Kampf dem Kletterpark

Ungeachtet munteren Vogelgezwitschers sowie harschen Protesten von Anliegern und Naturschutzbund gehen die Vorbereitungen für die Errichtung eines Kletterparks im Stadtwald Hain voran.
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Diez. 

"Der Hain ist heute schon überfrachtet. Das Maß ist voll." Mit drastischen Worten reagieren Karl-Heinz Schwarz und Dennis Färber, unmittelbare Anwohner des per Rechtsverordnung als Rückzugs- und Erholungsgebiet definierten Waldes, auf die erteilte Baugenehmigung des Kletterparks.

Sie befürchten eine immense Lärmbelästigung und Parkprobleme, wenn der angedachte Park tatsächlich 15 000 bis 20 000 Menschen im Jahr anlocken sollte. Aus diesem Grunde haben sie Widerspruch eingelegt gegen die Baugenehmigung. Rechtsanwalt Dennis Färber hält die erteilte Genehmigung für rechtswidrig. Daher wurde beantragt, "die Vollziehung der Baugenehmigung auszusetzen und der Begünstigten die Einstellung von Bautätigkeiten gegenüber zu verfügen."

Verschraubungen

Doch offensichtlich haben diese Bautätigkeiten bereits begonnen. Im 1,4 Hektar großen Areal am Rande des Hains liegen Materialien, die offensichtlich für den Kletterwald verwendet werden. Einige Stahlseile sind bereits mit Schrauben an Bäumen befestigt worden.

Tennisplätze, Minigolfplatz, Trimm-Dich-Pfad, Hain-Café, zwei angrenzende Sportplätze, die Bundeswehrkaserne nebenan – all das belastet den Hain nach Ansicht der Anlieger ohnehin bereits viel zu stark. Dann jeden Samstagmorgen ein Flohmarkt. "Die Autos stehen bei uns vor der Tür", berichtet Karl-Heinz Schwarz. Der Ruhe- und Erholungswert des Stadtwaldes dürfe nicht außer Acht gelassen werden, "nur um die paar Euro Pacht zu kassieren". Die Belange des Gemeinwohls seien nicht genügend berücksichtigt worden. Dazu zählen das Landschaftsbild, Verkehrsbelange, Sicherheitsbelange, der Lärmschutz und der Naturschutz.

Aus diesem Grunde wurde Widerspruch gegen die Baugenehmigung der Verbandsgemeinde Diez eingelegt, ferner Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord sowie Widerspruch gegen den Bescheid der Forstverwaltung.

In ihrer ersten Stellungnahme hatte die SGD Nord noch ausgeführt, dass dieses Projekt zum Verlust des Waldes als Brut- und Jagdgebiet führen werde. Der Kletterpark sei ohne einen Bebauungsplan für die Hütte (Toilette) nicht genehmigungsfähig. Dann sei eine Ausgleichsfläche am Wasserturm "als Trick" ausgewiesen worden, und als Toilette soll das alte TuS-Vereinsheim herhalten.

Schwarz und Färber hatten sich bereits im November 2010 an die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, die Verwaltung, die Landtagsabgeordneten Frank Puchtler (SPD) und Matthias Lammert (CDU), Landrat Günter Kern sowie die SGD Nord gewandt. Dabei haben sie die Eignung des gewählten Standortes aufgrund der dort angesiedelten Baum- und Pflanzenarten in Zweifel gezogen. Außerdem würden die im Wald lebenden Tiere in bedrohlichem Ausmaß gestört, zumal an Wochenenden mit bis zu 800 Besuchern gerechnet werden könne. "Der Wald wird in ein freizeitparkähnliches Areal verwandelt. Flora und Fauna werden in unzumutbarer Weise durch Lärm, Müll und bauliche Anlagen belastet."

Im Widerspruchsschreiben gegen die Baugenehmigung verweisen Schwarz und Färber auf die Auswirkungen auf Umweltschutzbelange hin. Kritik an dieser für ihn überraschenden Baugenehmigung äußert auch Winfried Lieber von der Nabu Rhein-Lahn. Er vermisst im Gutachten verschiedene Arten wie den Mittelspecht. Außerdem sei das Fledermausvorkommen nur unzureichend berücksichtigt worden. Er sprach sich für die Erstellung eines neuen Gutachtens aus und hätte sich eine engere Absprache mit den Naturschutzverbänden gewünscht. Gleichzeitig hält Lieber die Parkplatzsituation für bedenklich. An sonnigen Wochenenden "wird‘s chaotisch".tam

(Volker Thamm)
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