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Der dreifache Handwerksmeister

Von Gerade mal 22 Jahre alt ist Marius Schmidt aus Ahausen. Während andere in seinem Alter noch dabei sind, sich beruflich zu orientieren, hat der junge Handwerker schon Unglaubliches geleistet.
Mit großer Freude präsentiert der talentierte Handwerker Marius Schmidt sein Spenglermeisterstück: ein Kupferdach. Foto: schp Mit großer Freude präsentiert der talentierte Handwerker Marius Schmidt sein Spenglermeisterstück: ein Kupferdach. Foto: schp
Weilburg-Ahausen. 

"Wir haben doch alle nur ein Leben. Daraus sollte man doch unbedingt das Beste machen" – das ist ein Motto von Marius Schmidt, der nach dem Besuch der Weilburger Heinrich-von-Gagern-Schule als 16-Jähriger bei einem Bad Homburger Unternehmen die Ausbildung zum Dachdecker begann. Und schon früh zeigte sich, was in ihm steckt, konnte er doch schon nach zweieinhalb Jahren die Ausbildung mit "sehr gut" beenden.

Das reichte Marius Schmidt, der zunächst als Geselle im Unternehmen seines Vaters Hermann arbeitete, jedoch nicht. Er entschloss sich zur Dachdeckermeisterausbildung. Bis Mai 2008 büffelte er neun Monate lang Theorie und Praxis an der Bundesfachschule in Mayen (bei Koblenz). In dieser Zeit lebte er in einer Drei-Mann-WG. Seine beiden Kumpels absolvierten ebenfalls die Meister-Ausbildung. "Das war eine wunderschöne Zeit", erinnert sich Marius. "Wir haben viel zusammen gelernt, aber auch gefeiert. Das gehört ja auch dazu".

Die Bundesfachschule für Dachdecker gilt als der "Mercedes" unter den Ausbildungsstätten, und so ist Marius stolz, die Prüfung als einer der besten abgelegt zu haben. Sein Meisterstück war eine Schiefer-Kehle, jene Stelle also, an der zwei Dachflächen aufeinanderstoßen. Das war eine große Herausforderung. Und alles in Handarbeit. Sogar die Schiefersteine hat Marius selbst gehauen.

Auf der Walz – in Kanada

Den Meistertitel in der Tasche, arbeitete Marius in einer Zimmerei in Gießen, wo er fast ausschließlich Zimmererarbeiten erledigte. Ein Handwerk, das ihn ebenfalls begeisterte. Und so entschloss er sich, ein weiteres Mal die Schulbank zu drücken, dieses Mal in Kassel in der Bundesfachschule für Zimmerer. Sein Zimmerermeister-Zeugnis weist ihn als den Jahrgangsbesten aus. Dabei, so Marius Schmidt, sei die Prüfung ausgesprochen schwer gewesen. Innerhalb von nur einer Woche galt es, "von null auf 100" ein Haus zu zeichnen und das Grundgerüst zu zimmern. Bei dieser Meisterausbildung, sagt er, habe er viel gelernt. So unter anderem das "Schiften", ein 2D-Zeichnen, das die Grundlage für die spätere Holzbearbeitung schafft.

Auch nach seiner zweiten Meisterausbildung war Marius Schmidt vom Tatendrang beseelt. Bei einer Fastnachtsparty erzählte er einem Mit-Absolventen von seinem Traum, in Kanada auf die Walz zu gehen. Aus dem Traum wurde Realität. Denn sein Kumpel Matthias Büsch fand die Idee verlockend – und wenige Tage später buchten die beiden, ohne große Planung, ein Flugticket. "Wir wussten ja, wir wollten dort arbeiten und wussten, dass wir gute Arbeit verrichten können. Also waren wir optimistisch", erzählt Marius Schmidt.

In Vancouver angekommen, kauften sie sich erst mal einen kleinen Bus, der ihnen zugleich als Schlafstätte diente, während sie von Stadt zu Stadt zogen, um handwerkliche Arbeiten zu verrichten. Das Unternehmen "auf der Walz mit dem Auto" nahm seinen Lauf. Hatten die beiden Deutschen ursprünglich sechs Monate veranschlagt, mussten sie allerdings Kanada schon nach drei Monaten Kanada wieder verlassen.

