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Finanzskandal im Limburger Bistum: Kirche, Geld und noch mehr

Von Monatelang war das Limburger Bistum mit seinem Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und dessen Bischofshaus ganz vorne in den Schlagzeilen. „Kirche und Geld“, das zieht. Kirche und Bischof, der viel Geld ausgibt, zieht noch mehr. Gestern gab es mit der Eröffnung einer Ausstellung einen weiteren Schritt der Aufarbeitung.
Der Finanzskandal im Limburger Bistum und wie es dazu kam. Darum geht es natürlich auch in der Ausstellung »Von den irdischen Dingen: Kirche und Geld im Bistum Limburg«. Aber es geht noch um viel mehr.	Fotos: Laubach (2) Der Finanzskandal im Limburger Bistum und wie es dazu kam. Darum geht es natürlich auch in der Ausstellung »Von den irdischen Dingen: Kirche und Geld im Bistum Limburg«. Aber es geht noch um viel mehr. Fotos: Laubach (2)
Limburg. 

Johannes Müller-Rörig ist ein kräftiger Mann. Und er steht für seine Kirche ein. Er ist Leiter der Katholischen Erwachsenenarbeit Westerwald-Rhein-Lahn, sitzt in der Mitarbeitervertretung und ist auch noch ehrenamtlich beim kirchlichen Arbeitsgericht in Mainz aktiv. Und dann das. Vor einigen Monaten bei der Probe seines Chores im Westerwalddorf Holler stoppte die Dirigentin ihr Spiel am Klavier, die Stimmen verstummten, sie drehte sich herum und fragte den Sänger Müller-Rörig: „Das mit Deinem Bischof musst Du mir mal erklären!“. Dann ging’s weiter mit der Probe.

Nach der Probe hat Johannes Müller-Rörig das erklärt mit seinem Bischof, der in Limburg für über 31 Millionen Euro nicht nur ein überteuertes Haus hat bauen lassen. Und die Fragen beschäftigten sich keineswegs nur mit den aktuellen Ereignissen rund um den damaligen Limburger Bischof, der inzwischen in Rom eine neue Aufgabe gefunden hat, sondern auch mit anderen Dingen: Wo kommt das Geld der Kirche her, wie reich ist sie, was macht die Kirche mit dem ganzen Geld?

Das war die Initialzündung für die Ausstellung: „Von den irdischen Dingen: Kirche und Geld im Bistum Limburg“. Gestern wurde sie im Konradinerkeller des neuen Bischofshauses eröffnet. Dort, wo der ganze Schlamassel verortet wird. Und deshalb war es Johannes Oberbandscheid, dem Leiter des Diözesanbildungswerkes und damit der Erwachsenenbildung und Träger der Ausstellung, überaus wichtig, von dort aus zu starten. In den kommenden zwei Wochen ist das Werk über die irdischen Dinge auf 18 Schautafeln im Kreuzgang des Bischöflichen Ordinariats zu sehen. Dann geht die Ausstellung auf Reisen, die ersten Termine in den Gemeinden sind bereits gebucht.

 

Zweifel, Verunsicherung

 

Der Limburger Domberg und das dort gebaute Haus haben die Gläubigen und die Mitarbeiter der katholischen Kirche verunsichert und selbst oft genug zweifeln lassen. Die Ausstellung solle dazu dienen, Antworten zu finden, sich zu positionieren. Diesen Wunsch gab der Ständige Vertreter, Domkapitular Wolfgang Rösch, mit auf den Weg. Dabei sei das aufzuarbeiten, was in der Vergangenheit schief gelaufen sei. Das habe keineswegs nur mit den finanziellen Dingen zu tun.

Dass das Kirchenrecht das Beispruchsrecht kenne oder auch das Einspruchsrecht, das sei in der Vergangenheit nicht eingefordert worden. Nach den Vorfällen im Bistum ist Rösch davon überzeugt, dass dieselben Vertreter des Klerus oder auch der Gremien, die schwiegen oder durchgewunken haben, sich heute anders verhalten würden. „Wir sind weiter als vor acht Jahren“, so Rösch. Und das macht er nicht nur daran fest, dass das Bistum mit seinen Finanzen offen umgeht, sondern auch Strukturen geändert hat.

