E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Im Kampf gegen Schlammlawinen

Betreiber des "Gladbacherhofes", Vertreter des Marktfleckens Villmar und Landkreises Limburg-Weilburg wollen alles tun, um künftige Schlammlawinen bei Unwettern in Richtung Aumenauer Ortsbebauung zu verhindern. Das versicherten deren Vertreter bei einem Ortstermin an der Kreisstraße nach Münster den Geschädigten.
Bürgermeister Hermann Hepp (rechts) und der Erste Beigeordnete Arnold-Richard Lenz (3. von links) diskutierten bei einem Ortstermin mit Geschädigten über das weitere Vorgehen.	Foto: Klöppel Bürgermeister Hermann Hepp (rechts) und der Erste Beigeordnete Arnold-Richard Lenz (3. von links) diskutierten bei einem Ortstermin mit Geschädigten über das weitere Vorgehen. Foto: Klöppel
Villmar-Aumenau. 

Ob die Geschädigten überhaupt trotz Schäden in fünfstelliger Höhe einen Cent Schadensersatz bekommen und von wem, ist allerdings noch völlig offen. Denn Betriebsleiter Andreas Schmid-Eisert vom landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb "Gladbacherhof" der Universität Gießen bleibt bei seiner Meinung, dass die landwirtschaftliche Nutzung seiner Felder die beiden Zwischenfälle nicht ausgelöst hat. Einer der Geschädigten, Andreas Städtgen, Besitzer des Aumenauer Bahnhofsgebäudes, bezifferte seine Chancen, doch noch einen Schadensersatz vor Gericht zu erstreiten, auf "50 : 50". Es gebe durchaus Rechtsfälle, wo zugunsten der Geschädigten entschieden worden sei, erklärte er.

Bürgermeister Hermann Hepp (CDU) stellte klar, dass die Gemeinde die Geschädigten keinesfalls im Regen stehen lasse. So seien diesen bei dem Unglück sofort die Feuerwehr und der Bauhof zu Hilfe geschickt worden. Regen verhindern könne aber auch die Gemeinde nicht, meinte der Verwaltungschef. Aus juristischen Streiten müsse sie sich heraushalten, stellte Hepp klar. Froh ist er, dass der "Gladbacherhof" bereit ist, Versuche zu starten, die Lösungen ergeben sollen, wie ähnliche Vorfälle in der Zukunft zu verhindern seien. Von diesen Erkenntnissen könnten letztlich alle Landwirte der Region profitieren. Denn mit dem "Gladbacherhof" als Leitbetrieb wolle Villmar zusammen mit den Nachbarkommunen Weilmünster und Weinbach künftig eine Fachberatung zum Thema Erosionsverhütung anbieten. Der Verwaltungschef machte aber auch deutlich, dass dies guter Wille des "Gladbacherhofes" sei und keineswegs für den konkreten Fall ein Schuldeingeständnis.

Schmid-Eisert sagte deutlich: "Wir betreiben eine ordnungsgemäße Landwirtschaft, verstoßen gegen keinerlei Bestimmungen". Bernward Jung, Fachsbereichsleiter Landwirtschaft beim Kreis, will überprüfen lassen, ob die Abflussgräben an der Kreisstraße von Aumenau Richtung Münster ausreichend dimensioniert sind. Schmid-Eisert denkt aber, dass hier kein menschliches Versagen vorliegt, sondern dass es durch den Klimawandel seit dem Jahre 2000 in Deutschland einfach immer öfter zu Starkregenfällen konzentriert auf eine Stelle komme, die es früher nicht gegeben habe. Dagegen sei man als Landbesitzer völlig machtlos, weil es sich um eine höhere Gewalt handele, betonte der Betriebsleiter.

Gerüchte im Dorf, die Unglücksfälle könnten durch Bodenveränderungen aufgrund exzessiven Maisanbaus in dem Betrieb entstanden sein, wies Schmid-Eisert weit von sich. Mais mache nur ein Achtel der Fruchtfolge auf den Feldern des Hofes aus, und bei seinem ökologischen Landbau seien die Böden zudem noch besonders humusreich und folglich normalerweise eher Wasser zurückhaltend als andere. Dennoch soll getestet werden, ob durch den Einbau anderer Pflanzen als Sicherung der Boden auch bei Starkregen stabiler gehalten werden kann. Letztlich sei der "Gladbacherhof" selbst ein Geschädigter, weil ihm durch den Starkregen wertvoller Boden weggeschwemmt worden sei, so der Betriebsleiter. Er habe Schäden an etlichen Stellen des Hofes festgestellt. Der bei einer vergleichsweise geringen Niederschlagsmenge entstandene große Schaden zeige, wie schlimm dieses Ereignis wirklich gewesen sei. Beispielsweise habe der Gladbach vorübergehend einen Wasserstand erreicht, wie noch nie zuvor.

"Die 80 Jahre davor gab es so was nie bei uns", meinte Hermann Hepp: "Jetzt müssen wir einfach zusehen, dass so etwas nicht wieder passiert."rok

(Robin Klöppel)
Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen