Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 9°C

Im tiefen Keller . . .

Viele Interessierte folgten der Einladung zur Kellerführung unter dem Amthof. Ingenieur Falco Ahrendt-Flemming erklärte in seinem Vortrag im Kurhaus später den Kellerkataster in der Kurstadt.
Bad Camberg. 

„Ganz schön warm hier unten“, meinen zwei junge Führungsteilnehmer, als Doris Ammelung, Vorsitzende des Vereins Historisches Camberg, die Pforte zu einem der beiden Kellergewölbe unterhalb des Camberger Amthofs aufschließt. Steile, unregelmäßige Treppen führen die rund 40 Teilnehmer unter die Erde. Die Luft riecht muffig, leicht nach Lehm und vom halbrunden Tonnengewölbe hängen lose Spinnenfäden herab. Der Boden ist gestampft und vereinzelt mit Schieferplatten ausgelegt. Zwei durch ein hölzernes Portal getrennte Lagerräume versprühen den Charme einer längst vergangenen Epoche.

„Hier an der Wand erkennen Sie zwei Lichtnischen“, erklärt Ingenieur Falko Ahrendt-Flemming und zeigt auf zwei quadratische Rücksprünge am vorderen Ende des Kellerraums. Dort hätten die Stallarbeiter im 16. Jahrhundert ihre Kerzen zum Leuchten reingestellt. Neugierig schauen die Besucher in den Nebenraum. Eine kleine Treppe führt ins Nirgendwo.

Obwohl im zweiten Keller unterhalb der Ratshalle ein weniger authentischer Betonboden eingelassen ist, wirkt das Gewölbe umso stärker: „Der Mörtel ist hier durch die Nitrate wesentlich spröder, besonders wegen des Salpeters. Kommt man mit einer Wunde am Finger an die Kiesel, dann brennt es“, erklärt der Ingenieur aus Steinfischbach. „Es gab bis in die 1990er Jahre sogar einen dritten Keller dieser Art unterhalb des Amthofs, der allerdings durch den Neubau des Amthofcafés zugeschüttet wurde“, berichtet Doris Ammelung während der Führung.

Kellerkataster

Auch der nachfolgende Vortrag „Historische Kelleranlagen als Quelle der Stadtgeschichtsforschung“ von Ahrendt-Flemming im kleinen Saal des Camberger Kurhauses ist gut besucht. Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Labor für Bauforschung an der Hochschule Rhein-Main erklärt, dass Kellerbauten deshalb so interessant für Ingenieure und Historiker seien, weil das Haus darüber öfters abgetragen wurde, als der Keller darunter. Der Kellerbau im Mittelalter war sehr aufwendig und dauerte sehr lange. Bei einem späteren Neubau des Hauses wurde der Keller meistens wiederverwendet oder entsprechend ausgebaut. Auffällig sei auch, so der Fachmann, dass alte Keller aus früherer Zeit oft tiefer lägen als heute, ihre Belüftung schmaler und enger sei und beim Bau der Portale meistens sechs große Steine verbaut wurden.

Auch das aktuelle Forschungsvorhaben von Ahrendt-Flemming dauere an, da Gelder und interessierte Studierende stets Mangelware seien, so der Ingenieur. Die Bauaufnahme und ihre Dokumentation erfolge meistens durch die Tachymetrie, bei der die Kellerräume mit Laser abgetastet und die Raumgeometrie später im Computer ausgelesen werden könne.

Die Bauaufnahme des Camberger Marktplatzes sei fast abgeschlossen. Nun möchte man neue „Wunschkeller“ um den Marktplatz begehen, die von Ahrendt-Flemmings Team ausgemessen werden können. „Besonders interessant für uns sind momentan die Keller in der Obertorstraße, da man mit ihrer Datierung und Anordnung womöglich zeigen könnte, ob die Zufahrtsstraße vom Obertorturm zum Marktplatz im ausgehenden Spätmittelalter womöglich einen anderen Verlauf nahm als den, den wir heute kennen“, sagte Ahrendt-Flemming.

Doris Ammelung bedankte sich am Ende des Vortrags im Namen des Vereins Historisches Camberg bei allen Bürgern, die ihre Keller für das Forschungsprojekt geöffnet haben und würde sich freuen, wenn sich noch mehr Camberger bereiterklärten, ihre alten Gewölbe innerhalb der historischen Altstadt für die Wissenschaft zu öffnen.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse