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Astrid-Lindgren-Schüler: Die Domäne Blumenrod – damals und heute

Wie sah es früher in der Domäne Blumenrod aus? Die Schüler aus der Hauptstufe 2 der Astrid-Lindgren-Schule haben sich umgesehen.
Auf alten Spuren: Die ZING-Reporter der  Astrid-Lindgren-Schule erforschten einen Vormittag lang die Domäne Blumenrod und entdeckten alte Geräte. Auf alten Spuren: Die ZING-Reporter der Astrid-Lindgren-Schule erforschten einen Vormittag lang die Domäne Blumenrod und entdeckten alte Geräte.
Limburg. 

Der Stadtteil Blumenrod wird in diesen Tagen 650 Jahre alt. Der Name hat viel zu tun mit der Domäne Blumenrod, einem alten Bauernhof an der Zeppelinstraße.

Die erste Erkenntnis ist: Milch macht Arbeit. Wir schleppen dicke Kannen mit Milch über den Hof. Der Griff drückt in die Handfläche. Zwischen zehn und 20 Litern mögen in jede Kanne passen. Gut, dass die nicht voll sind! Eine Arbeit für Stallburschen. Dann geht es zur Zentrifuge. Oben in die Schüssel kommt Kuhmilch hinein. Lara dreht die Kurbel. Eine Umdrehung pro Sekunde, da müssen wir uns beeilen. Das Gerät brummt wie ein Motor. André öffnet langsam den Verschluss. Einen Augenblick später läuft die Milch an verschiedenen Seiten wieder heraus, mal dünn wie Wasser, mal etwas dicker.

Silvano schleppte die schweren Kannen. Bild-Zoom
Silvano schleppte die schweren Kannen.

Milch macht Arbeit

Trinken kann man die Milch nicht, dafür ist die Maschine zu alt. Aber Spaß macht es trotzdem. Schließlich gehen Manuel und André zum Hoftor. Mit vereinten Kräften werden die beiden großen Holzflügel geschlossen. Noch den Riegel drauf – Feierabend.

Ein Blick zurück

So könnte vielleicht die Arbeit auf der Domäne Blumenrod gewesen sein, damals, als hier noch Landwirtschaft betrieben wurde. Vor Ort treffen wir uns mit Bernhard P. Heun. Er hat die Geschichte erforscht und erzählt uns, wie aus dem Hofgut ein ganzer Stadtteil geworden ist.

Seit 650 Jahren gibt es jetzt schon Blumenrod – mindestens. Früher lag der Hof etwas weiter hinten im Feld. Nach einem Brand wurde er zerstört und an der heutigen Zeppelinstraße neu gebaut.

An der Zentrifuge: André hat den Dreh raus. Bild-Zoom
An der Zentrifuge: André hat den Dreh raus.

Nun sitzen wir gemütlich im Kreis, ein duftender Heuballen vor uns. Dieser Ort soll früher ein Kuhstall gewesen sein? Zum Beweis zeigt uns Herr Heun alte Fotos. Tatsächlich, genau hier zwischen den Säulen stand das Vieh aufgereiht. Jede Kuh hatte einen Euter. Der sieht aus wie ein Handschuh, meint Dennis. Da war die Milch drin. Zum Melken waren viele fleißige Hände nötig. Ab 1949 gab es die Blumenröder Vorzugsmilch. Die war stadtbekannt. Der Pferdewagen brachte sie bis zur Tilemannschule.

Aber es gab nicht nur Kühe. Auch Kälbchen wurden großgezogen. Auf Fotos sehen wir Hühner, Schweine, Pferde, den Zuchtbullen und den Hund des früheren Pächters.

Der Zeppelinunfall

Herr Heun zeigt uns weitere Fotos. Da liegt die Domäne noch einsam zwischen den Feldern. Und die Zeppelinstraße sieht aus wie ein Feldweg. Warum heißt die eigentlich so, wollen wir wissen. Herr Heun erzählt uns die spannende Geschichte, wie im Jahre 1910 ein Zeppelin im Feld notlanden musste, weil das Wetter so schlecht war. Zeppelin, das war ein riesiger Luftballon, mit Gas gefüllt, länger als ein Fußballplatz. Nachts, als alle schliefen, riss eine Sturmbö das Luftschiff plötzlich los. War das eine Aufregung! In Weilburg ist der führerlose Zeppelin dann zerschellt. Niemand wurde verletzt.

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Andere Zeiten

Heute hat die Domäne Blumenrod keine Felder mehr. Daraus ist Bauland geworden. Die Gebäude hat im Jahr 2002 die Freie evangelische Gemeinde übernommen und saniert, die dort ihr Gemeindezentrum und ein Café betreibt. Drüben, im alten Pferdestall, ist eine Kinderkrippe eingezogen. Mit kleinen Bettchen für den Mittagsschlaf – wie für meinen Bruder, meint Silvano. Außerdem gibt es zwei Arztpraxen in dem Anwesen. Doch vom Hof aus sind wirklich noch ein paar Stallfenster zu erkennen. Alles steht nämlich unter Denkmalschutz.

Ein altes Foto macht uns neugierig. Es stammt von 1934. Darauf hat ein hoch beladener Heuwagen vor dem Pächterhaus Halt gemacht. Vorne ein Pferd, dann sieht man über zehn Erntehelfer, die sich vor dem Wagen aufgestellt haben. Viel Arbeit – viele Arbeitsplätze! Genau so stellen auch wir uns auf. Hinter uns ist jetzt aber ein Gerüst. Das Pächterhaus, das wohl schon von 1760 stammt, wird gerade in eine Seniorentagesstätte umgebaut.

Zum Schluss steigen wir in den Keller. Die Decke ist in einem Rundbogen gemauert, wie unter der alten Lahnbrücke. Hier und da bröselt Sand.

Durch ein Fenster fällt etwas Helligkeit. Ist das eine Kohlenrutsche? Oder Schießscharte? Dieser Gebäudeteil wurde nämlich erst 1938 gebaut. Da war der zweite Weltkrieg nicht mehr weit. Und aus dem Hofgut war ein Feldflugplatz geworden. Doch das ist eine andere Geschichte.

Die ZING-Reporter der Hauptstufe 2 waren Yannick, Silvano, Dennis, Andrè, Loris, Manuel, Lara und Annika.

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