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Gewaltsamer Tod: Mann totgeprügelt - aus rassistischen Motiven?

Von Der gewaltsame Tod eines 55 Jahren alten Mannes in einer Unterkunft der Stadt Limburg wirft die Frage nach einem ausländerfeindlichen Hintergrund auf.
Brennende Kerzen und „Nazi raus“-Flyer vor dem Haus in der Brückengasse, in dem der 55 Jahre alte und aus Ruanda stammende Mann von vermutlich drei Täter so geschlagen und getreten wurde, dass er an den Folgen der Verletzungen starb.	Foto: Laubach Brennende Kerzen und „Nazi raus“-Flyer vor dem Haus in der Brückengasse, in dem der 55 Jahre alte und aus Ruanda stammende Mann von vermutlich drei Täter so geschlagen und getreten wurde, dass er an den Folgen der Verletzungen starb. Foto: Laubach
Limburg. 

Der 55 Jahre alte Mann, der aus Ruanda stammt, ist Opfer von drei deutschen Männern geworden, die sich in Untersuchungshaft befinden. Am Sonntag, 2. November, ist in Limburg eine Demo geplant. „Rassismus tötet“, lautet das Motto. Ausrichter sind antifaschistische Gruppe aus dem Rhein-Main-Gebiet und der Kreisverband von Die Linke. Sie sind davon überzeugt: Der 55-Jährige ist Opfer einer Gewalttat mit rechtsradikalem Hintergrund geworden.

Das ist eine Vermutung, keineswegs eine Tatsache. Die Ermittlungsbehörden halten sich diesbezüglich zurück, hatten zur Wochenmitte jedoch eingeräumt, dass Hinweise auf eine fremdenfeindliche Gesinnung der Verdächtigen vorliegen. Auch gestern gab es dazu keine weitere Informationen. Staatsanwalt Manuel Jung machte jedoch deutlich, dass es derzeit keine konkreten Hinweise darauf gibt, dass dies bei der Tat in der Unterkunft eine Rolle gespielt haben könnte. Allerdings gibt es auch das klar erklärte Ziel, darüber möglichst schnell Klarheit zu erhalten. Auch deshalb sei bei der Polizei eine Sonderkommission ins Leben gerufen worden, die am Mittwoch ihre Arbeit aufgenommen hat.

Den Behörden ist zwar bekannt, dass die drei Verdächtigen, es handelt sich dabei um einen 22-Jährigen sowie zwei 45 Jahre alte Männer, schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Doch ob es sich dabei um Verstöße mit rechten Parolen oder fremdenfeindlichen Motiven handelt, ist derzeit noch nicht bekannt. „Wir haben die Akten alle angefordert“, sagte Jung gestern. Akten, die sich auf verschiedene Dienststellen verteilen.

Die drei Täter haben ebenfalls in dem Haus in der Brückengasse gewohnt, das die Stadt dazu nutzt, Wohnsitzlosen ein Dach über dem Kopf zu geben. Etwa zwei Wochen vor der Tat, die sich am späten Abend des 22. Oktober ereignete, war der 55-Jährige dort eingezogen. Die drei vermeintlichen Täter schlugen und traten auf ihr Opfer so ein, dass der Mann an den Folgen der daraus erlittenen Verletzungen starb.

In der Tatnacht war auf jeden Fall Alkohol im Spiel. Welche Rolle er spielte, lässt sich noch nicht klar sagen. „Die genauen Blutalkoholwerte liegen noch nicht vor“, machte Staatsanwalt Jung deutlich. Bei allen Tatverdächtigen, zu Beginn handelte es sich dabei um fünf Männer und eine Frau, seien sofort nach der Festnahme Blutentnahmen vorgenommen worden. Nach Informationen der NNP hat es bei der Festnahme jedoch auch Kontrollen mit einem Alkotester gegeben. Dabei sei eine erhebliche Alkoholiserung festgestellt worden.

Dass es auch unter den Obdachlosen fremdenfeindliche Sprüche und Ansichten gibt, wird auch von Kennern der Szene nicht bestritten. Allerdings habe es bisher noch keinerlei Hinweise auf eine Verbindung mit organisierten Rechtsradikalen gegeben.

Mit Entsetzen und Trauer hat der Landesausländerbeirat auf die Nachricht eines gewaltsamen Todes eines Afrikaners in Limburg und den möglichen rassistischen Hintergrund reagiert. „Wir sind tief bestürzt, dass auch in Hessen offenbar immer noch die Herkunft eines Menschen Anlass fürGewalt oder feigen Totschlag sein kann“, sagte der Vorsitzende Enis Gülegen. Gleichzeitig lobte er Polizei und Staatsanwaltschaft, die mit der Einrichtung einer Sonderkommission richtig gehandelt hätten. „Allerdings erwarten wir jetzt schnelle und lückenlose Aufklärung“, so der Vorsitzende des Beirats.

Rassismus sei kein Randphänomen der Gesellschaft, sondern nach wie vor auch in der Mitte der Gesellschaft präsent. Es sei diese noch immer in vielen Schichten verbreitete Einstellung, die gewaltbereite Menschen ermutige oder ihnen aber zumindest ein Gefühl der Legitimation für ihr menschenverachtendes Handeln verschaffe. „Dem müssen wir jetzt gemeinsam entschieden entgegentreten“, fordert Gülegen.

Auch Die Linke begrüßt die Einrichtung einer Sonderkommission der Polizei, wie Willi van Ooyen als Vorsitzender der Landtagsfraktion erklärt. Für ihn ist der Vorfall in Limburg eine „rechtsmotivierte Gewalttat“. Und diese dürfte nicht unter den Teppich gekehrt werden, sondern müsse aufgeklärt und die Hintergründe ausgelotet sowie mögliche Unterstützer ausfindig gemacht werden. Der Vorfall zeige aber auch, so van Ooyen, wie dringend notwendig antifaschistische Initiativen, Organisationen und Vereine unterstützt und den Opfern rechter Gewalt geholfen werden müsse.

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