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Geschäftsaufgabe: Ehepaar Wingenroth schließt Laden in der Westerwaldstraße

Von „Tante Emma“ – das klingt nach Waschmittel, Frauenzeitschrift, Dosensuppe, Brötchen und – fast noch wichtiger – nach dem Plausch an der Ladentheke. Der von Christa und Karl Wingenroth geführte Lebensmittelladen in der Westerwaldstraße war jahrzehntelang ein fester Bestandteil der Brückenvorstadt. Ende September schließt Limburgs letzter Tante-Emma-Laden.
Viele Waren sind nicht mehr da: Christa und Karl Wingenroth geben ihren Tante-Emma-Laden in der Westerwaldstraße Ende September auf. Bilder > Foto: Anette in Concas Viele Waren sind nicht mehr da: Christa und Karl Wingenroth geben ihren Tante-Emma-Laden in der Westerwaldstraße Ende September auf.
Limburg. 

Mal eben eine Dose Hühnernudeleintopf, eine Zeitschrift, ein paar Eier oder eine Tüte Milch kaufen, das war jahrzehntelang in der Westerwaldstraße möglich, in einem kleinen Laden zwischen alter und neuer Lahnbrücke. Die Ladentür wird dort am Samstag, 30. September, um 12.30 Uhr abgeschlossen. Und zwar für immer.

Christa und Karl Wingenroth geben ihren Tante-Emma-Laden in der Brückenvorstadt auf. Beide sind 66 Jahre alt und gehen in Rente.

Damit endet eine Ära, die hier vor 51 Jahren mit der Ausbildung von Karl Wingenroth zum Kaufmann im damaligen „Spar“-Laden begann, den er 1976 im Alter von 24 Jahren übernahm. Aus dem „Spar“ wurde später „Ihre Kette“, immer von Wingenroth geführt, dessen Regale er in den vergangenen Jahren mit Waren aufgefüllt hat, die er im Großmarkt selbst einkaufte.

80 Kunden am Tag

Der Verkaufsraum ist nicht viel größer als ein Partykeller. Links steht der Verkaufstresen, rechts Warenregale, die schon so leer sind, dass der Abschied mit Händen zu greifen ist und in einen Warenkorb passt. Zwei Mal Reistopf mit Huhn, zwei Mal Nudeleintopf, zwei Packungen Kaffee, drei Packungen Tee, eine Packung Haferflocken, ein Glas Nusscreme, sechs Flaschen Bier – der karge Rest, der noch da ist, weil hier bald Schluss ist.

Nur das Zeitschriftenregal ist noch gut gefüllt mit TV-Zeitschriften jeglicher Art und solchen Druckerzeugnissen, die darüber informieren, welches Prinzenpaar demnächst Zwillinge erwartet, obwohl das betroffene Paar mit seinen angeblichen Zwillingen schon eine ganze Schule füllen könnte.

In den vergangenen Jahren machte das Ehepaar vor allem mit den Lottoeinnahmen einen Großteil seines Umsatzes. Kamen früher 200 Kunden am Tag, waren es zuletzt noch 80. Viele kaufen hier noch Sachen nach, die überraschend doch zu Hause fehlen oder beim Großeinkauf vergessen wurden. Und halten mit den Wingenroths einen kleinen Plausch. Wann lief es im Laden am besten? Das Ehepaar schaut sich an und überlegt: „In den 80er- und 90er-Jahren“, sagt er. Das schlimmste Ereignis, an das sie sich erinnern, ist ein versuchter Einbruch.

Ausspannen auf Mallorca

Lotto kann in einem Nebenraum gespielt werden. Dort trifft sich samstags nach Ladenschluss ein kleiner Fußball-Stammtisch. Denn Christa und Karl Wingenroth interessieren sich leidenschaftlich für Fußball. Er ist ein großer Fan der Eintracht, sie drückt Borussia Mönchengladbach die Daumen, was viel mit einem gewissen Jupp Heynckes zu tun hat, der, bevor er ein erfolgreicher Trainer wurde, ein mindestens ebenso erfolgreicher Stürmer der Gladbacher Fohlen war. „Einen Bayern-Fan hätte ich auch nicht geheiratet“, sagt Karl und lächelt seine Frau an. Er selbst hat Fußball gespielt: Beim VfR 19 war er rechter Verteidiger.

Die Ladentür öffnet sich, und Rolf Hoppenkamps, auch er ein Gladbach-Anhänger, kommt mit einer Krücke herein. Der 71-Jährige ist Stammkunde – er wohnt direkt gegenüber. Er braucht die Hilfe von Karl. Er soll ihn, wenn er kurz Zeit hat, mit dem Auto zu seiner Freundin fahren, um dort einen Staubsauger abzuholen. Hoppenkamps hat neue Rollläden bekommen, und jetzt ist die Wohnung durch die Handwerker-Arbeiten verstaubt; leider funktioniert sein Staubsauger nicht mehr. Klar, hat Karl Zeit. Auch das gehört (noch) zum Kunden-Service.

Im Lotto-Raum hängt eine Wand voller Postkarten, die sich im Laufe von mehr als 40 Jahren angesammelt haben – geschickt von Kunden mit Grüßen aus China, aus Los Angeles und Mallorca. Auch die Wingenroths haben sich schon mehrfach im Urlaub auf Mallorca erholt. Und wollen das auch künftig tun. „Das Wetter“, antwortet Christa Wingenroth auf die Frage, was ihr an der Insel so gut gefällt. „Hier ist es immer so feucht und kalt.“

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