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Bürger für Windräder am Knoten

Eine deutliche Mehrheit der Bürger des Marktfleckens Mengerskirchen hat sich für den Bau von Windkraftanlagen auf dem "Knoten" und gegen die von der Gemeinde geführte Klage gegen das Vorhaben im Nachbarlandkreis ausgesprochen. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die am Dienstagabend im Gemeindeparlament vorgestellt worden ist.
Eine deutliche Mehrheit der Bürger des Marktfleckens Mengerskirchen hat sich für den Bau von Windkraftanlagen auf dem "Knoten" ausgesprochen (Symbolbild). Eine deutliche Mehrheit der Bürger des Marktfleckens Mengerskirchen hat sich für den Bau von Windkraftanlagen auf dem "Knoten" ausgesprochen (Symbolbild).
Mengerskirchen. 

63 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger ist für den Bau von Windrädern am Knoten, lediglich 34 Prozent sprachen sich dagegen aus. Befragt wurden 402 Personen, die repräsentativ ausgewählt worden waren, erläuterte Martina Heuser vom Marburger Marktforschungsinstitut Focustom. Besonders hoch ist die Zustimmung im Ortsteil Dillhausen: Dort bejahen 80 Prozent der Befragten den Bau von Windmühlen am Knoten, gefolgt von Waldernbach mit 69 Prozent, Winkels mit 63, Mengerskirchen mit 57 und Probbach mit nur noch 50 Prozent. Lediglich 20 Prozent der befragten Bürger gingen davon aus, dass die geplanten Windanlagen ihren Alltag beeinträchtigen würden.

Die von der Gemeinde geführte Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen die Windräder in den Gemarkungen Greifenstein und Dierdorf findet bei den Bürgern offenbar nur geringe Unterstützung. Nur 24 Prozent der Befragten halten eine Klage für richtig. 48 Prozent sprachen sich stattdessen dafür aus, dass der Marktflecken Mengerskirchen eigene Windräder bauen sollte, 23 Prozent sind dafür, dass die Investoren in den Nachbarkommunen solche Anlagen errichten. Gefragt wurde aber auch nach den möglichen Alternativstandorten "Hinter dem Zimberg", der auf 56 Prozent Zustimmung kam, sowie dem Standort Waldernbach, der sogar 59 Prozent Ja-Stimmen erhielt.

Eilantrag gescheitert

Wie Bürgermeister Thomas Scholz (CDU) zuvor bereits mitgeteilt hatte, sind die Gemeinden Driedorf und Greifenstein mit ihrem Ziel gescheitert, einen sofortigen Bau der geplanten vier Windenergieanlagen durchzusetzen. Das Verwaltungsgericht Gießen hatte einen Eilantrag auf Sofortvollzug des Abweichungsantrags vom Regionalplan abgelehnt. Hintergrund sind offenbar Verfahrensfehler in der Entscheidung des Ausschusses für Landwirtschaft und Umwelt, die das Regierungspräsidium Gießen jedoch umgehend korrigieren wolle. Der Ausschuss hatte im Frühjahr einem Abweichungsantrag vom Regionalplan für Mittelhessen zugunsten des Baus von Windrädern am Knoten stattgegeben. Dagegen hatte die Gemeinde Mengerskirchen Klage eingereicht. Über die eigentliche Beschwerde werde erst in einem Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel verhandelt, sagte Scholz.

Um den Willen der Bürger in Sachen Windkraft am Knoten zu erkunden, hatte die Gemeindevertretung zugleich eine Umfrage in Auftrag gegeben. Diese ermittelte nicht nur die Bürger-Meinung zu Windrädern auf Mengerskirchens "Hausberg", sondern auch zu erneuerbaren Energien generell.

Fast alle für "Erneuerbare"

Demnach wird das Ziel des Marktfleckens, die erneuerbaren Energien auszubauen, von einer überwältigenden Mehrheit mitgetragen. 96 Prozent der Befragten sprachen sich für regenerative Energien aus, allerdings mit unterschiedlicher Gewichtung der einzelnen Erzeugungsarten. Windkraftanlagen halten demnach rund 83 Prozent der Bürger für wichtig oder sogar sehr wichtig, bei der Fotovoltaik sind es geringfügig weniger. Biomasse findet immerhin noch bei 62 Prozent der Befragten Zustimmung. Das vom Marktflecken geplante Biomassekraftwerk am Tonmahlwerk in Winkels wird von zwei Dritteln der Befragten begrüßt.

Skeptisch sehen die Bürgerinnen und Bürger allerdings die Frage einer eigenen finanziellen Beteiligung. Nur 26 Prozent würden sich direkt an Windrädern beteiligen, 33 Prozent an Solaranlagen und nur 22 Prozent an einem Biomassekraftwerk. An einer "Bürgersolargesellschaft" haben ebenfalls nur gut ein Fünftel der Befragten Interesse. Solarzellen auf dem eigenen Dach können sich hingegen 53 Prozent vorstellen. Diese doch eher bescheidenen Zustimmungswerte zeigten, dass es bei der Frage des finanziellen Engagements noch umfassender Aufklärung bedarf, meinte Martina Heuser.

Eine Aussprache über die Umfrage fand im Parlament noch nicht statt. Bürgermeister Scholz kommentierte die Zahlen mit den Worten: "Die Fakten sind so wie sie sind."goe

(Rolf Goeckel)
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