Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 12°C

Landgericht plant neun Verhandlungstage: Einbrecherbande von Ellar: Sechs Angeklagte, 69 Straftaten

Mindestens ein Jahr lang ging eine sechsköpfige Einbrecherbande von Ellar aus auf Beutezug durch den Landkreis. Sie plünderten Kitas, Schulen, Geschäfte und Wohnhäuser. Nichts war ihnen heilig. Selbst Kinder-Sparschweine schlachteten sie und sogar bei der Bewährungshilfe machten sie Beute. Doch die Polizei hat sie erwischt und nun stehen sie vor dem Limburger Landgericht.
69 Straftaten und sechs Angeklagte – auf dem Tisch des Vorsitzenden Richters Marco Schneider liegt einen dicker Aktenberg. Foto: Kerstin Kaminsky 69 Straftaten und sechs Angeklagte – auf dem Tisch des Vorsitzenden Richters Marco Schneider liegt einen dicker Aktenberg.
Limburg-Weilburg. 

Vier Männer und zwei Frauen zwischen 21 und 54 Jahren – darunter ein Ehepaar – stehen wegen bandenmäßigem Diebstahl vor dem Limburger Landgericht. In verschiedenen Zusammensetzungen sollen sie 55 Mal in Wohnhäuser, Kindergärten, Bäckereien und Geschäftsräume eingebrochen sein – sogar bei der Bewährungshilfe hofften sie auf dicke Beute.

Ausgehend von Waldbrunn-Ellar, dem gemeinsamen Wohnort von drei der Angeklagten, fanden sie zwischen Oktober 2015 und September 2016 ihre Opfer in Limburg, Elz, Diez, Hadamar, Beselich, Bad Camberg und Weilburg. Möglicherweise gehen auch frühere Einbrüche auf das Konto der Bande.

Ortskundiger Hausmeister

Tippgeber und Koordinator soll ein 32-jähriger Mann sein, der durch seine Arbeit in einem Hausmeisterservice wusste, wann welche Objekte unbeobachtet sind. Die Anklageschrift umfasst insgesamt 69 Punkte, weil teilweise beim gleichen Vorfall mehrere Straftatbestände in Betracht zu ziehen sind.

Am gestrigen Montag, dem zweiten von neun geplanten Prozesstagen, berichteten zwei der Angeklagten über Einbrüche, an denen sie selbst beteiligt waren. „Wir trafen uns zumeist im Hof oder dem Anbau des Hauses in Ellar“, sagte eine Beschuldigte. Im Erdgeschoss habe das angeklagte Ehepaar gewohnt, sie selbst und ihr Mann – der scheinbar mit den Straftaten nichts zu tun hat – lebten unter dem Dach. In der mittleren Etage wechselten die Bewohner. Dort lebten zeitweise auch zwei Männer im Alter von 21 und 23 Jahren, die in diesem Prozess ebenfalls angeklagt sind.

Wenn für den Abend ein Bruch vorgesehen war, habe der 32-jährige Hauptangeklagte erst kurz vorher die Mittäter organisiert.

Die junge Frau aus dem Dachgeschoss wusste von den kriminellen Machenschaften ihres Nachbarn. Aus Geldnot bat sie ihn eines Tages darum, mitmachen zu dürfen. Sie habe bei der Bewährungshilfe eine gut gefüllte Geldkassette gesehen und konnte auch sagen, wo bei einem früheren Arbeitgeber am Wochenende viel Geld aufbewahrt würde. Von allen Fällen, bei denen sie selbst mitgemachte hatte, sprach sie über Details, insbesondere wer alles beteiligt gewesen sei. Immer wieder fiel dabei auch der Name eines weiteren Mittäters, nach dem die Behörden bis heute suchen.

„Jeder griff nach dem, was ihm gefiel“, berichtete ein 21-jähriger Angeklagter, bezogen auf technisches Gerät. „Und das konnte man dann auch behalten.“ Bargeld sei geteilt worden und zumeist auch die Erlöse nach dem Verkauf von erbeutetem Schmuck.

Auto in Brand gesteckt

Wohl aus Frust, weil in diesem Fall nicht viel zu holen war, klauten die Täter in Staffel einen Autoschlüssel, fuhren den dazugehörigen am Haus geparkten Pkw in ein nahes Waldstück und zündeten ihn an. Ebenfalls Wut mag zur Vernichtung von Dokumenten aus einem Safe geführt haben, in dem zwar außer Papieren noch einige Schlüssel, jedoch überhaupt kein Geld gefunden wurde.

Der älteste Angeklagte (54) behauptet, an keinem der Einbrüche selbst beteiligt gewesen zu sein. Bei ihm sei zwar einiges an elektronischem Gerät beschlagnahmt worden, aber das meiste davon gehöre den in seinem Haushalt lebenden Kindern. Aus „Menschlichkeit“ habe er einen wohnungslosen früheren Schulkameraden für ein paar Monate mietfrei bei sich aufgenommen. Dieser Bekannte habe ihm zwei Uhren geschenkt, die später den Einbrüchen zugeordnet wurden. Doch sei der Angeklagte davon ausgegangen, dass diese nicht besonders teuren Uhren aus Zeiten stammten, in denen es dem Bekannten noch besser ging. Ein Notebook aus der Beute habe er dem Hauptangeklagten abgekauft und eine hochwertige Uhr gegen eigene Uhren getauscht. Über die Herkunft dieser Dinge habe er sich wenig Gedanken gemacht. Ein Urteil im Prozess wird erst im Mai erwartet. kka

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse