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Die seltenen Vögel von Holzheim

Der alljährliche Vogelzug hat begonnen. Seit einigen Tagen sind deshalb Vogelbeobachter des NABU Rhein-Lahn zwischen Limburg und Holzheim unterwegs. Unter anderem entdeckten sie dabei den extrem seltenen Mornellregenpfeifer.
Der 17-jährige Ornithologe Johann Herzer aus Limburg beginnt jetzt ein Freiwilliges Ökologisches Jahr am Bodensee und leitet dort naturkundliche Führungen. Der 17-jährige Ornithologe Johann Herzer aus Limburg beginnt jetzt ein Freiwilliges Ökologisches Jahr am Bodensee und leitet dort naturkundliche Führungen.
Holzheim/Limburg. 

Zwischen Holzheim und Blumenrod liegt ein etwa 200 Hektar großer Teil des Natura 2000-Gebietes "Feldflur bei Limburg". Begründet ist die Ausweisung als Vogelschutzgebiet damit, dass es sich um ein bedeutendes Rast- und Überwinterungsgebiet am Westrand der hessischen Vogelzugschneise handelt. Genau diese Bedeutung konnte durch die Vogelkundler Johann Herzer aus Limburg sowie Daniel Towers und Winfried Lieber aus Heistenbach wieder einmal bestätigt werden.

Die Liste der in der vergangenen Woche nachgewiesenen Vogelarten ist lang: Rohr- und Wiesenweihen, Schwarz- und Rotmilan, Mäuse- und Wespenbussard, Turm- und Baumfalke nutzen die offenen Feldfluren für ihre Jagdflüge. Sogar ein seltener Rotfußfalke war zu entdecken. Singvögel wie Schafstelzen, Steinschmätzer, Brachpieper und Braunkehlchen schätzen diese Fläche als Rastplatz, bevor sie ihren weiteren Weg in den Süden antreten. Für die Ornithologen waren die zu den Watvögeln gehörenden Bekassine, Großer Brachvogel, Goldregenpfeifer und einige Kiebitze keine alltägliche Begegnung.

Eine Sensation

Die weitaus bedeutendste Beobachtung war jedoch die des extrem seltenen Mornellregenpfeifers. Nicht nur, dass sich verschiedene Trupps mehrere Tage im Vogelschutzgebiet aufhielten, auch die Stärke eines Trupps von 32 Individuen war eine Sensation. Der Mornellregenpfeifer ist ein fast amselgroßer Watvogel, bei dem die Geschlechter ihre vo-gelüblichen Rollen getauscht haben: Hier sind es die Weibchen, die etwas prächtiger gefärbt sind, dagegen übernehmen die Männchen das Brutgeschäft. Der Name "Mornell", ein altes Wort für "Narr", rührt daher, dass diese Vögel erstaunlich wenig Scheu zeigen und den Menschen sehr nahe kommen lassen. Nicht zuletzt das wurde ihnen zum Verhängnis: In Mitteleuropa sind Mornellregenpfeifer als Brutvögel so gut wie ausgestorben. In den Tundren Skandinaviens bis Ostsibiriens gibt es noch etwa 50 000 Brutpaare. Ihr Winterareal reicht von Marokko bis zum Iran. Somit sind für manche Individuen bis zu 10 000 Kilometer Flugstrecke zurückzulegen. Für eine erfolgreiche Reise sind gerade solche "Trittsteine" wie die "Feldflur bei Limburg" buchstäblich überlebenswichtig, unter anderem auch deshalb, weil solche traditionellen Rastplätze über Jahrzehnte hinweg immer wieder aufgesucht werden.

Wohn- und Straßenbauprojekte, Gleitschirmflieger und Naherholungsdruck gefährden die Qualität des Vogelschutzgebietes. Immer wieder konnte beobachtet werden, dass freilaufende Hunde die Zugvögel aufgescheucht haben. Die Folge ist, dass die Vögel ihre für die Langstreckenflüge notwendigen Fettreserven nicht anlegen können bzw. vorzeitig abmagern.

Vogelarten wie der Mornellregenpfeifer weichen nicht auf irgendeine andere Ackerfläche aus. Sie wählen nur solche Rastplätze, die in Landschaftsprofil, Weite und kargem Bewuchs ihren Brutgebieten ähneln. Ihre Erhaltung ist daher tatsächlich alternativlos, wenn wir die nun in den Süden abfliegenden Vögel wiedersehen wollen, so die NABU-Aktiven.

"Wenn Anfang Oktober am alljährlichen World-Birdwatch in dem Vogelschutzgebiet Zugvogelzählungen stattfinden, werden die Mornellregenpfeifer hoffentlich längst ihr Überwinterungsgebiet erreicht haben . . ." nnp

(nnp)
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