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Konditormeister: Die Zuckerbäcker vom Bischofsplatz

"Der Bischof hat uns auch viel Gutes gebracht", sagt Martin Kosmol überzeugt und berichtet von einer enormen Steigerung der Touristen, die seit der "Affäre Tebartz" Limburg besuchen.
Gudrun und Martin Kosmol mit ihren »Limburger Mutzen« und einem »künftigen« Baumkuchen.	Fotos: in Concas Bilder > Gudrun und Martin Kosmol mit ihren »Limburger Mutzen« und einem »künftigen« Baumkuchen. Fotos: in Concas
Limburg. 

„Allein die Gastronomie hat unheimlich profitiert“, sagt der 50-jährige Limburger Konditormeister Martin Kosmol, der das Café Kosmol am Bischofsplatz in der vierten Generation führt, über die Auswirkungen der Bischofs-Affäre. „Aber auch zahlreiche andere Geschäfte, natürlich besonders in der Altstadt, konnten sich über neue Kunden freuen. Und viele kommen wieder, weil ihnen die Stadt beim ersten Besuch am Bischofs-Haus so gut gefallen hat!“

Martin Kosmol muss es wissen. Seit vielen Jahren steht der Säcker – seine Mutter ist Limburgerin, sein Vater Schlesier – in der Backstube am Bischofsplatz, knetet, formt, bestreicht und bäckt. Hand in Hand mit ihm arbeitet Ehefrau Gudrun. Die gebürtige Göttingerin ist auch vom Fach: Sie hat in der Heimat Konditoreifachverkäuferin gelernt.

„Weil meine Mutter eines Tages begeistert vor einem besonders schönen Konditorei-Schaufenster stand, kam sie auf die Idee, dass ich dort eine Lehre machen könne“, schmunzelt Gudrun, die mit Mädchennamen Hampe heißt. Auch sie fand das Fenster sehr ansprechend – und wurde Lehrling bei „Kron &Lanz“.

Fünf Jahre später lernte sie dort ihren Martin kennen. Der Limburger Konditor- und Bäckermeister hatte im elterlichen Betrieb am Bischofsplatz gelernt und war nun unterwegs, um sich in anderen Konditoreien und Cafés umzuschauen, unter anderem in Siegburg, Stuttgart, Hamburg und eben in Göttingen. Hier wurden das Fräulein Hampe und der Herr Kosmol schnell ein Paar. Zwei Jahre später kam Gudrun nach Limburg und mietete sich um die Ecke beim Architekten Kaufmann ein. Es wurde geheiratet und Gudrun gehörte zum Kosmol-Team, zu dem auch Schwiegermutter Ursula und Schwiegervater Heinz Kosmol zählten.

 

Gründer Anton Noll

 

Ursula Noll stammt aus der Bäckerei. Ihr Großvater Anton Noll, ein gebürtiger Lahnsteiner, war Ende des 19. Jahrhunderts nach Limburg gekommen und hatte für eine Handvoll Goldstücke das Haus am Bischofsplatz 3 gekauft. Hier richtete er seine Backstube und das kleine Verkaufslädchen ein. Sohn Peter stieg in die väterlichen Fußstapfen, übernahm 1934 die Bäckerei und fügte ein erstes kleines Café mit neun Sitzplätzen hinzu.

Als das benachbarte Haus Nummer 5 zum Verkauf stand, übernahmen es die Nolls und freuten sich nach dem Umbau über ein stattliches Café mit stolzen 40 Sitzplätzen. Tochter Ursula und Schwiegersohn Heinz, der zunächst im Café Reichert (heute Piccolo Milano) gearbeitet hatte, modernisierten den Betrieb und eröffneten das erste Straßencafé. Erster Gast war nach einem Gottesdienst übrigens Pfarrer Lixenfeld.

Auch Gudrun und Martin haben die Bäckerei und das Café erweitert. Sie hatten Glück und konnten die beiden Nebenhäuser hinzukaufen, sodass das Café Kosmol und die Kosmolsche Wohnung in den beiden oberen Geschossen jetzt mit dem Bischofsplatz 1, 3, 5 und 7 eine kleine Häuserzeile bilden.

Riesig Platz ist hier aber nicht. Die vier denkmalgeschützten Häuser haben jede Menge Ecken, Stufen, Winkel und Schrägen, Durchgänge und Absätze. Das sieht man im Café und natürlich auch in der Wohnung. 98 Stufen müssen zurückgelegt werden, um von der Arbeit in die Wohnung zu kommen. Die Räume sind alle klein, aber gemütlich. Altstadt eben.

Für Martin war es von besonderer Bedeutung, auch die Backstube zu erweitern. Ganz früher war das Lager fast ganz im Keller untergebracht, da war das Arbeiten sehr beschwerlich.

In der Backstube kreiert der Zuckerbäcker seine Spezialitäten. Seine „Limburger Kreationen“ sind die „Limburger Mutzenblätter“, die „Limburger Altstadtratten“ (Brötchen mit Schwanz und Schnauzer, die sein Vater schon erfunden hat), seine gebackenen „Gulaschsuppentassen“ und natürlich der Baumkuchen, der zwar keine reine Limburger Spezialität ist, aber dazugehört. In der Verkaufstheke finden sich aber auch hausgemachte Pralinen, Kekse, selbst gegossene Hasen und Nikoläuse und viele Kuchen und Torten.

Kleine Anekdoten gibt es im Café übrigens immer wieder. Eines Tages waren plötzlich die Lippen einer ganzen Reihe von Fastnachts-Schokoküssen angeknabbert. Verblüfft forschten die Eheleute nach dem Grund – bis Gudrun einfiel, dass sie zwei Stunden vorher, den damals noch kleinen Sohn Felix kurz in der Backstube gebeten hatte, im Laden etwas zu holen. Der junge Mann freute sich an den Köstlichkeiten, die rings um ihn aufgebaut waren – und griff zu. Ein echter Zuckerbäckersohn!

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