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Bischof als Witzfigur

Über 30 Millionen Euro sind auf dem Domberg verbaut worden. Das hat dem Bischof viel Kritik eingebracht. Doch langfristig dürfte viel schlimmer sein, dass der Bischof und damit die katholische Kirche sprichwörtlich durch den Kakao gezogen werden.
Häme und Spott schlägt Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg, aus vielen Richtungen entgegen. Foto: dpa Bild-Zoom
Häme und Spott schlägt Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg, aus vielen Richtungen entgegen. Foto: dpa
Im Netz, in Karikaturen, in Liedern. „Das Bistum ist heute ein Objekt der Lächerlichkeit. Das ist das Schlimmste was einem passieren kann“, sagte der ehemalige Weihbischof Gerhard Pieschl der NNP. Recht hat er.

„Ich nehme es mit der Wahrheit nicht so genau“, heißt es in einer Zeile des Liedes, das als Video im Internet abgerufen werden kann. Der Hintergrund kommt bekannt vor. Es ist das Eingangsportal des Doms. Dunkel ist es, und Nebelschwaden huschen vorbei. Die Treppenstufen dienen der Band als Bühne. Ihr Lied: „Der Bischof von Limburg“. Die Melodie ist geklaut, von Rio Reisers „König von Deutschland“, doch den Text haben Accustika, Laya & CrazYo ganz auf den Bischof gemünzt und als Intro ins Video dient eine Szene mit Golum aus „Herr der Ringe“, der auf die Hobbits schimpft, die ihm seinen Schatz geklaut haben.

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Eine ganzseitige Anzeige mit dem Limburger Bischof. Foto: jl Bild-Zoom
Eine ganzseitige Anzeige mit dem Limburger Bischof. Foto: jl

Ob Lieder, Karikaturen, Twitter-Einträge oder noch mehr, es ist schon heftig, was das so alles, häufig im Internet, kursiert. Der „Stern“ spottet zum Beispiel über gestrichene Vorhaben, die der „Luxus-Bischof“ auf seiner Wunschliste hatte. Darunter befindet sich auch - natürlich nicht ernst gemeint - ein Weihwasserpool der Moses-Edition, in dem sich das Wasser per Knopfdruck teilen lässt.


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Im Netz begegnet den Gläubigen auch das Lego-Bistum als Möglichkeit zur Refinanzierung der bischöflichen Residenz. Die Packung ziert ein Bild mit dem Bau des Bischofssitzes aus Legosteinen. Die schwarze Kapelle, die weiß verkleideten Neubauten, die Alte Vikarie als Fachwerkbau, das große Tor und als Hintergrund das Diözesanmuseum - alles in Lego; Entschuldigung, alles von der Firma ego.

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Es sind Koalitionsverhandlungen. Da ist eine Karikatur im Internet mit Kanzlerin Angela Merkel nicht verwunderlich. Sie sitzt am Schreibtisch und grübelt über die Fragen: Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün, als sie das Telefon gereicht bekommt. Der Anrufer ist der Bischof von Limburg, der Finanzminister werden will.

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Zum Fall Tebartz-van Elst wurde fleißig getwittert
Das Netz lacht über den Skandal-Bischof

Während der Limburger Bischof in Rom auf das Machtwort des Papstes und damit vielleicht auf seine Abberufung wartet, macht sich das Internet weiter über die Luxussucht des Tebartz-van Elst lustig. Hier einige Auszüge:

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Die Sendung „extra 3“ des NDR lässt den Bischof lächelnd aus dem berühmten Bernsteinzimmer blicken und fragt sich, ob er demnächst Leiter der Bahnhofsmisson S 21 oder Chorleiter der Elbphilharmonie wird. „extra 3“ sorgt im Netz zudem immer wieder für neue Kurzmeldungen: „Bischof wehrt sich: Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Edelstein.“

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Und natürlich drängt es sich auf, den Limburger Bischof vom fiktiven Titelblatt des Magazins „Schöner wohnen“ lächeln zu lassen. „Nur Mut zum Umbau“ heißt es dort in der Zeile, die einem sofort ins Auge springt. „Keine Angst vor Mehrkosten - Luxus ist Trumpf“ ist die Botschaft.

