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Der Bischof zeigt sein Haus

Von Neue Überraschungen im Zusammenhang mit dem "Haus der Bischöfe": Das Objekt am Limburger Dom bekommt einen neuen Namen, weil es nicht nur als Heim des Oberhirten dient – und es wird viel später fertig als geplant.
Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: Heidersdorf Bilder > Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: Heidersdorf
Limburg. 

Das "Diözesane Zentrum St. Nikolaus" soll am 29. Juni 2013 eingeweiht werden. Ob es auch hinsichtlich der Kosten eine weitere böse Überraschung geben wird, lassen die Verantwortlichen offen. Fest steht, dass das Budget von 5,5 Millionen Euro bei Weitem nicht ausreichen wird.

Es ist die interessanteste, umstrittenste, die am besten geschützte, architektonisch anspruchsvollste und auch derzeit teuerste Baustelle Limburgs: Das bislang als "Haus der Bischöfe" firmierende Projekt am Georgsdom, das das Bistum jetzt zum "Diözesanen Zentrum St. Nikolaus" umbenannt hat. Dieser Titel werde der Bedeutung des Ensembles besser gerecht, sagte Generalvikar Dr. Franz Kaspar gestern der NNP. Das 120 Quadratmeter große Heim des Bischofs nehme nur knapp zehn Prozent des Bauvolumens ein.

"Das ist doch kein Palast", betonte der Bewohner in spe wenig später in seinem künftigen Wohn- und Esszimmer. Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst zeigte am Freitag erstmals einem Vertreter der Öffentlichkeit seine neuen Räume. Die anhaltende Kritik am Millionenbau ärgert den Bischof zwar gewaltig – auch wenn er es sich nicht anmerken lassen möchte –, doch beim Anblick seiner Wohnung strahlte er wie außen die Sonne. "Ich freue mich sehr, bald einziehen zu können", sagte der 52-Jährige. "Nach fünf Jahren in Limburg will ich endlich meine Kisten ausräumen und ordentlich wohnen." Vielleicht kann er bereits im Herbst im Priesterseminar aus- und am Domberg einziehen; spätestens vor Weihnachten soll es soweit sein. Im Domizil des Bischofs ist der Innenausbau fast abgeschlossen; in den nächsten Tagen können der Boden verlegt und die Wände tapeziert werden.

Schöner Konradiner-Keller

Sehr angetan war Tebartz-van Elst beim Rundgang von den ersten am Donnerstag eingebauten Fenstern in der 11,80 Meter hohen Kapelle und den im Untergeschoss sichtbar gemachten archäologischen Funden. Sie zeigen, dass hier alles aus dem Boden heraus wächst und auf Fels gebaut ist. Diesen Konradiner-Keller wünscht sich der Bischof als Ort der Begegnung. "Hier kann man gemeinsam über das Fundament des Glaubens nachdenken, aber auch Konzerte oder Lesungen veranstalten", sagte er. 50 bis 60 Personen wird dieses Vergnügen vorbehalten sein.

Gestern waren 25 Handwerker an der Baustelle beschäftigt, in der Spitze waren es seit der Grundsteinlegung Ende Juni 2011 bis zu 70.

"Der Neubau wird in diesem Jahr weitgehend fertig", erläuterten die Architekten Michael Frielinghaus und Patrick Schnell sowie Diözesanbaumeister Tilmann Staudt. Die große Zeitverzögerung entsteht nach ihren Angaben durch die "unglaublich aufwendige" Sanierung der zuletzt einsturzgefährdeten Alten Vikarie. Das Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert wird der Amtssitz des Bischofs sein. Dort wird auch sein Referent ein Büro haben, die beiden Sekretärinnen kommen in den direkt angrenzenden Neubau. Im früheren Küsterhaus, einem 1904 errichteten Jugendstilgebäude, werden zwei Ordensschwestern leben, die das gesamte Objekt versorgen sollen.

Die Einweihung des Zentrums ist für den 29. Juni, dem Hochfest Peter und Paul, vorgesehen. Mit Nikolaus kommt damit neben Georg auch der zweite Namenspatron des Doms zu Ehren.

"Keine 10 Millionen"

Zu den Kosten wollten sich die Verantwortlichen gestern nicht äußern. "Wir haben schon so viele Überraschungen erlebt und wissen nicht, was uns bei der Sanierung der Alten Vikarie noch alles erwartet", sagte Tilmann Staudt. Klar ist nach seinen Worten, dass der Kostenrahmen von 5,5 Millionen Euro gesprengt werden wird. Wie kräftig, sei aber noch offen. "Wir können beim besten Willen keine seriösen Zahlen nennen", betonte der Diözesanbaurat. Auf die in der Stadt kursierende Summe von mindestens zehn Millionen Euro angesprochen, sagte er: "Ich gehe nicht davon aus, dass es ein zweistelliger Millionenbetrag sein wird."

Drei Millionen Euro sollten aus dem Vermögen des Bischöflichen Stuhls fließen, 2,5 Millionen aus einer Haushaltsrücklage. Für den Neubau war eine Million veranschlagt, davon lediglich 200 000 Euro für die Wohnung des Bischofs, 300 000 Euro für die Kapelle und die andere Hälfte für den Verwaltungs- und Gästebereich. Zwei Millionen sollte die Sanierung der historischen Mauern und die Darstellung der archäologischen Funde kosten, 2,5 Millionen die Sanierung der Alten Vikarie und des Küsterhauses.

Riesengewinn für Limburg

Staudt und Kaspar wiesen gestern ebenso wie die Architekten die Kritik an der Architektur des Projektes, die sich vor allem auf die Höhe und die schwarze Verkleidung der Kapelle festmacht, zurück. Der Generalvikar holte noch weiter aus und bekräftigte zum wiederholten Mal, dass der amtierende Bischof mit der Entscheidung für den Bau nichts zu tun gehabt habe. Der Beschluss sei lange vor seiner Ernennung gefasst worden. "Vor wenigen Tagen haben wir festgestellt, dass das Domkapitel bereits 2004 zwei Millionen Euro zurückgestellt hat, weil auf dem Gelände gegenüber des Doms etwas geschehen musste", sagte Kaspar.

Michael Frielinghaus, der auch Bundesvorsitzender der deutschen Architekten ist, zeigte sich verwundert und enttäuscht über die negativen Reaktionen in der Stadt. "Dieses Zentrum ist für Limburg ein Riesengewinn", sagte der Fachmann, "etwas außergewöhnlich Eindrucksvolles". An diesem historischen Platz werde die Geschichte mit einer verantwortungsvoll umgesetzten Idee weitergeschrieben; etwas Besseres hätte der Stadt nicht passieren können."

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