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Bürger unterschrieben für Verbleib: Bosnische Flüchtlingsfamilie darf in Villmar bleiben

Von Die Familie Gashi kann nach 17 Monaten der Ungewissheit aufatmen. Die Flüchtlinge aus Bosnien dürfen vorerst für zwei Jahre bleiben.
Erdan und Azra Gashi wollen ihren Kindern in Villmar eine Perspektive aufbauen. Erdan und Azra Gashi wollen ihren Kindern in Villmar eine Perspektive aufbauen.
Aumenau. 

17 Monate lang musste die bosnische Flüchtlingsfamilie Gashi um ihren dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zittern. Die Abschiebung in die alte Heimat drohte, nachdem das hessische Innenministerium zunächst einer Empfehlung der Härtefallkommission des Landtages nicht gefolgt war. Der Familie wurde empfohlen, das Land freiwillig zu verlassen. Doch der Helferkreis Villmar ließ nicht locker und machte sich unermüdlich für die voll integrierte Familie stark.

Über 1000 Villmarer Bürger setzten sich mit ihrer Unterschrift für den Verbleib der beliebten Gashis ein. Nun können Erdan und Azra Gashi sowie ihre vier Kinder auf ein dauerhaftes Leben im Marktflecken hoffen. Die Familie bekam den Aufenthalt um zwei Jahre verlängert. „Danach sieht es nun sehr gut aus, dass die Gashis für immer bleiben dürfen“, ist Angelika Guidry, Vorsitzende des Helferkreises, überzeugt. Denn Erdan Gashi hat eine feste Arbeitsstelle als Straßenbauer bei der Firma Wilhelm Schütz in Weilburg. Seine Frau Azra arbeitet als Putzfrau. Die Kinder Elvedin (11), die Zwillinge Eldin und Eldina (8) und die in Deutschland geborene Ayla (4) sind in der Villmarer Senckenberg-Schule oder im Aumenauer Kindergarten und im TuS Aumenau voll integriert.

Erdan Gashis Eltern gehören zur Volksgruppe der Roma. Die Familie wurde laut Gashi in der Heimat von anderen Volksgruppen wie Kroaten, Serben und Albanern diskriminiert.

Keine staatliche Hilfe

Die Familie mit damals drei Kindern sah keinen anderen Weg mehr, als nach Deutschland zu fliehen. Über das Erstaufnahmelager in Gießen und Löhnberg kam die Familie 2011 nach Villmar. Gashi fand Arbeit, doch plötzlich konnte ihn sein Chef ohne eigenes Verschulden nicht mehr weiterbeschäftigen, und der Verbleib der Familie in Deutschland geriet in große Gefahr.

Die Monate der Ungewissheit, immer mit der Angst, irgendwann mit Polizei abgeholt und abgeschoben zu werden, haben bei dem Ehepaar Spuren hinterlassen. Erdan Gashi: „Hätten die uns gleich gesagt, dass wir nicht in Deutschland bleiben können, hätten wir das akzeptiert.“ Die Familie aber jetzt rauszuschmeißen, da die Kinder Deutschland als ihre Heimat sähen und die Familie ihre sozialen Kontakte in Villmar habe, das wäre extrem bitter. „Es geht vor allem um eine Zukunft für unsere Kinder“, sagt Erdan Gashi: „Meine Frau und ich sind beide fleißig, zahlen unsere Steuern und beziehen keine staatliche Hilfe.“

Fußball und Turnen

In Villmar und Aumenau hat die Familie Gashi nicht nur im Helferkreis viele Freunde gefunden, die sie nach besten Kräften unterstützen. Erdan spielt Fußball für die SG Villmar/Aumenau bei den Alten Herren. Auch die Kinder sind im TuS aktiv. „Auf den Aumenauer Fußballplatz können die Kinder alleine gehen“, sagt Gashi. Da er von der Arbeit in der Regel erst zwischen 18 und 19 Uhr nach Hause komme, könne er die Kinder nicht wie früher zum Turntraining nach Villmar fahren. Die Familie wäre am liebsten im Ortsteil Villmar wohnen geblieben, weil dort die Kinder ihre Freunde haben. Doch dort war keine passende Wohnung zu finden.

So landeten die Gashis ein Dorf weiter in Aumenau. „Hier sind auch sehr nette Menschen, aber wir suchen weiter eine andere Wohnung möglichst mit vier Zimmern in Villmar“, berichtet Gashi. Dass die Familie so schnell Deutsch lernte und hier Fuß fassen konnte, hat sie zum großen Teil dem hohen Engagement des Helferkreises zu verdanken. Aber auch von den Verantwortlichen der Kirchengemeinde St. Peter und Paul, der Senckenberg-Schule und dem St.-Agatha-Kindergarten in Villmar habe die Familie große Unterstützung von Anfang an erfahren. Haben die Gashis keine Probleme als Moslems, ihre Kinder ausgerechnet in einen katholischen Kindergarten zu schicken? Azra sagt energisch: „Wir respektieren andere Religionen, haben doch nichts gegen Christen.“ Der jungen Frau ist es wichtig, mit Vorurteilen in der deutschen Gesellschaft aufzuräumen. „Unsere Religion verbietet es, andere Menschen zu töten“, sagt sie. Wer es trotzdem mache, könne auf dem Papier Moslem sein, sei aber kein normaler Mensch.

Azra Gashi meint, sie sei in Villmar zu allen freundlich und nett. Wenn sie ein Kopftuch trage, dann weil sei stolz auf ihre Religion sei, genauso wie Christen stolz auf ihre Religion seien. Sie werde von ihrem Mann nicht unterdrückt, könne tun, was sie wolle, ob zum Joggen oder ins Schwimmbad gehen.

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