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Feuerwehrleute halten: Geburt am Straßenrand zwischen Beuerbach und Bad Camberg

Von Marina Nichols ist ein Glückskind, und ihr kleiner Sohn auch. Joshua ist am Straßenrand zur Welt gekommen – gesund und glücklich. „Ist das alles gerade wirklich passiert?“ Das schoss den beiden Feuerwehrleuten anschließend durch den Kopf, die bei der Geburt geholfen haben.
Das Ehepaar Marina Nichols und Joris Koch (rechts) freut sich, dass es Joshua so gut geht. Feuerwehrmann Daniel Wagner (links) stand dem Ehepaar gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Spang (nicht im Bild) bei der Geburt am Straßenrand zur Seite. Foto: Petra Hackert Das Ehepaar Marina Nichols und Joris Koch (rechts) freut sich, dass es Joshua so gut geht. Feuerwehrmann Daniel Wagner (links) stand dem Ehepaar gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Spang (nicht im Bild) bei der Geburt am Straßenrand zur Seite.
Beuerbach/Dauborn. 

Erzählen wir von vorn: Die hochschwangere Beuerbacherin hatte gerade in Villmar ihr Abschlusszeugnis als Erzieherin entgegengenommen, sogar die Abschlussrede gehalten. Dann machte sie sich auf den Weg zum Buffet. „Ich habe zwei Gabeln voll gegessen, dann kamen die Wehen“, erinnert sie sich. Ihr Mann Joris Koch packte sie ins Auto, wollte das letzte Stück über die A 3 zum Geburtshaus nach Idstein fahren, „damit es auf dem Weg nicht so ruckelt“. – „Ich bekomme mein Kind doch nicht auf der Autobahn“, sagte sie noch und setze sich durch: Die Bundesstraße sollte es sein. Nicht der geplante Geburtsort, sondern der Weg, dachte sie eigentlich.

Nur hier war tatsächlich der Weg das Ziel. Zwischen Beuerbach und Bad Camberg sagte sie zu ihrem Mann: „Wir müssen raus.“ Am Straßenschild zur Idsteiner Kläranlage standen beide schließlich am Auto, sie mit den Händen aufgestützt, ging in die Hocke. Das sahen die beiden Feuerwehrleute, die zufällig mit dem Fahrrad vorbeikamen.

Die Vorderseite der Geburtsanzeige-Karte weist darauf hin: Diese Geburt war spektakulär. Bild-Zoom Foto: Petra Hackert
Die Vorderseite der Geburtsanzeige-Karte weist darauf hin: Diese Geburt war spektakulär.

Daniel Wagner und Christoph Spang reagierten sofort. „Sollen wir einen Krankenwagen rufen?“, fragten sie noch. Das Ehepaar verneinte. „Das war meine zweite Sturzgeburt. Deshalb waren wir ganz ruhig“, meint Marina Nichols. Es ist ihr drittes Kind, und ein weiteres war ebenfalls schon schneller als die Hebamme gekommen: „Das habe ich zu Hause am Küchentisch geboren“, berichtet die 39-Jährige. Jetzt war es noch spektakulärer.

Die beiden Feuerwehrleute holten den Erste-Hilfe-Kasten aus dem Auto. „Wie gut, ich habe gerade erst meinen Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt“, sagte der eine. Beide zogen sich die hygienischen Handschuhe über, da war es auch schon passiert: Der kleine Erdenbürger erblickte das Licht der Welt und landete in den Händen seines Vaters Joris Koch. „Wir sind dann gleich weiter ins Geburtshaus“, erinnert sich Marina Nichols. „Da haben dann fünf Hebammen auf uns gewartet.“ So viele? Ja, denn gerade war eine Schulung zu Ende gegangen.

Genauso war’s

Die junge Mutter wurde nachversorgt. Es hat alles geklappt. Das war am 14. Juni. Ein Tag, den alle Beteiligten so schnell nicht vergessen werden. Jetzt traf sich das Ehepaar noch einmal mit Daniel Wagner. Sie hatten ihn über Facebook ausfindig gemacht. „Unsere Frauen daheim hatten erst gar nicht geglaubt, dass das alles wirklich passiert ist. ,Ihr habt doch einen gezwitschert‘, sagten sie uns“, berichtet der Feuerwehrmann. Es hatte auch bei ihm etwas gedauert, bis er realisierte, was an diesem Tag wirklich geschehen war. Spätestens jetzt, wenn man den kleinen Joshua glücklich in den Armen seiner Eltern sieht, ist klar: Ja, es ist alles tatsächlich genau so passiert.

„Ihr habt uns viel Ruhe und Sicherheit geben“, sagt die junge Mutter jetzt. „Wäre nicht alles so glatt gelaufen, wir hätten Euch gebraucht.“ Da sie über die sozialen Medien nach den beiden Feuerwehrleuten gesucht hatten, zog die Geschichte natürlich Kreise. Vorschläge für Namen, wie der Kleine heißen sollte, wurden ebenfalls gemacht. Daniel Christoph, Christoph Daniel vielleicht? „Das ist alles schon passiert“, sagt Marina Nichols wieder. Ihr Kind heißt Joshua. „Wir haben es selbst eintragen lassen und wurden gleich gefragt: ,Sie sind aber nicht die, die ihr Kind an der Kläranlage bekommen hat?‘“ Doch, ist sie. Und dass das Kind, wäre es ein Mädchen geworden, „Claire“ heißen sollte, war noch ein weiterer Tipp über die sozialen Medien. Das nun doch nicht. Aber sie haben Karten gedruckt mit dem Straßenschild auf der Rückseite. Vorne stehen Bilder des neuen Erdenbürgers samt Familie mit dem Spruch: „Wie die Frauen früher auf dem Feld geboren, so entbanden wir Joshua Leven Ethan. Joris, Marina, Lukas, Felix und Niklas freuen sich“. Nicht nur sie.

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