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Die Jahrhundertentscheidung

Die Entscheidung ist gefallen, mit deutlicher Mehrheit. Es ist das erste Mal eine klare Entscheidung für die sogenannte Alttrasse, die durch Blumenrod führt. Diskutiert wird über sie schon seit Jahrzehnten.
Bürgermeister Martin Richard verteilt auf der Wolke sitzend Geschenke, um die Verkehrsprobleme in Limburg zu lösen. So stellt sich das Illustrator und Blumenrod-Bewohner Michi Schmitt vor. Bürgermeister Martin Richard verteilt auf der Wolke sitzend Geschenke, um die Verkehrsprobleme in Limburg zu lösen. So stellt sich das Illustrator und Blumenrod-Bewohner Michi Schmitt vor.
Limburg. 

Erste Pläne für eine Straße gab es 1936/37. Da ging es allerdings um eine Straße für das Militär – und von Blumenrod war zu dieser Zeit noch nicht viel zu sehen. Nach dem verlorenen Krieg und der ersten Phase des Wiederaufbaus begann der neue "Stadtteil" zu wachsen. Auch der Verkehr nahm zu und die Frage nach einer Umgehung wurde zum Thema. Zumindest ab Mitte der 1960er Jahre wurde ganz offensichtlich nach einer Lösung gesucht. Deutlich zeigte sich dies auf einer von der CDU einberufenen Bürgerversammlung im November 1967.

Und bereits damals wurde die Frage, ob der Grünstreifen für eine Straße freigehalten wurde oder als Grüngürtel dienen soll, unterschiedlich beantwortet. Stadtverordneter Werner Schmich brach eine Lanze für diejenigen, die in Blumenrod neu gebaut hatten. Ihnen sei nie etwas von einer Umgehungsstraße erzählt worden, stets sei ihnen gegenüber von einem Grüngürtel die Rede gewesen. In den Plänen der Straßenverkehrsbehörde ist der unbebaute Streifen jedoch für eine Umgehung vorgesehen.

In der Versammlung machten Vertreter der CDU deutlich, dass ein Antrag bereits bei der Verwaltung liege, wonach der fragliche Bereich in einem Bebauungsplan als Grünfläche ausgewiesen werden soll. "Alle Stadtverordneten seien der Meinung, dass die Umgehungsstraße eine andere Linienführung erhalten müsse, und dieses Ziel werde auch weiter verfolgt", schreibt diese Zeitung über die Veranstaltung.

Abschied

Die andere Linienführung war die Westumgehung, die anschließend in die Diskussion kam. Sie wurde jüngst noch einmal vom Verein "Keine Südumgehung Limburg" angeregt, da sich mit Aufgabe der Freiherr-vom-Stein-Kaserne die Voraussetzungen verbessern würden. Doch ernsthaft darüber diskutiert wurde darüber nicht mehr. Bis weit in die 90er Jahre gab es in Limburg durchaus eine Präferenz für die Westumgehung, auch wenn der Bund stets auf eine Südumgehung setzte. Zumindest meldete die Neue Presse am 29. September 1993 den "Abschied von der Umgehungsstraße". Die von den Stadtverordneten bevorzugte Westumgehung, ein entsprechender Beschluss war am 28. Mai 1990 gefasst worden, war im gerade verabschiedeten Bundesverkehrswegeplan überhaupt nicht berücksichtigt worden, dafür wurde die Südumgehung in den "weiteren Bedarf" des Plans eingestuft.

Gänzlich auf die Südumgehung schwenkte die Stadt ein, als sich Martin Richard und die CDU für die Blumenrod-Variante erwärmen konnten. Damit verlor auch das Damoklesschwert eines Bürgerentscheids, angestrengt vom Sigrid Schmüser und Ellen Jones, seinen Schrecken.

Die Umfahrung um Blumenrod herum galt über Jahre als die machbare Variante. Im Dezember 2007 verließen Vertreter des damaligen Amts für Straßen- und Verkehrswesen mit dem Versprechen das Limburger Rathaus, die Variante 1 dem Bundesverkehrsministerium als die Trasse vorzuschlagen, die weiter verfolgt werden soll (so ist es auch heute noch über die Internetseite abrufbar).

Die Kehrtwende kam Ende des vergangenen Jahres, als der Lenkungsausschuss (ein nicht öffentlich tagendes Gremium aus Vertretern der Verkehrsverwaltungen in Hessen und Rheinland-Pfalz und Vertreter der beteiligten Kommunen) sich auf die Alttrasse festlegte. Zuvor waren die Kosten für die Blumenrod-Umfahrung auf über 100 Millionen Euro geklettert. jl

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