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Musik aus fünf Jahrhunderten

Bach und Gershwin, Monteverdi und Hindemith – nicht allzu oft hört man eine Kombination von Werken dieser Komponisten in einem Konzert. Mit Musik aus fünf Jahrhunderten boten das Posaunenquartett "OPUS 4" und der Organist Denny Philipp Wilke ein außergewöhnliches Programm in der Konzertreihe "Orgel plus". Das Leipziger Posaunenquartett "OPUS 4" mit Honza Gimaletdinow, Dirk Lehmann, Stephan Meiner und Jörg Richter.	Foto: Fischer Das Leipziger Posaunenquartett "OPUS 4" mit Honza Gimaletdinow, Dirk Lehmann, Stephan Meiner und Jörg Richter. Foto: Fischer

Limburg. 

Claudio Monteverdis "Gloria und Exultet Caeli" aus der Marienvesper war der Auftakt des Konzerts am Erntedankfest in der Pallottinerkirche. Die Zuhörer sollten sich am Sonntagabend staunend und Gott lobend von der Musik mitnehmen lassen, wie es der Pallottinerorden in seiner Begrüßung formuliert hatte. Tatsächlich schuf das Ensemble vom ersten Ton an eine festliche Stimmung, die durch starke Kontraste und besonders schöne und klangvolle Piano-Stellen, die man von einem Posaunenquartett gar nicht für möglich gehalten hätte, vollendet wurde

Die Posaunisten des Gewandhausorchesters Leipzig, Jörg Richter und Dirk Lehmann, sowie die freischaffenden Musiker Stephan Meiner und Honza Gimaletdinow bilden das Leipziger Quartett "OPUS 4", das seit 17 Jahren besteht. Schon vor drei Jahren war das Ensemble in Limburg zu Gast und hatte Konzertbesucher begeistert.

Virtuose Musiker

Zwischen Schmunzeln und Staunen hin- und hergerissen waren die Zuhörer bei Bachs bekannter Toccata und Fuge in d-Moll, eigentlich ein Orgelstück, das "OPUS 4" als Posaunenfassung spielte. "Sie müssen sich die Finger vorstellen, die über die schwarzen und weißen Tasten sausen. Das ist mit unseren schwerfälligeren Instrumenten gar nicht so leicht", sagte Jörg Richter, Leiter und Gründer des Posaunenquartetts. Von Schwerfälligkeit war allerdings wenig zu merken, als die vier sich an das große Orgelwerk wagten und, obwohl dessen Posauneninterpretation etwas ungewohnt klang, bei herausragendem Zusammenspiel der Virtuosität der Organisten in nichts nachstanden.

Die Orgel nicht zu imitieren brauchte Denny Philipp Wilke, Assistenzorganist am Merseburger Dom und künstlerischer Leiter der Mühlhäuser Marienkonzerte. Nach einer mittelmäßigen Toccata von Georg Muffat kam der junge Organist bei Bachs Fantasie und Fuge in g-Moll in Fahrt. Das Stück, dessen schwermütige Fantasie zu Bachs modernsten Werken zählt und das in der Orgelliteratur als eines der anspruchsvollsten Werke überhaupt gilt, interpretierte Denny Philipp Wilke überzeugend.

Ganz anders als Bachs komplexen Fuge war die zwar nicht weniger durchdachte, aber doch viel simpler klingende Sonate Nr. 3 über alte Volkslieder von Paul Hindemith. Die drei Sätze waren sehr kontrastreich und spiegelten durch ihre dissonanten Harmonien die Entwicklung wider, die auch die Orgelmusik bis zum 20. Jahrhundert gemacht hat.

Gemeinsam trugen "OPUS 4" und der Organist Denny Philipp Wilke drei Werke vor, darunter eine Sonate von Giovanni Gabrieli und das groß angelegte "Canticum Sacrum" des zeitgenössischen Komponisten Bernhard Krol. Hier dauerte es ein bisschen, bis der Zuhörer die Richtung des Stückes erahnen konnte und bis es in einem mächtigen Finale seinen Höhepunkt erreichte.

Einen letzten Leckerbissen hatten sich die vier Posaunisten für den Schluss aufgehoben: Daniel Suttons Bearbeitung von George Gershwins "An American in Paris", bei dem die Musiker alle ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Klangveränderung wie Dämpfer, Instrumentenwechsel und Glissandi ausschöpften und dem Konzert zu einem beschwingten Abschluss verhalfen.

Nach einer ersten ebenso flotten Zugabe erinnerte das Quartett die Besucher an die Kirche als Ort des Konzerts mit einem letzten Stück, das für eine vollkommene Abrundung nicht besser gewählt hätte sein können: der Choral "Es ist genug" von Bach. pfi

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