Abstecher in die USA

Heim nach Deutschland wollte Marius aber noch nicht. So entschloss er sich, auch noch Teile der Vereinigten Staaten von Amerika zu bereisen. Für die Einreise beherzigte er den Tipp, in den frühen Morgenstunden die Grenze von Kanada in die USA zu überqueren, denn zu diesem Zeitpunkt, so Marius, werde nicht so ausgiebig kontrolliert. "Ich hatte schon Schiss, als so junger Mensch mit so einem großen Wagen, dass die mich überhaupt reinlassen. Es lief jedoch alles problemlos."

Stationen in den Staaten waren unter anderem Los Angeles/Hollywood, San Diego, Las Vegas, San Francisco, Seattle/Nevada. Das war im Juli 2009 "und es war eine irre Hitze – so um die 40 Grad", erinnert sich der erfolgreiche Handwerker. Viel Geld hatte er nicht, so war also weiter "Camping mit dem Auto" angesagt und eine große Erholung von dem heißen Wetter, so stellt er schmunzelnd fest, "waren dann die klimatisierten Casinos von Las Vegas". Drei Wochen lang "tingelte" er umher. Dann suchte er sich in der Nähe von San Francisco für zwei Monate Arbeit als Dachdecker. "Das war eine irre, tolle Zeit trotz aller Probleme und Herausforderungen", erinnert er sich. Aber selbst die schönste Zeit hat einmal ein Ende, und die Rückkehr nach Deutschland stand an. Da in den Staaten keiner seinen Bus kaufen wollte, fuhr er die vielen hundert Kilometer zurück nach Kanada, wo er seinen Wagen loswurde.

Auch noch Spengler

All das Erlebte und die beiden Meisterprüfungen motivierten Marius Schmidt zu einem neuen Ziel. Im November 2010 begann er eine dritte Meisterausbildung. In Schweinfurt besuchte er die Bundesfachschule für Spengler. Sein drittes Meisterstück war ein gespenglertes Miniaturdach. Das kam derart gut an, dass er auch dieses Mal zu den Besten gehörte.

Fleiß und Strebsamkeit liegen offenbar in der Familie, hat doch mittlerweile sein Bruder Hannes mit 20 Jahren schon die Dachdecker- und Zimmerer-Meisterprüfungen abgelegt. So arbeiten mittlerweile der Vater und die beiden Brüder sowie andere Kollegen erfolgreich im Unternehmen in Frankfurt zusammen. Dorthin ist Marius im Oktober diesen Jahres gezogen. Ihm sei die viele Fahrerei zu lästig, sagt er. "Da verliert man so viel Zeit, die ich gerne anders nutzen möchte". Allerdings besucht er immer wieder seinen Heimatort Ahausen, "zur Oma, den Eltern und meinem Hund, den ich natürlich auch vermisse".

Ein Sportler-Typ

Welchen seiner drei Berufe er am meisten liebt, kann Marius Schmidt nicht genau sagen. "Die Kombination von allen dreien finde ich super, und es macht sehr viel Spaß, zu sehen, dass man am Ende des Tages etwas geschaffen und geschafft hat", erzählt Marius Schmidt. Ihm ist es unerklärlich, "dass so viele junge Menschen auf der faulen Haut liegen und nichts aus ihrem Leben machen". Er habe immer ein Ziel vor Augen. "Die Talente", sagt er begeistert, "die man mitbekommen hat, die sollte man doch auch nutzen".

Und er hat weitere Pläne und Ziele: So möchte er irgendwann mal zusammen mit seinem Bruder den elterlichen Betrieb übernehmen. Im Moment heißt es für ihn: "Von sechs bis sechs ist Arbeit angesagt, weitere berufliche Erfahrungen sammeln, und auch das Privatleben darf nicht zu kurz kommen". Der Single treibt viel Sport, auch im Fitness-Studio, geht unter anderem in Wetzlar klettern und schwimmt gerne. Marius ist seiner Familie dankbar, die ihm einiges ermöglicht und ihn immens unterstützt hat. Wie auch seinen Freunden, die seinen beruflichen Weg begleitet haben und Hilfestellung gaben. Im Gespräch zeigt sich: Er hat noch so einiges vor: "Es ist jedoch nicht die Zeit, schon jetzt darüber zu reden", meint der ehrgeizige Handwerker von der Lahn. Von ihm wird sicher noch einiges zu hören sein. . .

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