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Protest gegen "Stadtautobahn"

Sie sind enttäuscht und fühlen sich verschei..., die Mitglieder des Vereins "Bürger gegen die Südtangente", denn in Limburg zeichnet sich eine breite politische Mehrheit für eine Umgehung auf der sogenannten Alttrasse ab.
Protest gegen die Limburger Südumgehung im Jahr 2008 (Foto: Archiv) Protest gegen die Limburger Südumgehung im Jahr 2008 (Foto: Archiv)
Limburg. 

"Umgehung ist eine falsche Bezeichnung, das wird eine Stadtautobahn", sagt Volkmar Wruck, Vorsitzender des Vereins. Er und seine Mitstreiter sind mehr als enttäuscht über die sich abzeichnende breite politische Mehrheit für eine Südumgehung auf der Alttrasse, die durch Alt-Blumenrod führen soll. Enttäuscht vor allem von der CDU und Bürgermeister Martin Richard (CDU).

"Wir haben ihn mit auf den Stuhl gehoben, er hat von unserem Engagement profitiert", sagt Wruck und weist auf die Bürgermeisterwahl im Jahr 1997 hin, in dem sich Richard gegen den damaligen Amtsinhaber Peter Arnold (SPD) bereits im ersten Wahlgang durchsetzte. 25 000 Flugblätter habe die Initiative damals verteilt, so Vorstandsmitglied Klaus Bohatschek beim Gespräch in der NNP-Redaktion. CDU und Richard hatten sich für eine ortsferne Variante ausgesprochen. Das war zu einer Zeit, als die Häuser in Neu-Blumenrod noch nicht standen.

Und genauso wenig wie den Bauwilligen in den Neubaugebieten von Blumenrod erklärt worden sei, dass unweit ihrer Häuser möglicherweise eine Umgehung gebaut werde, genauso wenig seien in der Vergangenheit die Grundstückskäufer in Alt-Blumenrod auf eine eventuell zu bauende Umgehung in direkter Nähe hingewiesen worden. Die ersten Häuser in diesem Bereich wurden 1957 gebaut, "da dachte niemand an eine Umgehung", so Bohatschek. Eine Südumgehung sei erst 1985 ins Auge gefasst worden.

"Die Stadt hat ein Verkehrsproblem und sucht händeringend nach einer Lösung, die sie nicht selbst, sondern der Bund finanziert", umreißt Ulrich Schulz als Sprecher des Vereins die Problematik. Und um dieses Ziel zu erreichen, werde nun die Alttrasse in einem Hauruck-Verfahren als die Variante präsentiert, für die sich eine breite politische Mehrheit abzeichnet.

Kosten explodieren

Wie es dazu kam, dass die Alttrasse als weiter zu planende und zu verfolgende Variante vom Lenkungsausschuss (einem nicht öffentlich tagenden Gremium mit Vertretern der Verkehrsbehörden der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz und der Städte Diez und Limburg) vorgeschlagen wurde, ist für Wruck und seine Mitstreiter eine Farce. Nachdem die Kosten für die Umfahrung von Blumenrod explodiert seien, weil das planende Amt zuvor so wichtige Kriterien wie Grundwasser nicht berücksichtigt hatte, wurde die Alttrasse wiederentdeckt, die deutlich geringere Kosten verursache. Nach Einschätzung des Vereins werden die Kosten allerdings auch bei dieser Variante nach oben schnellen, wenn es genauere Untersuchungen gibt.

Die "Stadtautobahn" wird nach Einschätzung von Carsten und Uta Reitz auch keineswegs zu einer Lösung der Verkehrsprobleme in Limburg führen. Die hohen Belastungen auf der Diezer Straße würden nur wenig reduziert und in der Stadt verschoben. Und dafür würden das "Paradies" in Blumenrod und der Eduard-Horn-Park als Naturflächen und Naherholungsgebiete geopfert.

Im Bereich des geplanten "Monsterkreisels" an der Wiesbadener Straße werde mit einem Verkehrsaufkommen von 48 000 Fahrzeugen gerechnet. In der Diezer Straße seien es heute 27 000 Fahrzeuge. Die zusätzliche Belastungen für die Anlieger, die Schulen und Sozialeinrichtungen wären, so Ulrich Schulz, deutlich höher als die Entlastung in der Diezer Straße. Und der Wunsch der SPD nach einem längeren Tunnel sei schon heute Makulatur, denn Hessenmobil halte eine Finanzierung eines längeren Tunnels für ausgeschlossen.

Von der Straßenverkehrsbehörde fühlt sich Wruck geradezu genötigt, denn für sie komme nur noch die Alttrasse in Frage. Und deshalb gebe es für die Stadt folglich auch nur noch die Möglichkeit, diesem Ansinnen zu folgen – oder aus den Planungen auszusteigen.

Dass die Verkehrsprobleme der Stadt mit Großplanungen gelöst werden, daran hat Carsten Reitz seine Zweifel. Die Anforderungen an maximal zulässige Belastungen durch Lärm- und Schadstoffe seien endlich umzusetzen durch entsprechende Begrenzungen (Nachtfahrverbot für Lkw, Tempo-30-Zonen) und Verkehrslenkung sowie durch einen attraktiveren öffentlichen Personennahverkehr. Die Busse müssten häufiger fahren, alle Ortsteile anbinden und günstiger sein, damit sich der Umstieg lohne.jl

(Johannes Laubach)
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