Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 13°C

Prozess: Mord vor 15 Jahren: Jetzt sprechen die Angehörigen des Opfers

Von Vor 15 Jahren soll ein aus Pakistan stammender Mann seine damals 34-jährige Lebensgefährtin erstochen haben. Am dritten Prozesstag schilderten die Schwester und die Mutter des Opfers, wie sie die Leiche fanden und was sie über das Leben der Ermordeten wussten.
Foto: Arne Dedert (dpa)
Limburg. 

Auf den Tag genau vor 15 Jahren wurde eine damals 34-jährige Frau tot in ihrer Wohnung „Im Kissel“ aufgefunden – von ihrer Schwester und ihrer Mutter, die jetzt vor Gericht ihre Erinnerungen an den 2. November 2001 sowie an die Zeit unmittelbar vor dem Tod der Frau schilderten.

Danach waren sie gemeinsam in die Wohnung der jungen Frau gegangen, weil sie nicht zur Arbeit erschienen und auch nicht für ein verabredetes Telefonat erreichbar gewesen war. Die Frauen fanden die Tote im Wohnzimmer, „gut gebettet auf dem Boden“, wie die Schwester angab. Das Opfer war mit einem Messerstich in den Rücken getötet und im Wohnzimmer abgelegt worden. Der mutmaßliche Täter ist ihr aus Pakistan stammender Lebensgefährte, der sich zu jener Zeit allerdings unter falschen Personalien in Deutschland aufhielt und Asyl beantragt hatte. Unmittelbar nach der Tat setzte sich der heute 47-Jährige in sein Heimatland ab, wurde aber ermittelt und nach jahrelangen diplomatischen Verhandlungen im Frühjahr ausgeliefert.

Schwester und Mutter der Ermordeten gaben jetzt an, dass ihnen der Lebensgefährte „nicht normal“, sondern „unheimlich“ vorgekommen sei. Zwar habe er ihr selbst nie etwas getan, sagte die Mutter. Dass der Mann aber gegenüber ihrer Tochter gewalttätig war, sei ihr durchaus klar gewesen. Zweimal habe sie beobachtet, wie er die Tochter so getreten habe, dass sie die Treppe hinunterfiel. Auch sei die Tochter häufiger mit blauen Flecken und einmal sogar mit Schnittwunden am Arm bei ihr erschienen. Die Tochter habe ihr gesagt, dass ihr Lebensgefährte geheiratet werden wolle und sie mit dieser Forderung unter Druck gesetzt habe. „Der ist manchmal so brutal“, erinnerte sich die Mutter an eine Aussage der Tochter.

Belastung für Angehörige reduzieren

Psychosoziale Prozessbegleitung ist eine besondere Form der Begleitung im Strafverfahren für schutzbedürftige Verletzte, beispielsweise Kinder und Jugendliche, aber auch Angehörige von Mord- und Totschlagopfern.

clearing

Auch die Schwester, die als Nebenklägerin auftritt und von einer Sozialarbeiterin der Opferhilfe Limburg-Weilburg betreut wird, beschrieb den Ex-Lebensgefährten als „ganz schlimm“. So habe er in der Öffentlichkeit ihrer Schwester in die Bluse gegriffen, was sie im Unterschied zu ihrer Schwester „unmöglich“ fand. Den Lebenswandel ihrer Schwester habe sie ohnehin nicht nachvollziehen können. Das geschwisterliche Verhältnis sei aber schon vor Erscheinen des Partners äußerst angespannt gewesen. Dennoch sei sie in den letzten zehn Wochen vor dem Mord sechs- bis achtmal zur Schwester gefahren, um sie wegen Verletzungen ins Krankenhaus zu bringen. Ihr gegenüber habe die Schwester „ihn immer geschützt“.

Über die Gewaltbereitschaft des mutmaßlichen Täters konnte auch der psychiatrische Gutachter Rüdiger Müller-Isberner keine Auskunft geben. Bei der Untersuchung habe der Angeklagte angegeben, sich an die Tat oder den Tatzeitraum nicht erinnern zu können. Auch dass er sich jemals in psychiatrischer Behandlung in Hadamar gefunden haben könne, sei ihm nicht bewusst. Er werde zunehmend vergesslich, zitierte der Gutachter den Angeklagten. Auffallend bei der Untersuchung sei aber gewesen, dass der Beschuldigte seine „Antworten genau bedacht“ habe. Ob es sich folglich um eine „behauptete Amnesie“ handele oder um eine tatsächliche, lasse sich nicht nachprüfen.

Der Prozess wird am 6. November um 9 Uhr fortgesetzt.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse