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Männerchor: Leonard Brötz: 100 Kilometer für den Chorgesang

Ein Westerwälder geht fremd: Seit Jahren singt Leonard Brötz aus Frickhofen nicht nur bei seiner Eintracht den zweiten Bass, sondern übernimmt diese Rolle auch in den Reihen der „Liedertafel Griesheim“. So pendelt er zwischen dem Westerwald und dem vor den Toren Darmstadts gelegenen Städtchen hin und her.
Zweigeteilt: Jede Woche singt Leonard Brötz aus Frickhofen sowohl in seinem Heimatort als auch in Griesheim bei Darmstadt. Foto: Johnanes Koenig Zweigeteilt: Jede Woche singt Leonard Brötz aus Frickhofen sowohl in seinem Heimatort als auch in Griesheim bei Darmstadt.
Frickhofen. 

Was tun, wenn man als Westerwälder von klein auf sangesfreudig ist, aber unter der Woche in Darmstadt arbeiten muss? Ganz klar, man singt für zwei Männerchöre – einen in der Heimat und den anderen in der Nähe des Arbeitsplatzes. Diesen Weg schlug vor zehn, 15 Jahren Leonard Brötz (64) aus Frickhofen ein. Denn er ist nicht nur Westerwälder mit Leib und Seele, sondern pflegt ebenso intensiv sein liebstes Hobby. Schließlich gehört er seit 1970/71 dem MGV „Eintracht Frickhofen“ an und singt dort die zweite Bassstimme.

Proben für ein Requiem

So lag es auf der Hand, dass er auch im Raum Darmstadt sängerischen Anschluss suchte. „Ich habe bei der Firma Röhm, die heute zu Evonik gehört, im Büro gearbeitet“, erläutert der gelernte Laborant seinen beruflichen Hintergrund. Statt jede Woche täglich zwischen dem Westerwald und seinen Arbeitsplatz hin und her zu pendeln nahm er sich ein kleines möbiliertes Zimmer im Darmstädter Nachbarort Griesheim. Eines Tages stolperte er bei der Zeitungslektüre über eine Anzeige des Gesangvereins „Liedertafel Griesheim“, der für eine Aufführung des Requiems des französischen Komponisten Gabriel Fauré zusätzliche Sänger suchte. „Also ging ich in das inzwischen abgerissene Gasthaus, das damals noch für die Proben genutzt wurde, setzte mich an die Theke und hielt nach Sängern Ausschau.“ Da wurde er auch schnell fündig und schloss sich den durch die Tür kommenden Männern an. Nachdem die Proben samt Auftritt erfolgreich bewältigt waren, entschloss er sich, zu bleiben. Eine Entscheidung, die dadurch erleichtert wurde, dass in Griesheim donnerstags und in Frickhofen freitags geprobt wird. „Ich habe nur gesagt, wenn es Terminüberschneidungen gibt, haben die Frickhöfer Vorrang und das wird akzeptiert.“

Manchmal macht Leonard Brötz aber selbst eine Ausnahme: Denn seine Stimme, der zweite Bass, ist in Frickhofen gut besetzt, während sie bei der „Liedertafel“ eher knapp ist. „Da helfe ich dann eher in Griesheim aus.“

Hat er eigentlich jemals daran gedacht, ganz nach Griesheim zu ziehen? „Niemals, keine Sekunde“, betont der Junggeselle mit einem Lächeln. Dazu sei er zu sehr Frickhöfer und viel zu fest im Westerwald verwurzelt. Denn schließlich begann dort auch sein musikalischer Weg: „Meine Eltern sangen im Kirchenchor. Mit neun Jahren trat ich in die Knabenschola ein. Wir sangen sonntags im Gottesdienst die Psalme.“ Mit dem Stimmbruch wechselte er zum Kirchenchor und schließlich zur „Eintracht“. Beim Frickhöfer Kirchenchor ist er noch passives Mitglied. „Die Probe war immer dienstags, da konnte ich wegen des Berufs nicht.“

Ännchen von Tharau

Was aber haben nun der Griesheimer und der Frickhöfer Chor gemein und was unterscheidet sie? „Die Literatur ist ungefähr dieselbe“ – zwar nicht unbedingt Silcher, aber doch überwiegend ehr traditionelle Stücke für Männerchöre. Allerdings habe sich ein Griesheimer Sangesbruder mal zum Jubiläum das Stück gewünscht, das bereits zu seiner Hochzeit gesungen wurde: Das war das „Sanctus“ von Silcher. „Ich wusste gar nicht, dass er auch so etwas geschrieben hat. Eigentlich kennt man ihn ja sonst nur vom ,Ännchen von Tharau’.“

Der Hauptunterschied liege aber vor allem darin, dass das Griesheimer Ensemble aufgrund des gesetzten Alters seiner Mitglieder länger braucht, neue Stücke einzustudieren. „In Frickhofen sind wir mit einem Durchschnittsalter von 49/50 noch ein relativ junger Chor.“

Eines stellt Leonard Brötz abschließend noch klar: „Unter der Dusche habe ich noch nie gesungen, sondern nur im Chor, denn da macht’s am meisten Spaß.“

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