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Für die Alttrasse

CDU und SPD haben mit ihrer Mehrheit die Linie für die Entscheidung der Stadtverordneten am 17. Dezember vorgegeben: Die Planungen für die Südumgehung sollen auf der Alttrasse fortgesetzt werden. Bürger gegen die Alttrasse machten mit ihren Schildern während der Abstimmungen im Ausschuss deutlich, was sie von der Umgehung halten.	Foto: Laubach Bürger gegen die Alttrasse machten mit ihren Schildern während der Abstimmungen im Ausschuss deutlich, was sie von der Umgehung halten. Foto: Laubach

Limburg. 

"Seit über 30 Jahren reden wir darüber, jetzt gibt es endlich eine klare Entscheidung", sagte Paul-Josef Hagen nach der Abstimmung. Der Vertreter der SPD hat alle Diskussionen um eine Umgehung in dieser Zeit miterlebt und damit auch, wie klare Entscheidungen immer wieder vertagt wurden. Das ist nun anders.

Die Schilder, mit denen die Bürger gegen die Südtangente/Alttrasse ihre Ablehnung deutlich machten, waren im Bürgerhaus in Eschhofen nicht zu übersehen, ebensowenig die Bekundungen der übrigen Besucher – dazu zählten auch Vertreter des Vereins "Keine Südumgehung" und der Initiative Weststadt (Diezer Straße). Die Mehrheit im Publikum war gegen die Alttrasse. Und Stefan Vogt als Sprecher der "Bürger gegen die Südtangente" machte deutlich: "Wir werden die Straße bekämpfen, das ist sicher."

Mit der Entscheidung von CDU und SPD wird der Magistrat aufgefordert, alle Schritte in die Wege zu leiten, damit die Vorzugsvariante 2.1 in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werden kann. Damit soll sichergestellt werden, so CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Köberle, dass sich die Stadt die Chance auf eine Umgehung erhält. Eine Absage an die Variante auf der Alttrasse wäre gleichbedeutend mit einem kompletten Aus.

Rückzugsmöglichkeit

Allerdings halten sich die beiden Fraktionen die Möglichkeit offen, die Südumgehung zu einem späteren Zeitpunkt infrage zu stellen. Das hänge von den weiteren Planungsergebnissen ab.

Für Peter Rompf, Fraktionsvorsitzender der SPD, ist die Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung mit dem dort zu treffenden Votum keineswegs eine endgültige Entscheidung über die Südumgehung. Es werde der Korridor festgelegt, auf dem die Planungen weitergehen.

Rompf ist optimistisch, dass es gelingt, weitere Verbesserungen zu erreichen, sollte die Umgehung jemals gebaut werden. Für die SPD bedeutet dies einen längeren Tunnel zwischen Holzheimer und Wiesbadener Straße sowie die Anbindung der Frankfurter Straße an die Innenstadt (was in den Plänen für die Variante 2.1 nicht vorgesehen ist). Und für Rompf ist der mit der Umgehung verbundene "Monsterkreisel" mit 48 000 Fahrzeugen in der Wiesbadener Straße keineswegs "gesetzt".

Als "Wackelpudding" bezeichnete Werner Laux, FWG-Fraktionsvorsitzender und ehemals Anhänger einer Variante auf der Alttrasse, den Vorschlag von CDU und SPD. Das klare Bekenntnis zu einer Planung auf der Alttrasse werde wenige Sätze später wieder aufgehoben. "Da spielt der Bund nicht mit", prophezeite Laux.

Er zeigte sich erschrocken über das, was nun auf der Alttrasse geplant werde. Als Katastrophe bezeichnete er das Abhängen der Frankfurter Straße und die Zerstörung des Eduard-Horn-Parks während der Bauphase.

Laux beantragte, die Umfahrung um Blumenrod noch einmal durchzurechnen, wenn die Trasse nicht mit einem Trog im Grundwasser verläuft, sondern deutlich angehoben wird. Das würde die Kosten erheblich minimieren. Laux war allerdings der Einzige, der diesem Antrag zustimmte.

Marion Schardt von der FDP ging es mit ihrem Ansinnen, die ortsferne Trasse (Variante 3 mit einer Umfahrung von Linter) prüfen zu lassen, nicht besser. Die Umgehung auf der Alttrasse ist für sie nicht nur eine städtebauliche Sünde, sondern zudem noch eine Straße mit zu wenig Entlastung. "Eine Umgehung muss für die Bürger etwas bringen", forderte sie. Die Alttrasse komme einem Placeboeffekt für die Bürger gleich. Die von der FDP favorisierte Variante 3 sei zu keiner Zeit einer realistischen Prüfung unterzogen worden. Das mache das komplette Verfahren angreifbar.

Klare Absagen

"Wir waren stets gegen beide Varianten", machte Leo Vanecek von den Grünen deutlich. Eine Straße, die ein Wohngebiet durchschneidet, werde von den Anwohnern nicht akzeptiert. Zudem rechtfertige die geringe Verkehrsentlastung weder die Investition noch die damit verbundene Umweltzerstörung. Lösungen abseits der Umgehung seien weder von Bürgermeister Martin Richard (CDU) noch von der langjährigen Mehrheit aus CDU und FWG gesucht worden. Alle Vorschläge der Grünen zum peripheren Parken, zu Verbesserungen in der Innenstadt seien abgelehnt worden. Die Politik habe sich lange dadurch ausgezeichnet, neuen Verkehr in die Stadt zu holen, so Vanecek.

"Die kommt sowieso nicht", warf Sigrid Schmüser von der BZL mehrmals in die Runde. Dennoch nutzte sie die Gelegenheit, wortreich gegen die Alttrasse zu streiten. Nach ihrer Einschätzung reichen die kalkulierten Kosten für die Trasse in Höhe von rund 70 Millionen Euro nicht aus. Für den Erwerb von bebauten und unbebauten Grundstücken sei viel zu wenig Geld eingeplant worden, auch für die Entschädigung der Hausbesitzer. Würden diese Kosten mit einer realistischen Größenordnung berücksichtigt, käme die Umgehung auf der Alttrasse auf über 100 Millionen Euro – und wäre damit genauso teuer wie eine Umfahrung von Blumenrod. jl

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