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Prüfung für Hund und Herrchen: Konsequenzen nach Beißattacke gefordert

Die Tierschutzorganisation Peta fordert die Einführung eines Hundeführerscheins in Rheinland-Pfalz. Die Ursache für die Beißattacke am Freitag in Diez liege oft nicht beim Tier, sondern bei seinem Halter, sagt Tierärztin Dörte Röhl.
Nicht immer sind Hunde so friedlich und folgsam. Deshalb fordert Peta die Einführung eines Hundeführerscheins. Foto: Julian Stratenschulte (dpa) Nicht immer sind Hunde so friedlich und folgsam. Deshalb fordert Peta die Einführung eines Hundeführerscheins.
Diez. 

Die Tierschutzorganisation nimmt den Hundebiss am Freitag in Diez zum Anlass, die Einführung eines Hunde-Führerscheins in Rheinland-Pfalz zu fordern. In Niedersachsen gibt es den bereits.

Ein nicht angeleinter Hund war am Freitag auf einen 15-jährigen Passanten zugestürmt und hatte zugebissen. Der Junge wurde leicht verletzt, so die offizielle Darstellung der Polizei. Eine Frau – vermutlich die Halterin – habe dem Schüler entschuldigend hinterher gerufen. Ähnliches passiert jährlich in der Verbandsgemeinde Diez vier- bis fünfmal, sagt der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Ordnung im Diezer Rathaus, Christoph Hannappel, nach Rücksprache mit der Polizei. In diesem Jahr gab es sogar bereits vier Fälle. Hannappel spricht aber auch von einer hohen „Dunkelziffer“: Nicht jeder renne gleich zur Polizei, wenn Nachbars Vierbeiner zugeschnappt hat. Auch Beißereien unter den Hunden kommen selten zur Anzeige. Genauer erfasst die Verbandsgemeinde selbst nur die sehr seltenen Vorfälle mit Kampfhunden.

Alle diese Vorfälle könnten vielleicht verhindert werden durch einen „Führerschein“ für Hundehalter, wie ihn Peta fordert. „Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern“, schreibt Peta-Redakteur Denis Schimmelpfennig. Dazu müssten die Halter die Signale ihres Vierbeiners richtig deuten können. „Offenbar können viele Halter ihre Hunde nicht einschätzen“, so Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin bei der Tierschutzorganisation. Somit sei die wahre Ursache für Beißattacken bei den Haltern zu suchen – nicht beim Tier. „Der scheinbar angriffslustige Hund hätte gar nicht unangeleint laufen dürfen.“ Jeder Hund, der falsch gehalten und behandelt werde, könne zu einer Gefahr für den Menschen werden – unabhängig davon, ob er einer „Rasse“ angehöre oder ein Mischling sei.

Belohnungsmodelle

In Niedersachsen gibt es seit 2013 einen solchen „Sachkundenachweis“. Berlin hat ihn am 1. Januar eingeführt. Für den Hundeführerschein müssen Halter nachweisen, dass sie ihr Tier unter Kontrolle haben. In einer regelrechten Prüfung werden Kenntnisse über Haltung und Sozialverhalten sowie die Kenntnis von Tierschutz-Bedingungen abgefragt. Auf einen Theorie-Teil folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule.

Einzelne Städte setzen aufs Belohnungsmodell: Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein gemacht hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. Mannheim gewährt sogar eine zweijährige Steuerbefreiung.

Die Einführung eines Hundeführerscheins hat einen weiteren Vorteil: Sie kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80 000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.

Ein Jahr Training sinnvoll

Die Leiterin des Limburger Tierheims, Adelheid Noble, kann sich mit einem Hundeführerschein anfreunden – wenn Ausnahmen definiert würden: „Eine 80-jährige Hundehalterin bekommt das nicht mehr in Hirn und Hund rein, was sie ihrem Tier vermitteln müsste.“ Überhaupt nichts hält Noble von der aktuellen Gefahrabwehrverordnung, die pauschal bestimmte Rassen unter Verdacht stellt. Wer einen Hund aus Staffel holt, dem empfiehlt der Tierschutzverein generell und dringend den Besuch einer „gewaltfreien Hundeschule“. Die Besitzer sollten „mindestens“ ein Jahr lang einmal in der Woche mit ihrem Vierbeiner an den Trainings teilnehmen. Und es müssten eigentlich alle Familienmitglieder, die mit dem Hund umgehen, mitgehen. Genau das sieht auch Christoph Hannappel von der Verbandsgemeinde Diez als Problem eines Hunde-Führerscheins: „Was nutzt es, wenn der Vater den Führerschein macht und dann der Sohn mit dem Tier los geht?“ cris

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