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Der Traum von der Freiheit

Von Die evangelische Kirchengemeinde Bad Camberg und Niederselters hatte zu einer jüdischen Zeitreise mit Dany Bober eingeladen.
Dany Bober fasziniert sein Publikum in Bad Camberg.	Foto: Hackert Dany Bober fasziniert sein Publikum in Bad Camberg. Foto: Hackert
Bad Camberg. 

Die evangelische Martinskirche ist in sanftes Kerzenlicht getaucht. Ein Mann geht in den Altarraum, greift zur Gitarre und füllt den Raum mit seiner angenehmen Stimme. Dany Bober ist Liedermacher. Und mehr. Er ist einer, der etwas zu sagen hat. Weil er aber möchte, dass die Menschen mitdenken und er das Talent besitzt, mit Wissen zu unterhalten, profitieren die Besucher von einem ungemein reichen Erfahrungsschatz und einem Fundus stilistischer Möglichkeiten, die er bei seiner jüdischen Zeitreise nutzt.

Er geht weit zurück zu den Königen David und Salomo, vertont Psalmen neu, geht über ins babylonische Exil, die Unterdrückung durch Griechen und Römer, singt vom mittelalterlichen Spanien, bietet jiddische Volksweisen Osteuropas und gelangt bis in die heutige Zeit. Kreuzzüge, Ghettos, Holocaust. Der 66-Jährige greift sehr viel auf und nähert sich dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte im Flüsterwitz. 1942 erzählt lässt die Geisteskraft, die Stärke, die dem innewohnt, der sich auf solche Weise widersetzt, zugleich lachen und erschauern. Die Gefahr wird sofort greifbar. Die Stimmung hat er erzeugt, bevor er zu „Zehn kleine Meckerlein“ anstimmt, „die saßen einst beim Wein. Der eine ahmte Goebbels nach, da waren es nur noch neun“. Es wird düster, natürlich, und Dany Bober verbindet dies mit der eigenen Lebenserfahrung. Seine Eltern emigrierten nach Israel und kehrten später in die Heimat des Vaters, Frankfurt, zurück. Damals war Dany acht Jahre alt, und sein Zuhause ist Frankfurt, oder jetzt sein Wohnort Wiesbaden. Kein Wunder also, dass sein „herzliches Schallömsche“, mit dem er den Abend begann, so unverkrampft und echt dahergekommen ist. Sofort sympathisch.

Die Aufmerksamkeit ist da, sei es bei den Gedichten, Liedern oder Gedanken. Er macht sich Mühe, bildet Geschichte ab, macht Vergangenes in der Musik erlebbar und durch das geistige Werk der Menschen, die gegen Unterdrückung und für die Freiheit eingetreten sind durch die Zeiten hinweg bedeutsam. Vieles wurde bereits gesagt. Deshalb greift er gern diese Lieder und Texte auf, die er zu seinen eigenen hinzufügt. Solches prägt zum Beispiel den Vormärz, die Zeit vor der für Deutschland so wichtigen 1848er-Revolution. Und so singt er eine Variante des Hecker-Liedes mit der Zeile: „Er hängt an keinem Baume, er hängt an keinem Strick. Er hängt nur an dem Traume der freien Republik.“

Dazu gehört Wissen

Die Freiheit besteht nicht nur darin, etwas sagen zu dürfen – man muss es auch können, und dazu gehört Wissen, oft genug Mut. Dany Bober hat beides. Hinzu kommt ein Herz, das für seine Lieder schlägt und der unbändige Wille, ein Stück Kultur zu vermitteln. Jüdische Kultur, die Wurzeln hat, die Christen gut kennen sollten, und Menschen hervorgebracht hat, die das kulturelle und wissenschaftliche Leben in Deutschland getragen haben – trotz Holocaust. Vielleicht deshalb ist Deutschland für ihn Heimat. Weil er weiß, dass es zusammengehört und es heute Menschen gibt, die nicht wegschauen wollen. Nur so kann man aus Erfahrung lernen.

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