 

Vorreiter Limburg

 

Nach Angaben von Finanzdezernent und Ökonom Gordon Sobbeck ist in der Finanzverwaltung inzwischen eine Unabhängigkeit in der Kontrolle geschaffen worden und Ämterdopplungen werden vermieden. Die Offenlegung des Vermögens sei ein erster Schritt gewesen. Auch der Nachweis über die Verwendung und Verwaltung der Gelder, die der Kirche im Bistum zur Verfügung stehen, hat nach seiner Einschätzung ganz erheblich zu einer Transparenz beigetragen. Das Bistum sei dabei Vorreiter in Deutschland gewesen. Und dem Beispiel seien inzwischen zahlreiche andere Bistümer gefolgt.

Um das Vertrauen der Gläubigen, Mitarbeiter und auch der Öffentlichkeit zurückzugewinnen, sind nach Einschätzung von Rösch Änderungen notwendig. Doch letztendlich werde das Aufbauen neuen Vertrauens nur gelingen, wenn Kirche ein verlässliches Handeln an den Tag lage. Vertrauen könne dabei nicht eingefordert werden, sondern könne nur langsam wachsen. „Ich verspüre ein langsames Anwachsen neuen Vertrauens“, sagte Rösch gestern bei der Eröffnung der Ausstellung, zu der vor allem ehrenamtliche Vertreter verschiedener Gremien aus dem Bistum geladen waren.

 

Verwendung des Geldes

 

Fünf Milliarden Euro hat die katholische Kirche in Deutschland im vergangenen Jahr an Kirchensteuern eingenommen und damit zum dritten Mal hintereinander die Fünf-Milliarden-Euro-Grenze überschritten. Neuer Rekord. Dass die Kirchen mit der Verwendung und Verwaltung ihrer Gelder offen und transparent umgehen müssen, ist zumindest seit dem Skandal um den Bau des Limburger Bischhofshauses, den Erste-Klasse-Flug nach Indien und noch ein paar anderer Vorkommnisse inzwischen unstrittig. Und daher haben die Vorfälle in Limburg durchaus auch etwas positives bewirkt, ist Rösch überzeugt.

Die Ausstellung geht nicht nur der Frage nach, wie sich das Vermögen des Bistums verteilt, ob eine Milliarde Euro viel Geld für das Bistum ist oder weshalb überhaupt Vermögen benötigt wird; die Ausstellung zeigt auch, wo das Geld eingesetzt wird, weshalb es Staatsleistungen gibt (für das laufende Jahr rechnet das Bistum dabei mit Einnahmen in Höhe von 4,27 Millionen Euro), wie es zu dem Finanzskandal um den neuen Bischofssitz kam und vieles mehr. Aber es werden auch ganz grundsätzliche Fragen thematisiert: Weshalb es zum Beispiel Kirchensteuern gibt, wie die Finanzierung der Kirchen in anderen Ländern läuft, was Kirche von einem Konzern unterscheidet (das Letztentscheidungsrecht des Bischofs besteht in Glaubensfragen, nicht aber in Vermögensfragen) und wie zum Beispiel die ersten Christen mit ihrem Besitz umgingen.

Und dann gibt es noch eine Tafel, die einige Hinweise und Diskussionsanregungen dazu gibt, was noch besser, was noch anders werden muss im Bistum, in der Kirche ...

Die Ausstellung kann ausgeliehen werden. Anfrgaen sind zu richten an die Katholische Erwachsenenbildung, Bildungswerk Westerwald-Rhein-Lahn, Auf dem Kalk 11,in 56410 Montabaur, (0 26 02) 68 02 30, E-Mail: keb.montabaur@bistum-limburg.de.

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