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Taunusschule: Fulminanter Auftakt der Bad Camberger Theatertage

Von Die Zuschauer erwarten Sozialkritik und bekommen etwas ganz anderes: Spritzig, witzig, voller eigener Ideen der Schüler – das ist „Familien im Brennpunkt“ oder Romeo und Julia wie noch nie zuvor gesehen. Ein fulminanter Auftakt der Bad Camberger Theatertage in der Taunusschule.
Spurensuche am Tatort. Romeo (links) macht sich gleich aus dem Staub. Bilder > Spurensuche am Tatort. Romeo (links) macht sich gleich aus dem Staub.
Bad Camberg. 

Sie kommt auf die Bühne, zögernd, scheue Körpersprache, zitiert Shakespeare, wird ausgelacht und verlässt schreiend das Feld. „Ich bin so naiv!“, ruft Lea Becker noch. Dann übernimmt das gesamte Ensemble, und der gespielte Auftakt einer missglückten Theaterpremiere leitet ein in etwas ganz, ganz anderes.

Der Grundkurs Darstellendes Spiel Q 2 hatte sich „Romeo und Julia“ vorgenommen. Viele Versionen gibt es, immer wieder geht es um die Liebe zweier Menschen aus verfeindeten Familien. So auch hier. Doch das, was sich die Schüler gemeinsam ausgedacht haben, ist ein kleines bisschen mehr. Der Witz, der entsteht, wenn die Handlung modernisiert, transferiert, in den Alltag des Handy-Zeitalters gebracht wird, lässt vielfach lachen. Doch manchmal bleibt das auch im Halse stecken. Selbst den Schluss haben die Schüler umgeschrieben. Es gibt ein wahnsinniges Happy-End mit mehr als einem glücklichen Liebespaar – oder dann doch lieber die andere Variante? Die Zuschauer dürfen mitmachen, „Schluss 1“ oder „Schluss 2“ aus dem Hut ziehen. Sie ziehen und erleben die glückliche Version, doch die Frau in der Zwangsjacke, am Ende auf der Bühne, lässt das zuckersüße Finale anders enden: „Ich hasse Kitsch!“ Schon denkt jeder wieder an Shakespare. Sie kündigt „Version 1“ an, dann ist Schluss.

Bilderstrecke Das sind die Theatertage in Bad Camberg
1000 Zuschauer haben sie gesehen: Vier Theaterstücke an neun Tagen boten die Aktiven beim ersten Theaterfestival dieser Art in der Bad Camberger Taunusschule. Theaterlehrer Andreas Müller und seine Kollegen zeigten erfreut über die Resonanz – und die Nachwirkung. Die Schüler haben Gemeinschaften entwickelt, sich gegenseitig unterstützt und gehen jetzt voller Energie in die Ferien. Abschluss der Theatertage der Bad Camberger Taunusschule: "Roter Ritter Parzival".Abschluss der Theatertage der Bad Camberger Taunusschule: "Roter Ritter Parzival"Abschluss der Theatertage der Bad Camberger Taunusschule: "Roter Ritter Parzival"

Viele begeisterte Schüler verließen am Donnerstagmorgen die gelungene Aufführung unter Leitung von Theaterlehrer Andreas Müller. Diese beiden Bühnenfamilien Montague und Capulet stecken voller Klischees. Montague: italienische Mafia, Capulet: türkische Großfamilie. Beide sind Konkurrenten. Dönerbude und geheimes Pizza-Rezept, alles im großen Stil. Der Mafia-Anteil: „Don“ Montague, gespielt von Joshua Hartmann, hat schon Mühe, seine eigene Hand in Zaum zu halten. Böser Tremulus! Dann erst seine Frau: Sarah Lmadaghri spielt die „Donna“, die die Hosen anhat, mal kurz Star-Wars-Effekte nutzt, um ihren Mann aus der Ferne zu würgen, und diejenige ist, die nach der Beleidigung ihrer Familie durch die Capulets das Ausufern des Zwists in Gang setzt.

Ohne Ironie geht’s nicht

So fängt alles an: Romeo war mit seinen Freunden bei der Party der Capulets – und rausgeflogen. Deshalb muss ein Dönerladen in die Luft fliegen. Das ist Rache. Nur leider war’s der Falsche. Das ist Dummheit. Oder Schicksal? Beide Familien stehen sich gegenüber im unversöhnlichen Kampf, dazwischen säubern Spurenermittler den Tatort, Romeo und Julia lernen sich kennen, lieben, müssen bangen und dürfen am Schluss hoffen. Das Stück zeigt mehr als das Offensichtliche. Doch das funktioniert nur mit Ironie. Das Ensemble auf der Bühne zieht mitten hinein in Klischees. Da ist die wunderschöne Zeinab, überspitzt-naiv umgesetzt von Najla Brand, die „Mama“ Mareana Farouh zur Verzweiflung bringt. Oder das Duo Mercutio-Benvolino: Benjamin Doll und Erik Freihube laufen zur Höchstform auf, wenn sie die Waffen säubern. Romeo und Julia: Eileen Reuscher und Henrik Klamp spielen zwei Jugendliche, die anders sind. Anders als ihre Familien, was herrlich schräg herüberkommt beim ersten Kennenlernen. Was sind Deine Hobbys? „Bücher lesen“, antwortet sie. „Mathe und Kopfrechnen“, sagt er. Guter Einstieg für ein erstes Date? Es klappt trotzdem, denn genauso wollen es die Schüler. Ein ganz Großer bleibt übrigens außen vor: Horst. Der sitzt im Gefängnis, wird zum Faustpfand und ist ein besonderes Mitglied der Familie. Doch wer da mehr wissen will, sollte sich das Stück anschauen!

 

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