswehr. Tägliche Flaggenparade.“

„Vieles scheint Kleinkram, doch wenn du’s vergisst, funktionieren ganz normale Schulabläufe nicht“, sagt der Hausmeister. Vielerlei Dinge stapeln sich auf einem Regal seines Büros: Schlüssel, Hefte, ein Turnbeutel, eine Jacke, eine Thermoskanne, Stifte und anderes. Wagenbrenner zieht die Augenbrauen hoch: „Das ist mein kleines Fundbüro. Man denkt gar nicht, was alles so liegen bleibt.“ Jeden Tag kommt immer wieder etwas Neues auf ihn zu. Es wird nie langweilig. Es wird auch erledigt, was nicht im Arbeitsvertrag steht. VG-Bürgermeister Volker Satony äußerte unlängst: „Wenn der Schulhausmeister sich mit seiner Schule identifiziert, kann ich davon ausgehen, dass dort alles in Ordnung ist.“ Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass Wagenbrenner nichts zu viel ist, dass er zukunftsorientiert denkt, er ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein besitzt, mit Sinn für Wirtschaftlichkeit und Organisation. Und obendrein besitzt er ein natürliches pädagogisches Talent.

Nachdem er in der Pause zunächst den „Milch-und-Wasser-Verkauf“ erledigt hat, beobachte ich ihn während einer zufälligen Situation auf dem Pausenhof. Zwei Jungen stehen kurz davor, sich zu prügeln. Verbal ist alles schon gelaufen. Beide stehen sich „kampfbereit“ gegenüber. Wagenbrenner fragte die beiden: „Warum wollt ihr euch prügeln?“ Beide antworten gleichzeitig: „Der hat mich beleidigt!“ Darauf Wagenbrenner „Ihr wollt euch also prügeln, um euch wehzutun?“ Beide nicken. Wagenbrenner: „Mein Vorschlag: Ich gebe jetzt jedem von euch eine ordentliche Backpfeife. Das tut weh, und ihr spart euch die Prügelei.“ Beide gucken entsetzt und laufen davon.

„Was macht ein Schulhausmeister, wenn Ferien sind?“, frage ich. „In den Ferien, wenn die Schüler ausgeflogen sind, stehen Arbeiten an, für die bei laufendem Betrieb keine Gelegenheit ist.“ Und er kontrolliert bei größeren Arbeiten den Einsatz von beauftragten Firmen. Letztlich sorgt er für die Gebäudesicherheit.

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