Hartes, trotzdem glückliches Leben

"Wir haben auf vieles verzichten müssen, weil das Geld immer sehr knapp war. Als die entbehrungsreiche Zeit vorüber schien und wir etwas vom Leben hätten haben können, ist mein Mann gestorben.
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Hünfelden-Mensfelden. 

"Wir haben auf vieles verzichten müssen, weil das Geld immer sehr knapp war. Als die entbehrungsreiche Zeit vorüber schien und wir etwas vom Leben hätten haben können, ist mein Mann gestorben. Trotzdem war ich zeit meines Lebens zufrieden und würde heute nichts anders machen." Gertrud Weigelt feiert am Sonntag ihren 90. Geburtstag im Kreise ihrer Familie. Fünf Kinder, deren Partner und acht Enkelkinder werden zu ihren ersten Gratulanten gehören. Wer ihr aus dem Ort gratulieren möchte, ist ab 10 Uhr gerngesehener Gast.

Gertrud Weigelt ist ein Flachter Mädchen. Nach der Volksschule und einem Landjahr wollte sie Kindergärtnerin werden, absolvierte zwei Lehrjahre, konnte aber das abschließende Schuljahr nicht antreten, weil das "Lehrgeld", Unterhalt und Logis nicht aufgebracht werden konnten. Sie bekam eine Anstellung in der Küche der Bezirks-Seesportschule in Gießen, wo sie das Essen für jugendliche Marine-Bewerber zubereitete.

1946 kam sie nach Flacht zurück, ging sonntags des Öfteren mit den Kindern des Bruders "zu den Schäfchen", die draußen auf den Wiesen um Flacht geweidet wurden. Sie wechselte ein paar Worte mit dem Schäfer und da hatte es auch schon bei beiden "geblitzt". Ein halbes Jahr später wurden Gertrud und Ludwig von Pfarrer Adolf Ferger in der Flachter Kirche getraut. In der Bahnhofstraße kam das junge Paar zunächst unter, verzog später in die Hohlbachstraße. Hier wurden die drei ersten Kinder Gisela, Gerhard und Werner geboren. Im November 1963 siedelte die Familie dann in die "Schlampesgass’" (Schlimmstraße) nach Mensfelden um, weil Ludwig dort die Gemeindeschäferei übernommen hatte. In Mensfelden kamen weitere drei Kinder zur Welt, nämlich Monika, Ulrich und Birgit. Als das mit der Schäferei zu Ende ging, arbeitete Ludwig bis zum Eintritt ins Rentenalter bei der Baufirma Johann Stamm in Lindenholzhausen. Im Januar 2002 verstarb er.

Gertrud war zeit ihres gemeinsamen Lebens mit dem Beruf ihres Mannes verwachsen. Sie konnte die Schafe scheren und mit dem Spinnrad umgehen, eine Voraussetzung für ihre frühere Tätigkeit am Abend, wenn die Kinder schliefen. Dann nämlich strickte sie lange Strümpfe, Socken, Handschuhe, Pullover und die Strickjacken für ihren Schäfer. Den Nutzgarten bestellten und pflegten sie gemeinsam und waren nur ein einziges Mal in Urlaub.

Ihr Wunsch zum 90. Geburtstag formuliert sie so: "Wenn ich jeden Morgen aufstehen und mich noch selbst versorgen kann, dann bin ich’s zufrieden."wu

(Bernhard Trost)
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