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Ungewöhnliches Hobby: Der Bart-Europameister kommt aus Dörnberg

Von Udo Bläß ist Bart-Europameister, Fernsehdarsteller, Nikolaus und seit 40 Jahren Schiedsrichter. Der frühere Gabelstaplerfahrer von Meier Guss in Staffel verrät im Gespräch mit dieser Zeitung, warum er sich überhaupt einen Bart wachsen ließ und wie er es in TV-Krimiserien wie „Auf Streife“ oder „Niedrig & Kuhnt“ schaffte.
Vollbartträger Udo Bläß ist auch Fan von Eintracht Frankfurt. Vollbartträger Udo Bläß ist auch Fan von Eintracht Frankfurt.
Dörnberg-Hütte. 

Selfies mit einem Gabelstaplerfahrer machen die Menschen im Alltag eher selten. Udo Bläß ist aber nicht irgendein Gabelstaplerfahrer, sondern in Limburg bekannt wie ein bunter Hund. Die Kinder kennen den kräftigen Mann mit dem langen Naturbart als Nikolaus. Und auch als Bart-Europameister und Darsteller in Fernsehformaten hat sich der 63-Jährige einen Namen gemacht. Ansonsten ist der Mann aus Dörnberg-Hütte (Verbandsgemeinde Diez) schon seit 40 Jahren als Schiedsrichter im Rhein-Lahn-Kreis unterwegs und will sich weiter auf heimischen Fußballplätzen fit halten, solange ihn seine Füße tragen.

Seitdem Bläß im Oktober in den Ruhestand ging, hat er noch mehr Zeit für seine Freizeitaktivitäten. „Ich könnte gar nicht die ganze Woche über daheim auf dem Sofa liegen“, sagt der leidenschaftliche Eintracht-Frankfurt-Fan. Seine ersten Lebensjahre verbrachte Udo Bläß in Stralsund. Vor dem Mauerbau zog die Familie nach Diez, wo sie Verwandtschaft hatte. Udo war damals noch ein unauffälliger junger Mann mit Schnurrbart, der den Beruf des Malers lernte.

Jahrelang nicht rasiert

Sein neues Leben begann, als Bläß erstmals den Weihnachtsmann spielte. Doch der angeklebte Bart nervte gewaltig. Er ließ sich also einen Vollbart wachsen. Und der wuchs und wuchs. Sieben bis acht Jahre schnitt Udo Bläß ihn nicht zurück. Heute, sagt er, werde der Bart nicht mehr wesentlich länger. Er müsse nur hin und wieder mal die Spitzen schneiden. Udo Bläß sah immer mehr wie der Weihnachtsmann aus. Die Anfragen wurden häufiger, denn die Kinder mochten den Mann, der warme Worte und süße Geschenke hatte. Bläß lief im roten Mantel und mit vollem Sack für den Limburger Altstadtkreis, die Limburger WERKStadt und viele sonstige Auftraggeber der Region. „Wenn Kinder dich anschauen und lachen, dann ist es ein tolles Gefühl“, sagt er. Und auch viele Damen mögen den Mann mit dem Rauschebart. Einige wollten sogar – ganz frech – an seinem Bart ziehen.

Die imposante Haarpracht nutzt dem seit 20 Jahren in Dörnberg-Hütte lebenden Rentner aber nicht nur in der Weihnachtszeit. Im Bus fragte ihn der Fahrer an, ob er nicht mal an Bartmeisterschaften teilnehmen wolle. Bläß wollte, machte in Pforzheim bei seiner ersten Deutschen Meisterschaft mit und belegte unter 25 Teilnehmern in seiner Kategorie Naturbart gleich den 15. von 25 Plätzen. Bei Vollbart Natur darf der Aktive keine Pflegeprodukte in die Barthaare einarbeiten. Er wäscht den Bart aber mit Shampoo und Spülung, föhnt und kämmt ihn. Während der Arbeit bei Meier Guss wurde der Bart früher immer schwarz, so dass er ihn täglich waschen musste. Mittlerweile macht er das in wettkampffreien Wochen nur noch alle drei Tage.

Wer bei Bartwettkämpfen gewinnt, hängt vor allem vom persönlichen Geschmack der Jurymitglieder ab, weiß Udo Bläß. Das heißt, dass er mit demselben Bart einmal vorne liegt, ein anderes Mal unter „ferner liefen“. So konnte Bläß schon Europameister werden. Bei Deutschen Meisterschaften reichte es aber nie für mehr als für Platz zwei. Bei der WM konnte er immerhin schon einmal eine Bronzemedaille gewinnen. Aus Kostengründen ist Bläß aber nicht immer dabei. Denn Bartmeister bekommen weder Reisekosten noch Preisgelder. Und 5000 Euro für die Europameisterschaften 2018 in Israel sind ihm einfach zu viel.

Kleine Sprechrollen

Auch für kleine Sprechrollen in deutschen Fernsehserien und Showauftritten gibt es keine Riesensummen. Bläß geht es aber eher um das Vergnügen, nette Leute aus der Medienbranche kennenzulernen. So hat er mit Fernsehpolizist Toto Heim von „Toto & Harry“ eine gute Freundschaft entwickelt, auch zu TV-Moderator Harry Wijnvoord, mit dem er immer kurz vor Weihnachten einen Benefizauftritt als Nikolaus macht.

In Krefeld, der Heimatstadt seiner verstorbenen Frau, nahm er aus Neugier an einem Casting teil. Seitdem ist er mit seinem markanten Aussehen ein immer wieder angefragter Darsteller in der Kartei. Man kennt ihn aus „Niedrig & Kuhnt“, „Richterin Barbara Salesch“ oder „Auf Streife“. Bläß freut sich, wenn er wieder zwei Drehtage in Köln hat und für eine Fernsehshow in einem der großen Privatsender Prominente mit einem Sprung aus einer Torte überraschen soll. „Vor Kameras macht es mir riesig Freude“, sagt Bläß. Lampenfieber habe er nicht. Nur das stundenlange Warten sei nervig.

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