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Bis zu 14 000 Euro pro Fluchthilfe: Mann und Frau aus Pakistan stehen wegen Schleuserei vor Gericht

Von Weil sie über mehrere Monate hinweg gewerbsmäßig Menschen aus Bahrain nach Deutschland geschleust haben sollen, stehen seit gestern ein Mann und eine Frau vor dem Landgericht. Während der Mann jegliche Beteiligung an den Verbrechen zurückwies, erklärte die angeklagte Frau, sie werde sich zu einem späteren Zeitpunkt zu den Vorwürfen äußern.
Symbolbild Foto: Daniel Naupold (dpa) Symbolbild
Limburg. 

Elfmal zwischen Dezember 2015 und Oktober 2016 sollen die aus Pakistan stammenden Angeklagten einzelne Personen, aber auch ganze Familien über Bahrain nach Deutschland geschleust und dafür bis zu 14 000 Euro pro Vorgang kassiert haben, sagte Staatsanwältin Birgit Huppers gestern bei der Prozesseröffnung vor der 5. Großen Strafkammer am Landgericht Limburg.

Nach ihrer Überzeugung gehörten die 36-jährige Frau und der 31-jährige Mitangeklagte zu einer gewerbsmäßig agierenden Schleuserbande. Beide Angeklagte sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Das Vorgehen der Schleuser verlief dabei stets ähnlich, trug die Staatsanwältin vor: Der angeklagte Mann habe fluchtwillige Menschen in Bahrain angeworben, diese über den Fluchtplan beraten und die ausgehandelten Geldsummen eingetrieben. Die beliefen sich auf bis zu 14 000 Euro für eine erfolgreiche Einreise. Personen, deren Ausreise nicht gelang oder denen die Einreise in Deutschland verwehrt wurde, musste noch rund 2000 Euro zahlen.

Als Touristen eingereist

Zu den geschleusten Personen gehörten auch ein Bruder des Angeklagten sowie eine Schwester mit ihrer Familie, die zunächst nach Schweden und anschließend nach Deutschland reiste. Allen, die mit Hilfe der Schleuserbande nach Deutschland gelangten, sei klar gewesen, dass ihre Einreise auf falschen Behauptungen und Tatsachen beruhte, sagte Staatsanwältin Huppers: Sie waren jeweils mit kurzfristig geltenden Touristenvisa eingereist, hatten aber unmittelbar nach ihrer Ankunft in Deutschland Asylanträge gestellt. Damit liegt nach Auffassung der Anklage ein Verstoß gegen das Aufenthaltsrecht vor.

Für die Beschaffung der Touristenvisa war nach Ansicht der Staatsanwältin die 36-jährige Mitangeklagte zuständig. Sie organisierte sämtliche Dokumente, die in der Deutschen Botschaft in der bahrainischen Hauptstadt Manama vorgelegt werden mussten, um ein Touristenvisum zu erhalten. Die mutmaßliche Schleuserin stellte gefälschte Arbeitsverträge, Gehaltsnachweise und Kontoauszüge zusammen, stattete die Ausreisenden mit ebenfalls gefälschten Krankenversicherungsscheinen aus und übergab ihnen Flugtickets und Reservierungsbestätigungen für Hotelzimmer in Deutschland, die die Ankommenden indes nicht aufsuchten.

Keiner von ihnen habe Deutschland als Tourist besuchen wollen, sondern sei mit der Absicht eingereist, im Land zu bleiben, machte die Staatsanwältin deutlich. Für diese Option, sich in Deutschland dauerhaft aufhalten zu dürfen sowie für die organisatorische Abwicklung sei denn auch viel Geld geflossen.

Der angeklagte 31-Jährige wies sämtliche Vorwürfe vor Gericht zurück. Er habe mit diesen Vorgängen nichts zu tun gehabt und wisse gar nicht, „wie das funktionieren sollte“, behauptete er. Wenn er in das Schleusergeschäft involviert gewesen wäre, hätte er schließlich kein Geld für den Transport seiner Familienmitglieder bezahlen müssen, gab er vor Gericht an. „Ich hatte mit dieser Sache nichts zu tun“, sagte er. An Geldgeschäften sei er ebenfalls nicht beteiligt gewesen, behauptete er. Die habe der Ehemann der Mitangeklagten abgewickelt, der in diesem Verfahren jedoch nicht vor Gericht steht.

Richter Marco Schneider wies den Angeklagten darauf hin, dass dieser sich im Ermittlungsverfahren „ganz anders“ geäußert habe. Der Prozess wird am kommenden Montag, 31. August, um 9 Uhr fortgesetzt.

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