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Bilderstrecke Der 800.000-Euro-Garten des Skandalbischofs
Nur wenige Meter vom Diözesanen Zentrum »St. Nikolaus« entfernt, wo Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst residiert, wurde der so genannte Mariengarten für knapp 784 000 Euro angelegt. Doch dafür wurde im Jahr 2009, als der Bischof schon im Amt war, ein gerade erst fertig gestellter »Garten der Stille« dem Erdboden gleichgemacht. So grün sah der Garten neben dem Limburger Diözesanmuseum noch im Dezember 2005 aus. Im Hintergrund ist die Nonnenmauer zu sehen, die das Areal umfasst. Fotos: Sascha BraunIm Jahr 2009 entsteht der so genannte »Garten der Stille«, der für die Öffentlichkeit kurze Zeit zugänglich ist. Vom Hof des dahinter liegenden Diözesanmuseums ist der Garten einsichtig. Links im Bild sieht man noch Gerüste am steinernen Gartentempel und Arbeiter decken das Dach neu ein. Zu diesem Zeitpunkt war Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schon im Amt.Plötzlich wird es im Garten wieder lebhaft: Im Frühjahr 2010 rücken schwere Baumaschinen an und machen den gerade erst fertig gestellten Garten dem Erdboden gleich, reißen das Steinlabyrinth im Zentrum des Gartens ab. Auf Anfragen von Nachbarn wird mitgeteilt, dies geschehe aufgrund eines Frostschadens.

Der Radiosender „1 Live“ bezeichnet Tebartz-van Elst als „Bling-Bling-Bischof“ in Anspielung auf den ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der aufgrund seines Hangs zu Luxus als „Bling-Bling-Präsident“ verspottet worden war, und lässt ihn auf der Internetseite im Keller hinter einem Stapel von Goldbarren hervorschauen.

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Natürlich widmen sich auch die dem Bischof, die sich der Satire und dem Spaß seit Jahren verschreiben. Vor denen ist auch der Bischof nicht sicher, der inzwischen ja als Dauergast in der „heute show“ am Freitagabend über den Bildschirm flimmert. Moderator Oliver Welke spricht sogar schon von seinem „Lieblingsbischof“.

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Das Satiremagazin Titanic widmet dem Bischof in der Oktober-Ausgabe gleich zwei Seiten. „Hausbesuch bei T-Bartz“ nennt sich der Beitrag. Neben einer ganzseitigen Fotomontage mit T-Bartz, der im Stile eines protzenden Rap-Musikers mit nacktem Oberkörper, Baseball-Kappe und Ketten gezeigt wird, gibt es ein Interview, in dem T-Bartz Auskunft darüber gibt, dass „geile Shows und katholische Pracht“ ihren Preis haben und man dafür einfach Kohle in die Hand nehmen müsse. Allerdings hat der Bischofssitz von T-Bartz amtliche 20 Trillionen Euro verschlungen, dagegen ist der Bischofssitz von Tebartz-van Elst mit etwa über 30 Millionen geradezu ein Schnäppchen.

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Aber auch seriöse Medien gehen mit Karikaturen zum und über den Bischof nicht sparsam um. Die FAZ zum Beispiel zeigte den Domberg zu Limburg als Art unterirdischen Bau, der neben Kino, Sauna, Kegelbahn noch eine Weihwasserwiederaufbereitungsanlage sowie eine Falschgelddruckwerkstatt zur Finanzierung des Ganzen beherbergt. Und dann gibt es noch einen Durchstich . . . zur Hölle. Und das in der FAZ.

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In der Frankfurter Rundschau schreitet der Limburger Bischof in einer Karikatur aufrecht durch das frisch gepflanzte Beet im Garten des Herrn, da kann der im Beet knieende Papst nur ungläubig nachschauen. In der Berliner Zeitung wartet der Besucher aus Limburg im Vatikan beim Papst auf, der klein und bescheiden in seinem zierlichen Sessel sitzt. Als Geschenk hat der Besucher einen Sessel mitgebracht, der alle Dimensionen sprengt.

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Doch es tun sich für den Bischof auch ganz neue Möglichkeiten auf, einen finanziellen Eigenanteil am Bau seiner Residenz zu leisten. In der Bild-Zeitung gab es eine ganzseitige Anzeige eines Sanitäranbieters. Dem Bischof mit der Mitra wird per Sprechblase in den Mund gelegt: „15 000 Euro für eine Wanne - da wurde ich wohl aufs Kreuz gelegt.“ jl

 

 

 

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