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Nicht durch Blumenrod

Von Die Zeit der Stille und des Abwartens ist für den Verein "Bürger gegen die Südtangente" vorbei. Es gilt die Limburger Südumgehung auf der sogenannten Alttrasse zu verhindern.
Limburg. 

"Es war für alle Beteiligten sehr überraschend, als die Entscheidung des Lenkungsausschusses bekannt gegeben wurde", sagt Ulrich Schulz vom Vorstand des Vereins. Die Überraschung ist verflogen, schließlich wurde die Entscheidung Mitte September vergangenen Jahres verkündet. Mit der Entscheidung wird die Alttrasse durch Blumenrod wieder zu der Variante, deren Verwirklichung vorangetrieben werden soll. In den Jahren zuvor galt eine Umgehung um Neu-Blumenrod herum als die Straße mit den besten Realisierungsaussichten.

"Wir wollen nicht mehr brav sein", macht Volkmar Wruck als Vorsitzender des Vereins deutlich. Die vergangenen Jahre hatte sich die Gruppierung nur hin und wieder bei der Diskussion um eine Südumgehung zu Wort gemeldet. Kein Wunder, denn vorrangiges Ziel der Gegner einer Südtangente ist die Verhinderung der Umgehung auf der Alttrasse mitten durch Blumenrod. Was die Organisation und das couragierte Auftreten angeht, ist der Verein "Gegen eine Südumgehung Limburg/Linter" durchaus Vorbild. Der hatte es immerhin geschafft, erhebliche Planungsmängel bei der Betrachtung der Umgehung um Blumenrod herum aufzudecken. Die Problematik mit dem von Mensfelder Kopf herunter kommenden Grundwasser war bei den Planern völlig vergessen worden. Dieses Wasser führt jedoch zu einer ganz erheblichen Kostensteigerung der Umgehungsstraße.

Beschwerde eingereicht

Nicht mehr brav sein, damit will der Verein morgen Abend im Ausschuss im Rathaus beginnen. Dort geht es im großen Sitzungssaal um 19.15 Uhr um die Südumgehung. Aufklärung ist angesagt. Es geht darum, wie der Lenkungsausschuss zu seiner Entscheidung gekommen ist, nun wieder auf die Alttrasse zu setzen.

Nicht mehr brav sein heißt, aber auch, für die eigenen Rechte einzutreten. Beim Regierungspräsidium Gießen haben Mruck und seine Mitstreiter Anfang Dezember Beschwerde über die Missachtung der Bestimmungen des Umweltinformationsgesetzes durch die Stadt eingelegt. Die Beschwerde ist inzwischen an den Landkreis als zuständige Behörde weitergeleitet worden. Dabei geht es darum, so der stellvertretende Vorsitzende Stephan Vogt, Einblick in das Kostenmanagement für die Südumgehung auf der Alttrasse zu erhalten. Die Stadt hat das Ansinnen im November mit dem Hinweis abgelehnt, dass das Kostenmanagement selbst keine unveröffentlichten Umweltinformationen enthalte und als interner Bericht einer Behörde zu einer anderen Behörde nicht vom Umweltinformationsgesetz abgedeckt sei, heißt in der Beschwerde des Vereins.

Der Lenkungsausschuss, ein mit Verwaltungs- und Behördenvertretern besetztes Gremium aus den von der Südumgehung tangierten Kommunen und Straßenbauverwaltungen der beiden Bundesländer, argumentiert vor allem mit den Kosten bei seiner Empfehlung für die Alttrasse. Doch das lassen Stephan Vogt und Vorstandsmitglied Klaus Bohatschek nicht gelten. Sie bezweifeln keineswegs die erhebliche Kostensteigerung bei der Variante um Blumenrod herum, sie bezweifeln aber die Kosten, die nun für die Variante auf der Alttrasse angesetzt werden.

Zweifel an Kosten

67,5 Millionen Euro sind für die Straße angesetzt, eine lediglich grobe Kostenschätzung, die von Vogt und Bohatschek angezweifelt wird. Zum einen, so Bohatschek, spielt das Grundwasser auch bei der Alttrasse eine Rolle. Nach den bisherigen Probebohrungen wird dieses Problem jedoch nicht gesehen. Auch beinhaltet die Kostenschätzung eine kurze Tunnellösung und nicht, wie von der SPD vorgeschlagen, einen langen Tunnel.

Erhebliche Probleme sieht der Verein auch durch die Überschreitung von Lärmgrenzwerten. Betroffen davon sei unter anderem das Gelände der Pallottiner, die Jugendherberge, verschiedene Wohnhäuser sowie der komplette Bereich "Mitte" der geplanten Trasse. Dort würden Bereiche als Mischgebiet bezeichnet, die eindeutig als Wohngebiete genutzt würden. Der Verein kommt deshalb zur Einschätzung: Das Lärmgutachten geht großzügig mit der Gesundheit der Anwohner der Alttrasse um.

Auch sei die Anbindung der geplanten Umgehung an das bestehende Straßennetz überaus problematisch. Ein sechsarmiger Kreisel soll zum Beispiel die Wiesbadener Straße zwischen Uhland- und Goethestraße anbinden. Die laut Gutachten eingeräumte voraussichtliche Nutzung von Randflächen der angrenzenden Nutzung ist nach Einschätzung des Vereins eine nette Umschreibung für den Abriss von Gebäuden.

Geringe Verkaufsbereitschaft

Nach Einschätzung von Wruck darf bei den Planungen auch nicht vergessen werden, dass sich rund 40 Prozent der benötigten Grundstücksflächen noch im Privatbesitz befinden. Die Bereitschaft, für eine neue Straße diese Flächen zur Verfügung zu stellen, stuft Wruck als außerordentlich gering ein.

Immer wieder zu Gesprächen an den Tisch zurückzukehren, das ist auch nicht mehr angesagt. "Natürlich sind wir enttäuscht, zumal uns immer wieder versichert worden ist, dass die Alttrasse in den Überlegungen keine Rolle mehr spielt", sagt Wruck. Nun werde auch deutlich, warum die Alttrasse im Regionalen Raumordnungsplan immer noch als mögliche Variante aufgeführt und auch nicht aus dem Flächennutzungsplan herausgenommen ist. So blieb für die Alttrasse immer ein "Hintertürchen" offen.

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