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Manege frei für Integration

Von "Manege frei" soll es im kommenden Frühjahr für mehr als 150 Kinder aus der Astrid-Lindgren-Schule und der Grundschule Ahlbach heißen, wenn sie gemeinsam mit "echten" Zirkusleuten eine Vorstellung geben. Die Vorbereitungen für dieses Großprojekt haben jetzt begonnen.
Die erste gemeinsame Choreografie: Schüler der Astrid-Lindgren-Schule und der Grundschule Ahlbach probieren einen Tanz.	Foto: Bohnhorst-Vollmer Die erste gemeinsame Choreografie: Schüler der Astrid-Lindgren-Schule und der Grundschule Ahlbach probieren einen Tanz. Foto: Bohnhorst-Vollmer
Limburg. 

Emmely ist stolz. Immer wieder klatscht sie in die Hände, trampelt mit den Füßen und ruft ihrer Sitznachbarin zu, dass das ihr Bruder Benedikt ist, der da vorne, auf der kleinen improvisierten Bühne in der Astrid-Lindgren-Schule steht und sich gerade vor dem Publikum verbeugt. Benedikt ist der Nikolaus, erzählt das Mädchen von der Astrid-Lindgren-Schule und strahlt. Er ist der Bischof von Myra. Jedenfalls spielt er diese Rolle in einem Weihnachtsmusical, das die Drittklässler der Grundschule Ahlbach an diesem Vormittag in der Einrichtung für sonderpädagogische Förderung singen und spielen. Es soll ein Vorgeschmack sein auf eine geplante gemeinsame Vorführung, bei der die Kinder beider Schulen in einem Zirkusprojekt zusammenwirken.

Mit Zirkusleuten üben

"Das konkrete Vorhaben ist ein Unterrichtsprojekt mit dem Zirkus Baldini", berichtet Luise Konrad-Schmidt, Leiterin der Astrid-Lindgren-Schule. "Etwa 100 geistig und körperlich behinderte Kinder unserer Schule und 60 Schüler der Grundschule Limburg-Ahlbach werden gemeinsam eine Woche lang auf dem Gelände der Lebenshilfe mit den Zirkusleuten, deren Tieren sowie Lehrern und pädagogischem Fachpersonal üben, trainieren, Spaß haben und miteinander lernen." Vom 11. bis 15. März nächsten Jahres soll dieser besondere Schulunterricht in der Manege stattfinden, sagt Luise Konrad-Schmidt.

Doch bis dahin bleibt noch viel zu tun – beispielsweise die Finanzierung des Vorhabens festzuzurren. Rund 4000 Euro aus Spenden oder Sponsorenzuwendungen müssen noch generiert werden, rechnet die Rektorin vor. Mit Mitteln aus dem Schuletat sei das nicht zu leisten, aber "es wäre schade, wenn dieses Integrationsprojekt allein aus finanziellen Gründen nicht zustande kommen könnte".

Kennenlernen

Zunächst allerdings müssen die Kinder sich kennenlernen und herausfinden, wie sie miteinander umgehen können, stellt Maria Bopp von der Ahlbacher Grundschule fest. Deshalb gibt es zwei "Kennenlern-Vormittage" in der Fördereinrichtung. Und die sind spannend, berichten die Freundinnen Laura und Julia beim gemeinsamen Frühstück in der Turnhalle der Astrid-Lindgren-Schule. Da sitzen die acht- und neunjährigen Schüler am Tisch den Kindern mit geistigen und körperlichen Einschränkungen gegenüber, beobachten, tuscheln und stellen fest, dass "die behinderten Schüler bei vielen Sachen Hilfe brauchen", wie Laura es ausdrückt.

Komisch finden die Mädchen das nicht, und Berührungsängste mit den anderen Kindern haben sie auch nicht. Schließlich haben sie in der Schule lange darüber gesprochen, dass "alle Menschen verschieden sind", und dass "manche was können, was andere eben nicht so hinkriegen". Es geht um Verständnis, Respekt und Toleranz, betont auch Maria Bopp aus Ahlbach. Den Kindern diese Eigenschaften zu vermitteln, sei ihr und ihren Kolleginnen sehr wichtig. Und Luise Konrad-Schmidt ergänzt, dass bei der gemeinsam eingeübten Zirkus-Aufführung "die Vielfältigkeit des Einzelnen, unabhängig einzelner Handicaps, im Vordergrund steht". Nur so lasse sich soziale Kompetenz stärken.

Optimale Förderung

Eine "sehr gute Sache" sei diese gemeinsame Zirkuswoche, bestätigt auch Tanja Weißer aus Ahlbach. Sie ist die Mutter von Benedikt und Emmely, und sie weiß, wie "normal" gesunde und behinderte Kinder miteinander aufwachsen können. Mit Inklusion, also der Integration behinderter und nicht-behinderten Menschen, habe das indes nichts zu tun, kommentiert sie. Und das sei auch gut so, denn eine optimale Förderung erhielten die Kinder nur in den jeweils auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Schultypen, ist Tanja Weißer überzeugt. Trotzdem: "Ich freue mich auf dieses Projekt."

Emmely auch. Wieder klatscht sie in die Hände und lacht. Denn zum Abschluss des Kennenlern-Vormittags steht sie auf der Bühne. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Berthold Voll, FSJlerin Samira Lugauer und einigen Klassenkameraden hat sie einen sehr schwungvollen Zumba-Tanz einstudiert. Den zeigen die Astrid-Lindgren-Schüler jetzt den Ahlbachern. Und dann stellen sich die Grundschüler dazu, schauen sich die Schritte bei den Zumba-Tänzern ab – und probieren eine erste gemeinsame Choreografie.

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