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Einziger Kanzler, der sich im Goldenen Buch verewigte: Erinnerungen an Schmidt

Von Der im Alter von 96 Jahren verstorbene Helmut Schmidt ist der einzige Bundeskanzler, der sich im Goldenen Buch der Stadt Limburg eingetragen hat. Im September 1978 besuchte er als Bundeskanzler und Wahlkämpfer Limburg.
Bundeskanzler Helmut Schmidt lässt sich bei seinem Besuch von Dr. Ernst Schirmacher die Ziele und die Vorgehensweise der Altstadtsanierung erläutern. Links Bürgermeister Josef Kohlmaier, verdeckt dahinter Hessens Finanzminister Heribert Reitz und Landrat Georg Wuermeling. Bilder > Bundeskanzler Helmut Schmidt lässt sich bei seinem Besuch von Dr. Ernst Schirmacher die Ziele und die Vorgehensweise der Altstadtsanierung erläutern. Links Bürgermeister Josef Kohlmaier, verdeckt dahinter Hessens Finanzminister Heribert Reitz und Landrat Georg Wuermeling.
Limburg. 

„Das war umwerfend“, erinnert sich Kurt Leuninger an seine Begegnung mit Helmut Schmidt. Es war am 8. September 1978, als der damalige Bundeskanzler die Domstadt besuchte. Die vorbildlich begonnene Sanierung der Altstadt wollte er sich anschauen. Mit dem Hubschrauber landete er auf dem Sportplatz in Staffel. Kurt Leuninger als Vorsitzender der SPD im Landkreis Limburg-Weilburg bildete zusammen mit dem hessischen Finanzminister Heribert Reitz aus Offheim das Empfangskomitee.

Am Abend stand in der Markthalle eine große Wahlkampfveranstaltung auf dem Programm. „Helmut Schmidt hat mich von der Seite ganz komisch angeschaut, weil ich ihn mit so viel Begeisterung und Leidenschaft angekündigt habe“, erzählt der 83 Jahre alte Löhnberger. Schmidt hat ihn begeistert, keine Frage. Und Leuninger ist stolz darauf, neben Schmidt auch Willy Brandt (Auftritt im Limburger Georgshof, wozu ihn Leuninger in Bad Camberg mit dem Auto abholte) und Herbert Wehner (in Weilburg) persönlich kennengelernt zu haben. „Das waren alles Leute, mit denen konntest du ganz normal reden“, sagt Leuninger.

Info: Klare Haltung und konkrete Zielvorstellungen

Als Helmut Schmidt 1982 als Bundeskanzler von Helmut Kohl abgelöst wurde, war der heutige Vorsitzende der SPD im Landkreis Limburg-Weilburg und Landtagsabgeordnete Tobias Eckert zwei Jahre alt.

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26 Jahre alt war Bürgermeister Martin Richard, als Schmidt die Stadt besuchte. „Ich hatte als Diplom-Ingenieur gerade im Bereich der Stadtsanierung angefangen“, erinnert er sich. Er spricht von einem „sehr beeindruckenden Auftritt“ im Rathaus durch den Bundeskanzler, von einer Runde durch die Altstadt und eine Domführung, die Dompfarrer Norbert Lixenfeld übernommen hatte. Und er erinnert sich auch noch daran, dass Bürgermeister Josef Kohlmaier Rollrasen entlang des Weges ausbreiten ließ, damit die Augen des hohen Gastes nicht auf die Reste eines gerade abgerissenen Hauses fielen.

Der einzige Raucher

Auch Helmut Kohl war als Bundeskanzler in der Stadt – allerdings nur zum Wahlkampf und nach seiner Kanzlerschaft war er sogar im Rathaus, auch Angela Merkel war schon einmal in Limburg, am 22. März 2006. Aber zu einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt reichte es nicht. Der ist, so Martin Richard, nur im Zusammenhang mit einem Empfang der Stadt möglich. Und den gab es bisher nur für Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Auf dem Weg durch die Altstadt erläuterte unter anderem Dr. Ernst Schirmacher (die spätere Dr. Hildegard Schirmacher), wie die behutsame Sanierung umgesetzt werden soll. Dabei drückte der Bundeskanzler mehrfach seine Bewunderung für die schöne Altstadt aus: „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen dieser Stadt in Harmonie mit ihrer Geschichte leben.“

Schmidt war auch kurz zu Gast in der alten Scholasterei am Domplatz 5, die die Familie Schirmacher nach der Sanierung selbst bewohnte. „Helmut Schmidt war der einzige, der im Haus meiner Eltern geraucht hat“, erzählt Mathias Schirmacher. Der Sohn der Familie bekam den Besuch des Kanzlers allerdings nicht live mit, sondern wurde von seinem Vater später darüber informiert. Und natürlich hat sich der Kanzler auch in das Gästebuch der Familie eingetragen.

Einen Abstecher machte der Bundeskanzler auch in die Bäckerei Hensler. Dort überreichte Bäckermeister Friedel Hensler dem Kanzler ein Mädchen aus Brotteig. Schmidt fragte grinsend, ob es das nächste Mal nicht eines aus Fleisch sein könne.

Egal, was der Kanzler auch sagte oder tat, die Aufmerksamkeit war groß. Viele Bürger säumten den Weg ins Rathaus, wo der Empfang der Stadt stattfand und er sich ins Goldene Buch eintrug. Eifrig begleitet wurde auch sein Rundgang durch die Altstadt. Und am Abend sollen mehr als 5000 Besucher seinen Auftritt in der Markthalle besucht haben.

Erster Besuch

Es war nicht der erste Aufenthalt von Helmut Schmidt in Limburg. Als er als Kanzler der Stadt einen Besuch abstattete, erzählte er von seinem ersten Besuch. Im Alter von 14 Jahren nahm er an einer Radwanderung von Hamburg in den Rheingau teil. Dabei kam er auch durch Limburg und besichtigte bei der Gelegenheit den Dom.

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