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150. Todestag von Erzherzog Stephan: Ein Herz für arme Menschen

Der 150. Todestag des Erzherzogs Stephan am 19. Februar 2017 ist für den Förderverein „Heimatmuseum Esterau“ in Holzappel Anlass, mit der Herausgabe einer historischen Schrift an die besondere Bedeutung des Habsburger Fürsten in der gemeinsamen Vergangenheit der einstigen Grafschaft Holzappel und der Herrschaft Schaumburg zu erinnern.
Die Autoren Willi Bode und Willi Schmiedel mit ihren Ehefrauen Gisela Bode und Edith Schmiedel. Die Autoren Willi Bode und Willi Schmiedel mit ihren Ehefrauen Gisela Bode und Edith Schmiedel.
Holzappel. 

Einen Moment lang wirkt Willi Schmiedel ergriffen. Die Anerkennung des Landrats, „Schloss und Tag ins rechte Licht gerückt“ und Bewusstsein geschaffen zu haben für die Region der Esterau, trifft den früheren Schulleiter an seiner emotionalsten Stelle. Das Werk, in dem der Ehrenbürger zusammen mit Willi Bode die Geschichte eines Landesvaters mit sozialer Verantwortung nachzeichnet, nennt Frank Puchtler über eigene „prägende Kindheitserlebnisse“ hinaus „einen guten Leitfaden für uns alle“.

Auf den Tag genau kann Schmiedel „Heimatfreunde im ehemaligen Schaumburger Land“ zur Vorstellung einer Heimatschrift im Gemeindehaus begrüßen und die besondere Zuwendung des Standesherrn für Arme, Kranke, benachteiligte Jugendliche und notleidende Menschen betonen. Viele Regenten haben die Menschen des „Schaumburger Landes“ im Laufe der Jahrhunderte erlebt. Aus der langen Liste der Grafen und Fürsten der kleinen Herrschaft rund um das stolze Schloss hoch über der Lahn bei Balduinstein ragt aber ein Name heraus, der bis in die heutige Zeit hinein einen besonderen Klang behalten hat: Seine kaiserlich-königliche Hoheit, Erzherzog Stephan von Österreich. Sein Verständnis für die Sorgen und Nöte der „kleinen Leute“, seine durch Taten belegte soziale Einstellung, haben ihm schon zu Lebzeiten den Ruf eines Wohltäters und Vaters der Armen eingebracht. Als der populäre Standesherr am 19. Februar 1867 im Alter von nur 49 Jahren an einem unheilbaren Lungenleiden starb, hatten seine „Landeskinder“ das untrügliche Gefühl, einen guten Freund und Fürsprecher verloren zu haben.

Stephan wurde am 14. September 1817 im Palatins-Schloss in Ofen (Buda), einem Stadtteil von Budapest in Ungarn, geboren. Als Enkel Kaiser Leopolds II. und Neffe des Nachfolgers, Kaiser Franz I., genoss der hochbegabte Prinz eine vorzügliche Erziehung am Wiener Hof. Nach dem Studium der Staatswissenschaften und ausgedehnten Bildungsreisen durch die Länder der Doppelmonarchie an der Donau wurde er 1845 als 18-Jähriger zum „Zivilgouverneur“ von Böhmen berufen. Bereits zwei Jahre später, 1847, folgte Stephan seinem verstorbenen Vater in das hohe und verantwortungsvolle Amt des Statthalters von Ungarn.

Eine schicksalhafte Wende im Leben des jungen Palatins brachte das Revolutionsjahr 1848. Der stets auf Harmonie und Ausgleich bedachte Erzherzog zeigte Verständnis für die Forderungen des ungarischen Volkes nach bürgerlicher Mitbestimmung und einer Lockerung der Abhängigkeit von der rückwärtsgewandten Staatsräson des Wiener Kaiserhofes. In dem Bestreben, eine Mittlerrolle zwischen den Nationalrevolutionären in Ungarn und den „Hardlinern“ in Wien zu übernehmen, geriet er „zwischen alle Stühle“. Am 22. September 1848 verließ der Palatin heimlich die ungarische Hauptstadt und zog sich auf die von seiner Mutter Hermine ererbte Schaumburg an der Lahn zurück.

Mit der Regentschaft des hochgestellten und vermögenden Habsburger Fürsten begann für das Schloss und die Herrschaft Schaumburg eine neue Ära. Der unverheiratet gebliebene Standesherr widmete sich neben seinen Pflichten als „Landesvater“ mit leidenschaftlicher Hingabe seinen wissenschaftlichen und künstlerischen Neigungen. Überzeugende Belege seiner universalen Bildung sind die „Schaumburger Sammlungen“, darunter eine wertvolle Bibliothek und ein einzigartiges „Mineraliencabinet“.

Von besonderer Bedeutung für den zunehmenden „gesellschaftlichen Verkehr“ auf der Schaumburg war die grundlegende Renovierung der stark heruntergekommenen Schlossgebäude in den Jahren 1850 bis 1855. Dabei erhielt der bereits 1197 urkundlich erwähnte Burgsitz vor allem durch einen Erweiterungsbau im englisch-neugotischen Stil, den „Stephans-Bau“, eine zu seinem Vorteil geratene imposante äußere Gestalt. Zum umfangreichen Renovierungskonzept des Erzherzogs gehörte auch die Neugestaltung der ausgedehnten Garten- und Parkanlagen unterhalb des Schlosses.

Im Gegensatz zu seiner herausgehobenen Stellung am Wiener Kaiserhof und als Palatin von Ungarn sah sich der Standesherr in seinem begrenzten Wirkungskreis an der Lahn auf Schritt und Tritt von „einfachen Leuten“ umgeben. Von der Natur mit einem besonderen Empfinden für die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen ausgestattet, machte es sich „Seine kaiserlich-königliche Hoheit“ zur Aufgabe, die Hilfsbedürftigen in jeder nur denkbaren Weise zu unterstützen.

Der 1851 neu aufgelegte Stiftungsfonds in Höhe von 10 000 Gulden war ausschließlich dazu bestimmt, bedürftigen Mädchen und Jungen der Grafschaft Holzappel und der Herrschaft Schaumburg mit der Übernahme des „Lehrgeldes“ das Erlernen eines Handwerks und damit eine Existenzsicherung zu ermöglichen.

Ein weiterer Beweis für die fürsorgliche Einstellung des Schaumburger Regenten ist die Stephan-Peter-Stiftung aus dem Jahre1853. Die Erlöse aus dem gemeinsam mit seinem Vetter, dem Großherzog Peter von Oldenburg, bereit gestellten Anfangskapital von 20 000 Gulden dienten ganz speziell der finanziellen Unterstützung in Not geratener Bergleute der Grube Holzappel und ihrer Familien. Erzherzog Stephan starb am 19. Februar 1867 im Alter von 49 Jahren nach einem längeren Kuraufenthalt in Mentone bei Nizza an der französischen Riviera an einer Lungenkrankheit.

Das in einer Auflage von 154 Exemplaren erschienene Buch ist zum Preis von 19,50 Euro in den Buchgeschäften in Diez, im Heimatmuseum, bei Willi Schmiedel und Karl-Heinz Wenig erhältlich.

(hbw)
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